Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sieht beim Ausbau umweltfreundlicher Technologien deutlichen Handlungsbedarf. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) wünschen sich viele Befragte mehr Tempo bei der Entwicklung und Anwendung sogenannter Green-Tech-Lösungen.
Nach Angaben der DBU bewerten rund 60 Prozent der 1.006 Befragten den Fortschritt Deutschlands in Bereichen wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Recycling und Wasserstoff im internationalen Vergleich als durchschnittlich. Weitere 24 Prozent halten Deutschland in diesen Feldern für rückständig. Nur elf Prozent sehen das Land als führend. Die Erhebung fand im Januar statt.
Gleichzeitig misst eine deutliche Mehrheit der Green-Tech-Branche große wirtschaftliche Bedeutung bei. Laut Umfrage halten 80 Prozent der Befragten Herstellung und Export umweltfreundlicher Technologien für zentrale Säulen der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Der Generalsekretär der DBU, Alexander Bonde, bewertet dies als klares Signal. Deutschland dürfe seine Position in diesem Bereich nicht gefährden, erklärte Bonde laut Mitteilung.
Die DBU verweist zudem auf die wirtschaftliche Entwicklung der Branche. Seit 2010 sei die Bruttowertschöpfung im Green-Tech-Sektor jährlich um rund fünf Prozent gewachsen. Zudem entfallen laut Stiftung mehr als acht Prozent der deutschen Exporte auf diesen Bereich. Grundlage der Branche seien umweltfreundliche Produktentwicklungen und Geschäftsmodelle, die laut dem sogenannten Green-Tech-Atlas verschiedene Leitmärkte umfassen, darunter Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität.
Technologische Innovationen spielen aus Sicht der Bevölkerung insgesamt eine zentrale Rolle. 93 Prozent der Befragten halten sie für sehr oder eher wichtig für die Zukunft des Landes. Unterschiede zeigen sich laut Umfrage zwischen den Geschlechtern: Männer bewerten Innovationen häufiger als „sehr wichtig“ als Frauen.
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Wunsch der Deutschen nach mehr Innovation nach Bereichen. (Für Vollbild-Darstellung auf die Grafik klicken) Quelle: DBU |
Auch innerhalb einzelner Bereiche zeigen sich Unterschiede: Frauen wünschen sich laut Umfrage deutlich häufiger Innovationen im Gesundheits- und Pflegesektor als Männer. Bonde sieht hier großes Potenzial für Umwelttechnologien. Der Gesundheitsbereich sei mit einem hohen Ressourcenverbrauch und erheblichen Emissionen verbunden und könne durch Innovationen zur Entlastung von Umwelt und Klima beitragen, erklärte er.
Mehrheit will staatliche FörderungAls Beispiel nennt die DBU die Förderinitiative „CirculAid“, die Projekte zur Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen unterstützt. Neben dem Tempo beim Ausbau von Green Tech spricht sich eine Mehrheit der Befragten auch für ein stärkeres staatliches Engagement aus. Insgesamt 69 Prozent halten eine intensivere Förderung von Umwelttechnologien für notwendig. 16 Prozent sehen die aktuelle Förderung als ausreichend an, während etwa zehn Prozent sie für zu hoch halten.
Schwerpunkte für zusätzliche staatliche Maßnahmen sehen die Befragten vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in der Kreislaufwirtschaft. Jeweils rund 65 Prozent derjenigen, die mehr Förderung befürworten, nennen diese Bereiche als besonders wichtig.
Bei der Frage nach der Verantwortung für den Ausbau von Umwelttechnologien sehen 39 Prozent in erster Linie Staat und Politik in der Pflicht. 32 Prozent verteilen die Verantwortung auf mehrere Akteure, darunter Wirtschaft und Wissenschaft. 21 Prozent schreiben sie vor allem Industrie und Unternehmen zu.