Gewonnen hat eine innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage der Saarbrücker Iqony Energies GmbH. Das Blockheizkraftwerk auf dem Gelände der ehemaligen Grube Camphausen (in der saarländischen Gemeinde Quierschied) nutzt das anfallende Grubengas sowie die Abwärme des Grubenwassers für die Fernwärmeversorgung. Und genau an diesem Standort wurde am 24.
März feierlich die Urkunde für das „BHKW des Jahres 2025“ überreicht.
Verliehen wird die Auszeichnung jährlich von E&M und dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK). Dabei werden aus den „BHKW des Monats“-Anlagen, die in der Fachzeitung E&M erscheinen, am Jahresende von einer Jury des Bundesverbandes ein
Gewinner gekürt. „Es ist sinnvoll, methanhaltiges Grubengas als Brennstoff zu verfeuern. So wird ein stark klimaschädliches Gas sinnvoll genutzt: Methan wirkt mehr als zwanzigmal so stark wie CO2. Seine Nutzung im BHKW reduziert diese Wirkung erheblich. Und genau dieser Punkt gab letztlich den Ausschlag für die Jury-Entscheidung“, begründet B.KWK-Präsident Andreas Rimkus noch einmal die Auszeichnung zum „BHKW des Jahres“ bei der Urkundenübergabe.
Der Einsatz von Grubengas sei technisch anspruchsvoll. Der Heizwert von Grubengas sei geringer und schwankend als bei konventionellem Gas. Das erfordere speziell ausgelegte Systeme − ein weiterer Pluspunkt für die ausgezeichnete KWK-Anlage. Als Leuchtturmprojekt stehe sie stellvertretend für viele weitere gute Lösungen – passgenau für unterschiedliche Standorte und Anforderungen. Das Projekt zeigte, wie vielseitig Kraft-Wärme-Kopplung einsetzbar ist. „Sie ist die Mutter der Sektorenkopplung, weil sie Strom, Wärme und unterschiedliche Energieträger intelligent miteinander verbindet“, sagte Rimkus.
Im Jahr 2020 hatte das Projekt eine Förderzusage für innovative KWK-Systeme der Bundesnetzagentur erhalten. Solche iKWK-Systeme setzen sich mindestens aus den nachfolgenden drei Komponenten zusammen: einer KWK-Anlage, einer Komponente zur Bereitstellung innovativer erneuerbarer Wärme und einem elektrischen Wärmeerzeuger.
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Bei der Urkundenübergabe an der iKWK-Anlage Camphausen (v. l.): Dietmar Bies (Projektleiter Iqony Energies), Andreas Rimkus (B.KWK-Präsident), Heidi Roider (Redakteurin bei E&M), Norbert Manderla (Bereichsleiter Iqony Energies), Christoph Benard (Betriebsstättenleiter HKW Camphausen und Weiher) sowie Mike Barthel (Asset Manager Iqony Energies) Quelle: E&M |
In diesem Fall ist die regenerative Wärmequelle das Grubenwasser, das eine Temperatur von 36
Grad Celsius hat. Mit einer Wärmepumpe wird es für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht.
Ende Dezember 2024 wurde die Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Grube Camphausen in Betrieb genommen. Pro Jahr werden so rund 6.300
Tonnen an CO2-Emissionen vermieden.
„Ressourcen, die sonst ungenutzt bleiben würden, werden hier sinnvoll eingesetzt. Das BHKW des Jahres zeigt, wie alle verfügbaren Energiequellen für die Energiewende erschlossen werden können“, betont Andreas Rimkus, warum KWK auch im zukünftigen Energiesystem eine wichtige Rolle spielt. „Denn die Energiewende entscheidet sich nicht im Abstrakten, sondern ganz konkret vor Ort. Dort, wo aus Ideen funktionierende Systeme werden.“ Gewählt wurde für Camphausen ein BHKW des Herstellers Innio Jenbacher mit einer Leistung von 3,1
MW. Die Kompressionswärmepumpe von der Firma Johnson Controls hat eine Leistung von 900 kW. Dazu kommen eine Power-to-Heat-Anlage mit 1
MW und eine Kesselanlage mit 8
MW. In Summe hat die gesamte Erzeugungsanlage auf dem ehemaligen Zechengelände eine Leistung von 13
MW. Die gewonnene Fernwärme wird den Stadtwerken Sulzbach als lokaler Fernwärmelieferant verkauft. Der Versorger hat mit Iqony Energies einen entsprechenden Kooperationsvertrag um 20
Jahre verlängert. Beliefert werden Teile der Stadt sowie das Krankenhaus Sulzbach, die Waldsiedlung Camphausen, Hirschbach und Goldene Au.
Seit 2019, nach dem Ende des aktiven Steinkohlenbergbaus in Deutschland, ist die RAG-Stiftung für die Ewigkeitsaufgaben verantwortlich, zum Beispiel für die Grubenwasserhaltung oder die Grundwasserreinigung. Deswegen wird gemeinsam geprüft, ob sich weitere Standorte für die Nutzung von Grubenwasser für Fernwärmezwecke der Iqony eignen.
- Barbara Minderjahn (B.KWK)
- Prof. Bernd Thomas (Hochschule Reutlingen)
- Marek Preißner (VIONTA GmbH & Co. KG)
- Steffen Hofmann (Stadtwerke Schwäbisch Hall GmbH)
- David Weiblein (BTB Berlin)