Die Bundesnetzagentur hat ein Modell vorgelegt, mit dem Einspeiser, Speicher und Verbraucher dynamische Netzentgelte umsetzen sollen. Laut der Auffassung vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie dem Bundesverband Neue Energie (BNE) sei es aber nicht praxistauglich.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sagte, die Zielsetzung der Bundesnetzagentur, den Anstieg der Redispatch- und der Netzausbaukosten anders zu verteilen und im besten Fall zu dämpfen, sei grundsätzlich richtig und ambitioniert. „Fest steht jedoch bereits jetzt, dass das vorgelegte Konzept zu dynamischen Netzentgelten für Erzeuger, Speicher, Netzbetreiber und Verbraucher im Praxistest durchfällt“, so Andreae weiter.
Modell zu komplexDer Vorschlag sei „überkomplex, praktisch so nicht umsetzbar und nicht geeignet, die gewünschte Entlastung der Netze herbeizuführen“, fasste sie die Stellungnahme des BDEW zusammen. Einspeiser sähen sich unkalkulierbaren Preis- und Finanzierungsrisiken gegenüber. Diese würden vermeidbare Zusatzkosten bei der Kreditfinanzierung für den Neubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speichern und Kraftwerken verursachen.
Auch auf Verbraucherseite können viele Kunden nicht ausreichend flexibel reagieren, das betrifft insbesondere Industrieunternehmen. Es entsteht für alle eine deutlich höhere Planungsunsicherheit. In dieser Gesamtbewertung ist sich die Branche einig. „Bevor Förderungen als Finanzierungsgrundlage gestrichen und die Einspeisung pauschal begrenzt wird, müssen Netzbetreiber den digitalisierten Unterbau für die Direktvermarktung auch bereitstellen können“, forderte BNE-Geschäftsführer Robert Busch.
Smart-Meter-Rollout hinkt hinterher
Nötig seien dafür ein beschleunigter, günstiger und wettbewerblicher Smart-Meter-Rollout, standardisierte Marktkommunikation und klare Vorgaben und Fristen für die Verteilnetzbetreiber, die auch sanktionsbehaftet sind. „Davon ist nichts in Sicht und es wird auch nichts eingefordert“, kritisierte Busch die Bundesnetzagentur und den Gesetzgeber.
Nach seiner Auffassung blockieren die Verteilnetzbetreiber Netzzugang, Digitalisierung und Speicher. Deshalb könnten Solarstromanlagen und Gebäudeenergiesysteme nicht flexibilisiert werden und stärker zu Zeiten geringer Netzauslastung einspeisen, sagte Busch.
„Deshalb lehnen wir das Konzept der Bundesnetzagentur ab“, schloss Andreae.
Statt auf dynamischen Netzentgelten sollte der Schwerpunkt auf einer generellen Optimierung der Netznutzung liegen, um die vorhandenen Netzkapazitäten effizienter auszunutzen. „Ein Kapazitätspreis für Verbraucher, wie ihn der BDEW gemeinsam mit EWI vorgeschlagen hat, wäre hierfür eine geeignete Lösung“, erinnerte sie.
Die
Stellungnahme des BDEW zu den dynamischen Netzentgelten steht im Internet bereit.