Neues aus dem Fernwärmebereich der Stadtwerke. Das Unternehmen nutzt künftig einen Temperaturoptimierer. Zudem kommen Drohnen zum Aufspüren von Leckagen zum Einsatz.
Die Stadtwerke Kiel errichten derzeit im Stadtgebiet eine Mischstation, die die Fernwärmetemperatur im Netz automatisiert regelt. Der sogenannte Temperaturoptimierer soll den Vorlauf bedarfsgerecht anpassen und damit den Netzbetrieb effizienter gestalten.
Nach Angaben des Unternehmens wird dazu Fernwärmewasser aus Vor- und Rücklauf gezielt vermischt. Ziel ist es, die jeweils minimal erforderliche Vorlauftemperatur bereitzustellen. Dadurch lassen sich Wärmeverluste im Netz reduzieren und die Betriebsweise der Fernwärmeübergabestationen optimieren. Die Inbetriebnahme ist zur kommenden Heizperiode vorgesehen.
„Mit der neuen Fernwärmestation wollen wir die Vorlauftemperatur exakt so anpassen, dass sie zu jedem Zeitpunkt dem tatsächlichen Bedarf im Suchsdorfer Versorgungsgebiet entspricht. Die Kunden spüren dabei keine Einschränkungen ihres gewohnten Wärmekomforts“, sagt Jörg Teupen, Vorstand Technik und Personal.
Vielmehr optimiere das Unternehmen die Vor- und Rücklauftemperaturen für die geplante Einbindung der Großwärmepumpen und der damit einhergehenden Temperaturabsenkung im gesamten Fernwärmenetz. Damit unterstützt das System den Betrieb von Niedrigtemperatur-Fernwärmenetzen und passt sich flexibel der schwankenden Last im Netz an.
Technisch basiert die Anlage auf einer dynamischen Beimischung von Rücklaufwasser. Kühleres Wasser aus dem Rücklauf wird digital gesteuert dem Vorlauf beigemischt. Eine kontinuierliche Echtzeit-Überwachung stellt sicher, dass die Sollwerte fortlaufend an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Auf diese Weise wird die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf gezielt optimiert.
Derartige Temperaturoptimierungen sind kein grundsätzlich neues Konzept. Vergleichbare Ansätze kommen bereits in Fernwärmenetzen zum Einsatz, unter anderem in Krefeld und München sowie in Projekten im Ausland. In Kiel erfolgt die Umsetzung jedoch erstmals in dieser Form als netzseitige Mischstation in einem konkreten Versorgungsgebiet.
Neben der Reduktion von Wärmeverlusten unterstützt das System den Betrieb von Niedrigtemperatur-Fernwärmenetzen. Diese gelten als Voraussetzung für die Integration erneuerbarer Wärmequellen wie Großwärmepumpen. Gleichzeitig kann die Anlage flexibel auf Lastschwankungen im Netz reagieren.
Leitungskontrolle per Drohne
Ergänzend setzen die Stadtwerke Kiel auf eine systematische Zustandsüberwachung ihres rund 364 Kilometer langen Fernwärmenetzes, wie es weiter heißt. Dazu werden Inspektionen mittels Flugthermografie durchgeführt. Eine mit Sensorik ausgestattete Drohne erfasst aus der Luft Wärmebilder, um potenzielle Wärmeverluste und Leckagen zu identifizieren.
Die Befliegungen erfolgen an mehreren Tagen aus einer Höhe von 90 bis 120 Metern mit senkrechter Ausrichtung nach unten. Die eingesetzte Messtechnik erfasst elektromagnetische Wellen im Wellenlängenbereich von 7,5 bis 14 Mikrometer. Aus der gemessenen Intensität wird die Oberflächentemperatur abgeleitet und farblich dargestellt. Auf diese Weise entsteht ein detailliertes thermografisches Abbild des Netzes, das Rückschlüsse auf mögliche Schwachstellen ermöglicht.