Der mögliche Wegfall der Einspeisevergütung für kleinere Photovoltaikanlagen könnte nach Einschätzung von Fachleuten erhebliche Auswirkungen auf den Ausbau von Mieterstromprojekten haben. Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy, der nach eigenen Angaben größten Energiegenossenschaft Deutschlands, warnt, dass ausgerechnet in „ganz normalen“ Mehrfamilienhäusern der Zugang zu günstigem Solarstrom eingeschränkt würde. „Millionen Mieterinnen und Mieter würden von der Energiewende faktisch ausgeschlossen“, so Tangermann.
Mieterstrom, der aus Solaranlagen auf Mehrfamilienhäusern direkt an die Bewohner verteilt wird, gilt als vergleichsweise einfacher Zugang für Mieterhaushalte, sich an der Energiewende zu beteiligen und von günstigeren Strompreisen zu profitieren.
Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die von Green Planet Energy in Auftrag gegeben wurde, kommt nun zu dem Ergebnis, dass viele dieser Projekte ohne Einspeisevergütung wirtschaftlich nicht mehr tragfähig wären. Besonders betroffen wären kleine und mittlere Anlagen. Daher drohe im Mietwohnungssektor ein Rückschritt, obwohl etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland zur Miete wohnt.
Zugleich weist die Studie auf ein bislang ungenutztes Potenzial hin: Von rund 3
Millionen Mehrfamilienhäusern in Deutschland seien bisher nur wenige Tausend mit Mieterstromanlagen ausgestattet. Technisch könnten jedoch bis zu 20
Millionen Wohnungen mit lokal erzeugtem Solarstrom versorgt werden. Vor allem in urbanen Räumen ließe sich so ein größerer Beitrag zur Energiewende leisten.
Alternativen nur begrenzt tauglichDen Modellrechnungen zufolge verschlechtert sich allerdings die Wirtschaftlichkeit ohne Einspeisevergütung deutlich. Während größere Anlagen von Skaleneffekten profitieren könnten, gerieten kleinere Projekte auf Gebäuden mit etwa acht bis 30
Wohneinheiten häufig in die Verlustzone. Die Einspeisevergütung stelle daher keine zusätzliche Rendite dar, sondern sei ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells, wie auch Studienautor Ralph Henger vom IW betont.
Alternativen wie die Direktvermarktung könnten dem Gutachten zufolge die entstehenden Lücken nur begrenzt schließen. Zudem hänge der wirtschaftliche Erfolg stark von der Teilnahmequote der Mieter ab, die sich besonders im Bestand nur eingeschränkt beeinflussen lasse.
Aus Sicht von Green Planet Energy sind daher stabile Rahmenbedingungen erforderlich. Tangermann betont, kurzfristig müsse entweder die Einspeisevergütung erhalten bleiben oder durch einen höheren Mieterstromzuschlag kompensiert werden. Langfristig könne Mieterstrom auch ohne Förderung auskommen, sofern bürokratische Hürden reduziert, Prozesse vereinfacht und Genehmigungsverfahren beschleunigt würden.
Eine weitere Rolle für die Wirtschaftlichkeit spielen nach Einschätzung des Unternehmens Batteriespeicher. Sie könnten den Eigenverbrauch erhöhen und zur Stabilisierung der Erträge beitragen. Derzeit erschwerten jedoch uneinheitliche regulatorische Vorgaben ihren Einsatz. Hier sei die Bundesregierung gefordert, einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen und die Integration von Speichern voranzubringen.
Das IW-Gutachten mit dem Titel „
Mieterstrom ohne EEG-Vergütung. Berechnungen zu den Auswirkungen einer Streichung der EEG-Einspeisevergütung auf Mieterstromprojekte“ steht zum Download zur Verfügung.