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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 13.05.2026, 15:40 Uhr
Gas
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Straße von Hormus für Marktentwicklung entscheidend
Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht durch den Nahostkrieg erhebliche Risiken für die weltweite Gasversorgung. Ein Webinar beleuchtet die Folgen für LNG-Märkte und Preise.
Die Internationale Energieagentur (IEA) stellte am 12. Mai ihren aktuellen „Gas Market Report Q2 2026“ in einem Webinar mit dem Branchenverband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ vor. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die internationalen Gasmärkte sowie die Versorgungslage in den kommenden Monaten. Referenten waren die IEA-Analysten Gergely Molnar und Frederick Ritter.

Laut der IEA hat insbesondere die faktische Schließung der Straße von Hormus Anfang März die globalen Gas- und LNG-Märkte erheblich unter Druck gesetzt. Die Unterbrechung wichtiger Schifffahrtsrouten und Angriffe auf Energieinfrastruktur hätten zu einem vorläufigen Ausfall von fast 20 Prozent des weltweiten Angebots an Flüssigerdgas (LNG) geführt. Dies habe starke Preisschwankungen ausgelöst und die Gaspreise in Europa und Asien auf das höchste Niveau seit der Energiekrise 2022/23 steigen lassen.

Marktauswirkungen für weitere zwei Jahre

Die IEA analysiert in ihrem Bericht sowohl kurzfristige Marktverwerfungen als auch mittelfristige Folgen für die LNG-Versorgung. Schäden an Verflüssigungsanlagen im Nahen Osten könnten laut der Organisation dazu führen, dass geplante zusätzliche LNG-Kapazitäten später ans Netz gehen als bislang erwartet. Besonders betroffen sei das Erweiterungsprojekt North Field East in Katar. Die IEA geht davon aus, dass sich die erwartete Entspannung auf den LNG-Märkten dadurch um mindestens zwei Jahre verzögert.

Nach Angaben der IEA hatten sich die internationalen Gasmärkte zu Beginn des Jahres 2026 zunächst stabilisiert. Neue LNG-Projekte, insbesondere in Nordamerika, hätten das Angebot deutlich erhöht. Zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 sei der weltweite LNG-Handel im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent beziehungsweise 29 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Einen wesentlichen Beitrag habe dabei die Plaquemines-Anlage im US-Bundesstaat Louisiana geleistet.
 

Die höhere LNG-Verfügbarkeit hatte laut IEA zunächst sinkende Preise zur Folge. In Europa lagen die TTF-Preise in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 rund 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. In Asien gingen die Preise für Platts JKM im gleichen Zeitraum um 27 Prozent zurück.
 
Einfluss des kalten Winters auf den Gasverbrauch nach Regionen (hellblau 2025, dunkelblau 2026) -
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Quelle: IEA

Iran-Krieg verteuert Gaspreise für Asien

Mit der Eskalation im Nahen Osten habe sich die Lage jedoch abrupt verändert. Die weltweite LNG-Produktion sank laut IEA im März gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent beziehungsweise vier Milliarden Kubikmeter. Besonders stark betroffen gewesen seien Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Teilweise hätten neue LNG-Mengen aus Nordamerika und Afrika die Ausfälle kompensiert.

Die Preisentwicklung reagierte entsprechend deutlich. Die durchschnittlichen TTF-Preise lagen im März laut Bericht bei rund 18 US-Dollar pro MBtu. In Asien erreichten die JKM-Preise knapp 21 US-Dollar pro MBtu. Gleichzeitig nahm die Volatilität an den Märkten stark zu. Die Schwankungsbreite der asiatischen JKM-Preise (Japan Korea Marker) stieg laut IEA auf fast 300 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit März 2022.

Gasnachfrage durch Staaten gesenkt

Nach Einschätzung der IEA wird die Nachfrageseite eine wichtige Rolle für die Stabilisierung der Märkte spielen. Mehrere asiatische Staaten hätten bereits Maßnahmen eingeleitet, um den Gasverbrauch zu senken und alternative Energieträger stärker zu nutzen. Auch in Europa ging der Erdgasverbrauch im März im Jahresvergleich um rund vier Prozent zurück. Grund dafür sei vor allem die gestiegene Stromerzeugung aus Wind- und Wasserkraft gewesen.

Die IEA weist zudem darauf hin, dass die Dauer der Einschränkungen in der Straße von Hormus entscheidend für die weitere Marktentwicklung sei. Jeder Monat ohne LNG-Transporte durch die Meerenge bedeute einen Ausfall von rund zehn Milliarden Kubikmetern LNG-Angebot.

Mittelfristige Auswirken erwartet

Mittelfristig erwartet die Organisation erhebliche Auswirkungen auf das weltweite LNG-Angebot. Allein die Schäden an LNG-Anlagen in Katar könnten die dortige Produktion bis 2030 um fast 70 Milliarden Kubikmeter reduzieren. Insgesamt summierten sich die erwarteten Angebotsverluste im Zeitraum 2026 bis 2030 auf rund 120 Milliarden Kubikmeter LNG.

Die aktuelle Krise verdeutlicht laut IEA die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen in die Gas- und LNG-Infrastruktur sowie einer engeren internationalen Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Verbrauchern. Zudem könnten langfristige Lieferverträge helfen, kurzfristige Preisschwankungen abzufedern, empfahlen die Analysten.

Der 1. Quartalsbericht 2026 der IEA zum Gasmarkt steht als PDF in englischer Sprache zum Download bereit.