Wo zuvor das Traditionsunternehmen Pfaff 150 Jahre lang Nähmaschinen produziert hatte, stehen heute vier modernisierte Bestandsgebäude, auch mit der Neubebauung des Geländes wurde begonnen. Am 12.
Mai ist die neue Energiezentrale offiziell in Betrieb genommen worden. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat gemeinsam mit sieben Projektpartnern die Entwicklung der Industriebrache zu einem klimaneutralen Quartier begleitet.
Die Energiezentrale ist das Herzstück der Wärmeversorgung im Quartiers: Von hier aus erfolgt die Verteilung der Niedertemperatur-Wärme mit rund 65 Grad Vorlauftemperatur, die primär aus dem Rücklauf der städtischen Fernwärme gespeist wird. Zusätzlich wird die Abwärme von Kältemaschinen in das Wärmenetz eingespeist. Darüber hinaus umfasst die Energiezentrale ein Labor zur Erforschung des bidirektionalen Ladens von Elektrofahrzeugen.
Der moderne kubische Bau sticht durch die Photovoltaikfassade mit roter Farbbeschichtung aus Morpho-Color-Modulen hervor. Eine Beschichtungstechnologie, die am Fraunhofer ISE entwickelt wurde und die für eine hohe Effizienz der Module sorgt, wie das Institut mitteilt. Neben der klimafreundlichen Energieversorgung und Gebäudetechnik wurden im Rahmen des Vorhabens, wie es weiter heißt, auch Lösungen für eine nachhaltige Mobilität und nutzerorientierten Digitalisierung erforscht sowie sozialwissenschaftliche Fragestellungen untersucht.
 |
Herzstück der Wärmeversorgung im Quartier: Die Energiezentrale mit markanter roter PV-Fassade Quelle: IG-CP / EnStadt:Pfaff |
„Klimaneutrale Quartiere erfordern eine fundierte Planung und den Einsatz innovativer Technologien, die zu einem effizienten Gesamtsystem zusammengefügt werden“, so Gerhard Stryi-Hipp vom Fraunhofer ISE, wissenschaftlicher Leiter des Projekts. „Um die Herausforderungen in der Planung und Umsetzung zukunftsfähiger Quartiere zu erkennen und anwendungsreife Lösungen zu entwickeln, sind interdisziplinäre Reallabor-Projekte wie EnStadt:Pfaff erforderlich,“ erklärt dazu Peter Schossig, Bereichsleiter Wärme und Gebäude.
Digitale Lösungen für Planung und Betrieb Am Projekt war auch das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE aus Kaiserslautern beteiligt. „Digitale Lösungen erhöhen die Effizienz in der Planung und im Betrieb von klimaneutralen Quartieren“, betont Teilprojektleiter Frank Elberzhager. Sie erleichterten jedoch auch das klimafreundliche Verhalten und das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner, etwa durch die Unterstützung der Nutzung lokaler Mobilitätsangebote.
Im Bebauungsplan wurde die Installation von PV-Anlagen auf den Dächern festgeschrieben, verbunden mit der Verpflichtung zur Begrünung. Die Solarstromanlagen decken knapp 40 Prozent des jährlichen Strombedarfs in dem 19 Hektar großen Quartiers, das etwa zwei Kliometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Darüber hinaus wurde ein Reallabor-Zentrum aufgebaut, um die Ergebnisse des Projekts vor allem an Akteure, die Quartiere planen und umsetzen, weiterzugeben.
Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) sowie dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) als eines von sechs bundesweiten Leuchtturmprojekten gefördert.