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Die Nordsee-Plattform N05-A mit dem Windpark Riffgat. Quelle: ONE-Dyas B.V.
Katia Meyer-Tien
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Dienstag, 07.04.2026, 13:49 Uhr
Gas
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Gasförderung vor Borkum ausgeweitet
Plangemäß hat One-Dyas die umstrittene zweite Förderbohrung der Nordseeplattform N05-A in Betrieb genommen. Die volle Förderkapazität soll noch vor dem Winter erreicht werden.
Mit der Inbetriebnahme der zweiten Förderbohrung hat das niederländische Explorationsunternehmen „ONE-Dyas“ die jährliche Fördermenge der Nordseeplattform N05-A auf rund 1 Milliarde Kubikmeter erhöht. Das teilte das Unternehmen am 7. April mit.

Die Förderplattform steht seit dem Sommer 2024 in der niederländischen Nordsee, 20 Kilometer nördlich der deutschen Insel Borkum. Die erste Bohrung wurde im Herbst 2024 abgeteuft, die Testphase der Produktion begann im März 2025. Seither wird das geförderte Erdgas über eine neu installierte, 15 Kilometer lange Pipeline zum bestehenden Erdgasleitungsnetz von Noordgastransport (NGT) transportiert und ins niederländische und ins deutsche Gasnetz eingespeist.

Gemeinsam mit den Partnern Hansa Hydrocarbons und EBN Gas fördert One Dyas im sogenannten „GEMS-Gebiet“ („Gateway to the Ems“-Gebiet, Region nördlich der Emsmündung) bislang jährlich rund 700 Millionen Kubikmeter Erdgas. Mit dem Start der zweiten Bohrung wächst die Förderung aus dem Feld zunächst um rund 300 Millionen Kubikmeter. Insgesamt ist die Plattform auf eine Kapazität von bis zu 2 Milliarden Kubikmetern pro Jahr ausgelegt. Diese Marke soll nach Angaben des Unternehmens im vierten Quartal 2026 und damit noch vor Beginn des Winters 2026/2027 erreicht werden.

Laufende Gerichtsverfahren

Allerdings ist das Projekt umstritten. Bürgerinitiativen, Umweltverbände, die Stadt Borkum und die Inselgemeinde Juist befürchten unter anderem negative Umweltfolgen für das Wattenmeer und gehen gerichtlich gegen das Projekt vor. Im Februar 2026 hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg den Sofortvollzug für das Gasförderprojekt bestätigt. Damit ist es One-Dyas vorerst erlaubt, Bohrungen auch unter der deutschen Nordsee vorzunehmen (wir berichteten).

Den Genehmigungsunterlagen zufolge sollen die Bohrungen in einer Tiefe von rund 1.500 Metern in das deutsche Hoheitsgebiet eintreten und anschließend schräg weitergeführt werden. Die maximale Bohrtiefe soll bei bis zu 4.000 Metern liegen. Die Urteile in den Hauptverfahren gegen die Bohrgenehmigungen stehen allerdings noch aus.

Weitere Plattform geplant

One-Dyas indes hat noch weitere Pläne im GEMS-Gebiet. Dem Unternehmen zufolge befinden sich hier noch weitere kleine Felder mit einem geschätzten Gesamtpotenzial von rund 50 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Bereits im Jahr 2020 hatte One-Dyas bei Probebohrungen die Felder N04-A und N04-C entdeckt, die sowohl auf niederländischem als auch auf deutschem Gebiet liegen. Für die Gasförderung aus diesen beiden Feldern plant One-Dyas die Installation einer sogenannten Satellitenplattform etwa 30 Kilometer nördlich der Küste. Das dort geförderte Gas soll dann zur Gasaufbereitungsplattform N05-A transportiert und nach der Aufbereitung über die Nordsee-Gastransportpipeline zum Festland geleitet werden.

Wie auch die bestehende Plattform N05-A soll die neue Plattform vollständig mit Strom aus dem nahegelegenen Windpark Riffgat betrieben werden. Durch die Nutzung der bestehenden Infrastruktur von N05-A sei lediglich die Verlegung einer Pipeline und eines Stromkabels zwischen N05-A und der Plattform N04-A erforderlich. Auch prüfe man für den Bau die Möglichkeit der Wiederverwendung einer alten Plattform. Durch die Erschöpfung von Gasfeldern an anderen Stellen der Nordsee würden gebrauchte Plattformen verfügbar, heißt es auf der Internetseite des Projektes.