Gemeinschaftlich betriebene Solaranlagen auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern gelten als wichtiger Baustein für die dezentrale Energiewende. Solche Anlagen könnten in Deutschland insgesamt 60.000
MW Strom erzeugen. In der Praxis sehen sich engagierte Initiativen vor Ort jedoch weiterhin mit erheblichen Hürden konfrontiert, so das Bündnis Bürgerenergie in einer Mitteilung. Die Organisation vertritt Energiegenossenschaften und lokalen Initiativen.
Eine nicht repräsentative Umfrage des „1000 GW Instituts“ gemeinsam mit dem Bündnis Bürgerenergie zeigt, dass viele Projekte bislang ausgebremst werden. Demnach bieten nur wenige Verteilnetzbetreiber „praxistaugliche Lösungen an für das Teilen von Strom über Mieterstromprojekte und die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung“. Die überwiegende Mehrzahl der Netzbetreiber sei einer gemeinschaftlichen Vor-Ort-Versorgung wenig aufgeschlossen.
In der Umfrage konnten Praktiker Erfahrungen mit dem jeweils zuständigen Verteilnetzbetreiber bewerten. Rund 100 Rückmeldungen seien eingegangen. Genannt wurden unter anderem IT-Probleme, Intransparenz und mangelnde Erreichbarkeit. Gleichzeitig berichteten einzelne Teilnehmer auch von engagierten Netzbetreibern, die Mieterstrommodelle aktiv unterstützen.
Vor allem „Verzögerer“Insgesamt wurden Rückmeldungen zu 50 Netzbetreibern ausgewertet. Kein einziger wurde von den Befragten als sogenannter „Champion“ eingestuft, also als Unternehmen, das alle gesetzlichen Pflichten erfüllt und das Teilen von Solarstrom innerhalb von Mehrfamilienhäusern ermöglicht. Fünf Netzbetreiber werden vom Bündnis Bürgerenergie als „Unterstützer“ bezeichnet, die „das Notwendigste“ tun, um entsprechende Anlagen zu ermöglichen.
Die große Mehrheit von 44 Netzbetreibern wurde hingegen als „Verzögerer“ eingeordnet, da sie den Bau von Gemeinschaftskraftwerken bremsen würden. Ein Netzbetreiber fiel vollständig durch und wurde als „Verhinderer“ bewertet.
Vor diesem Hintergrund richtet das Bündnis Bürgerenergie mehrere Forderungen an Politik und Regulierung. Die Bundesnetzagentur solle sicherstellen, dass die Versorgungsnetzbetreiber ihren gesetzlichen Pflichten nachkommen. Zudem wird ein „Mängelmelder“ gefordert, der auch Blockaden bei Mieterstromprojekten und gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung erfasst.
Die Kosten für Smart Meter gelten weiterhin als zentrales Hemmnis. Für ein Mehrfamilienhaus mit zehn Parteien können über zehn Jahre bis zu 10.000 Euro für die Zähler anfallen. Damit werden Einsparungen durch Solarstrom weitgehend aufgezehrt. Gefordert wird, die Zusatzkosten nur einmal pro Gebäude statt pro Zähler zu erheben und zusätzliche Kosten für Datenbereitstellung zu streichen.
„Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung setzen erst fünf von 866 Netzbetreibern die nötigen internen Prozesse um. Wir fordern die Netzbetreiber auf, ihre Kräfte zu bündeln und die erforderlichen Prozesse gemeinsam zu etablieren“, sagt Valerie Lange, Leiterin Energiepolitik und Regulierung beim Bündnis Bürgerenergie.
Die Auswertung der Umfrage des „1000 GW Instituts“ und des „Bündnis Bürgerenergie“ steht als
Download zur Verfügung.
Den Text finden Sie auch in der aktuellen Print-Ausgabe von E&M im Mai.