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Fritz Wilhelm
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Donnerstag, 30.04.2026, 12:44 Uhr
Gas
E&M News
Gaspreise treiben Versorger in die Defensive
Gestiegene Gaspreise infolge geopolitischer Spannungen setzen Versorger unter Druck. Ihre Reaktionen auf die Situation haben wir in unserer neuen Printausgabe zusammengetragen.
Nach der Eskalation im Nahen Osten haben stark gestiegene Gaspreise die Versorger verunsichert. Die Stadtwerke Hamm etwa haben ihre Aktivitäten auf Vergleichsportalen im März vorübergehend eingestellt, da zusätzliche Beschaffungen für Neukunden wirtschaftlich kaum darstellbar waren. Das Unternehmen hat sich frühzeitig mit Gas für die kommende Heizperiode eingedeckt. Nachkäufe für Neukunden wären aber teuer.

Laut Vergleichsportal Verivox hätten mehrere Anbieter ähnlich reagiert und ihre Angebote zeitweise zurückgezogen, während viele andere die Preise für Neukunden erhöht hätten. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bezifferte den durchschnittlichen Gaspreis für Haushalte im April auf 12,82 Cent pro Kilowattstunde – ein deutlicher Anstieg gegenüber Februar. Auch Industriekunden seien von steigenden Preisen betroffen.

Marktbeobachter führen die Entwicklung auf Lieferausfälle von Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten sowie gestiegene Risikoprämien zurück. Trotz vergleichsweise geringer Importanteile über die Straße von Hormus reagierten die Märkte laut Analysten äußerst sensibel auf politische Nachrichten. Diese Unsicherheit spiegele sich in hoher Volatilität wider, weshalb Experten empfehlen, offene Positionen möglichst gering zu halten.
 
Diversifizierung von Lieferquellen
 
Vor diesem Hintergrund gewinne die Ausgestaltung der Beschaffungsstrategien an Bedeutung. Diese müssten so strukturiert sein, dass sie auch extreme Marktphasen überstehen könnten, sagt Moritz Herrmann zu E&M. „Entscheidend sind klare Regeln, Transparenz über Positionen und Risiken sowie belastbare Prozesse in der Beschaffung, um auch in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben“, so der Portfoliomanager von Syneco. Dass insbesondere kleinere Versorger bei der Umsetzung solcher Strategien an ihre Grenzen stoßen, weiß Carsten Diermann. Der Spezialist für Versorgungsstrategien bei der LBD-Beratungsgesellschaft. Wenn Krisensituationen das „neue Normal“ seien, helfe allerdings nur eine Diversifizierung von Lieferquellen mit längeren Vertragslaufzeiten.

Während langfristige Lieferverträge mehr Stabilität bieten könnten, bestehe das Risiko, bei sinkenden Marktpreisen Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Solange Kunden keine langfristigen Verträge nachfragten, erscheine die Orientierung an Großhandelsmärkten weiterhin sinnvoll, so Diermann.

Große Importeure wie VNG oder Uniper sehen sich hingegen gut aufgestellt und berichten von stabilen Versorgungsverhältnissen. Physische Engpässe seien derzeit nicht erkennbar, vielmehr zeigten sich die Auswirkungen vor allem auf der Preisseite.
Als Herausforderung gilt jedoch die Befüllung der Gasspeicher, „auch da die aktuelle Terminpreiskurve wirtschaftliche Einspeicherungen nahezu unmöglich macht“, wie Syneco-Experte Stephan Hausl im Gespräch mit E&M sagt.

Branchenvertreter fordern daher verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, um Speicher und LNG-Infrastruktur besser aufeinander abzustimmen. Marktbasierte Lösungen sollten dabei Vorrang vor staatlichen Eingriffen haben. „Eine sichere Gasversorgung braucht marktwirtschaftliche Lösungen statt Zwangsbefüllungen“, heißt es von Seiten der Leipziger VNG.

Den ausführlichen Beitrag über die Situation am Gasmarkt lesen Sie in der neuen Print-Ausgabe von Energie & Management.