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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 25.03.2026, 10:59 Uhr
Windkraft Onshore
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12.000 MW mehr Ausschreibungen bis 2030 geplant
Die Bundesregierung plant laut Ministerin Katherina Reiche zusätzliche 12.000 MW Windkraft an Land bis 2030, um Klimaziele zu erreichen und genehmigte Projekte schneller umzusetzen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Ausbau der Windenergie an Land beschleunigen. Die Ministerin kündigte in Berlin an, bis 2030 zusätzliche Kapazitäten von bis zu 12.000 MW auszuschreiben. Damit bekräftige die Bundesregierung ihre Ausbauziele im Rahmen der Energiewende und reagiert auf eine wachsende Zahl bereits genehmigter, aber noch nicht realisierter Projekte.

Laut Reiche soll der zusätzliche Zubau unter anderem durch weitere Ausschreibungen ermöglicht werden. Mehrere Bundesländer hatten zuvor gefordert, kurzfristig zusätzliche Ausschreibungskapazitäten bereitzustellen. Hintergrund ist, dass sich genehmigte Projekte bislang nur verzögert umsetzen lassen. Branchenverbände verweisen darauf, dass 2025 zwar viele neue Windkraftanlagen genehmigt wurden, diese jedoch noch nicht errichtet sind.

EEG-Vorgaben einhalten

Die Ausbaupläne stehen im Zusammenhang mit den gesetzlichen Zielvorgaben. Nach Angaben aus der Branche lag die installierte Leistung von Windenergieanlagen an Land Ende 2025 bei rund 68.000 MW. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht jedoch für 2026 eine installierte Leistung von 84.000 MW vor. Bis 2030 soll der Wert auf 115.000 MW steigen. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnten diese Ziele verfehlt werden.

Reiche betonte, der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse stärker am Bedarf ausgerichtet werden. Energie solle dort erzeugt werden, wo sie tatsächlich benötigt werde, erklärte die Ministerin. Ziel sei es, Systemkosten zu begrenzen und ineffiziente Eingriffe wie das Abregeln von Anlagen zu vermeiden. Zudem strebe das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) an, den Ausbau von Wind- und Solaranlagen besser mit dem Netzausbau zu synchronisieren.

Die Ankündigung erfolgt vor der geplanten Vorstellung des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung durch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Das Programm soll darlegen, wie Deutschland seine Klimaziele einhalten will.

Branche steht bereit

Unterstützung kommt aus der Branche. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt die Pläne der Ministerin. BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek erklärte, die Windenergie an Land könne einen Beitrag zu einem resilienten Energiesystem leisten und sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Voraussetzung sei jedoch, dass die zusätzlichen Ausschreibungen rechtzeitig erfolgen. Laut Heidebroek müssten diese spätestens bis Ende 2027 abgeschlossen werden, damit die neuen Kapazitäten bis 2030 ans Netz gehen können.

„Dafür hat der BWE im Rahmen einer Beschleunigungsagenda konkrete Vorschläge gemacht“, erinnerte Heidebroek. So schlägt der Verband unter anderem vor, Netzverknüpfungspunkte stärker auszulasten und Co-Location-Projekte zu ermöglichen. Dabei werden Erzeugungsanlagen, Speicher und Verbraucher wie Rechenzentren kombiniert, um Netzengpässe zu reduzieren und Flexibilität zu erhöhen.

Kritik an Reiches Netzplänen

Kritik kommt hingegen von Umweltorganisationen und der Opposition. Sie werfen Reiche vor, mit geplanten Maßnahmen im Netzbereich den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen. Zudem hatte die Bundeswirtschaftsministerin bei der Energiekonferenz CERAWeek in den USA dafür plädiert, das europäische Klimaziel der Klimaneutralität bis 2050 um bis zu zehn Prozent aufzuweichen.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte diese Position. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser erklärte, eine Abschwächung der Klimaziele gefährde sowohl den Klimaschutz als auch die wirtschaftliche Entwicklung.

„Die gegenwärtig hohen Preise für fossile Energien infolge des Irankriegs entlarven genau diese Politik als fahrlässig und riskant“, kommentierte Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser. Statt in der Abhängigkeit zu verharren, sollten die Bundesregierung und EU sich über die vereinbarten Klimaziele endlich von Gas und Öl lösen, forderte er.