Bei den „Super Impact Days“ in Lübeck haben Stadtwerke berichtet, wie lohnenswert aber auch mühsam der eigene Transformationsprozess ist.
Die Veranstaltung heißt „Super Impact Days“ (SID). Früher waren es die „Stadtwerke Impact Days“. Um Stadtwerke geht es aber auch heute noch. Denn es ist eine Konferenz „für mutige Menschen aus Städten, Stadtwerken und Kommunen“, wie die Veranstalter um die beiden Moderatoren Metti und Timo versprechen. Die Duz-Veranstaltung, die traditionell im Januar in Lübeck in der Sudden Death Brewery stattfindet, hat genau die Menschen im Fokus, die die Notwendigkeit der Transformation erkannt haben, die Herausforderungen des Wandels annehmen und im besten Fall noch andere dazu inspirieren, Routinen hinter sich zu lassen und Veränderung als Chance zu begreifen.
„Shift happens“ war in diesem Jahr das Motto, das mit der Assoziation von Bewegung über Kipppunkte hinweg den Schritt aus überkommenen Denk- und Aktionsmustern hin zu einer konsequenten Umsetzung von Energie-, Wärme- und Mobilitätswende verdeutlichen sollte. Und wenn doch einmal der Shift im Shit stecken bleibt und Gefahr läuft, den Sudden Death zu sterben − dann kann eine offene Fehlerkultur dafür sorgen, dass Anpassungen am Karren vorgenommen werden, um ihn wieder flott zu machen.
Viel wurde an den beiden Tagen über agiles Projektmanagement, über strategisches Management, über Product und Cluster Owner gesprochen. Auch sehr offen darüber, wie einzelne Unternehmen oder zumindest Abteilungen sich mit dem Aufbau neuer Geschäftsmodelle abmühen und so manches Lehrgeld dabei bezahlt haben.
„Was ich gerne früher gewusst hätte“ war die Einleitung von Johannes Gebler, dem Leiter der Abteilung Digitale Lösungen bei den Stadtwerken München, zu einer Liste von Erkenntnissen, die beim kommunalen Versorger in Umsetzungsprojekten zum Teil schmerzlich gewonnen wurden und nun in die Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle jenseits des althergebrachten Commodity-Geschäfts einfließen. Der kommunale Versorger setzt dabei auf einen modularen „Best-of-Breed“-Ansatz bei IT-Systemen. Zentrale Erkenntnisse aus früheren Projekten: Prozesse und Datenstrukturen in frühen Phasen bewusst einfach halten, um kostspielige Systemanpassungen zu vermeiden, und die Systemverantwortung möglichst nah am Produkt ansiedeln. Die Münchner hätten bereits vor mehreren Jahren begonnen, Strukturen für sogenanntes Corporate Venture Building aufzubauen, berichtete Gebler. Inzwischen arbeiteten rund 200 Beschäftigte in diesem Bereich.
Wärmepumpengeschäft versus Gemeindewirtschaftsrecht
Auch die Stadtwerke Düsseldorf gewährten Einblick in ihre Transformationsstrategie. Mit dem Programm „One Sales“ wurde ein neues Betriebsmodell für den Vertrieb etabliert. Verschiedene Rollen – von Sponsoren auf Vorstandsebene bis zu Cluster- und Product-Ownern – sollen bereichsübergreifend zusammenarbeiten, um strategische Ziele in konkrete Projekte zu überführen. Messbare Kennzahlen spielten dabei eine zentrale Rolle, auch wenn man hier noch Entwicklungspotenzial sehe. Aktuelle Schwerpunkte seien unter anderem aktiver Kundensupport und KI-gestützte Kündigungsprognosen.
„Aber Transformation ist kein Dauerzustand“, betonte Strzelkowski. Wenn ein Produkt eine gewisse Reife erreicht habe, sei es wichtig, einer Stelle in der Linie die Verantwortung dafür zu übertragen. Dies könne sogar dazu führen, dass − Bottom-up − sich Produktentwicklungen auf die Organisation auswirken.
Ein relativ junges Produktsegment bespielen sowohl die Stadtwerke München als auch die Stadtwerke Düsseldorf bereits: die Wärmepumpe. Und das ist gut so, wenn man Anja Floetenmeyer-Woltmann zuhört. Denn die leidenschaftliche Advokatin der Wärmewende, früher unter anderem Geschäftsführerin der Klimaschutzagentur Region Hannover und heute im Wärmepumpenbeirat (Heat Pump Accelerator Platform) der EU-Kommission, sagte beim SID: „2026 ist das Jahr der Wärmepumpe.“ Im Neubau dominiere die Technologie bereits. Gleichzeitig kritisierte sie, Stadtwerke seien bei Informations- und Veranstaltungsformaten zur Wärmewende bislang zu wenig präsent. Kooperationen mit Industrie und Handwerk seien notwendig, um Marktpotenziale zu erschließen.
Dass das Wärmepumpengeschäft allerdings nicht ganz unproblematisch ist, zeigt sich beim Blick in das Gemeindewirtschaftsrecht der jeweiligen Bundesländer. So ging auch Ende des vergangenen Jahres der Streit der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein mit den Stadtwerken Neumünster durch die Presse. Kritikpunkt: Die Stadtwerke machen den Installateuren mit ihrem Wärmepumpengeschäft unzulässige Konkurrenz.
Einen ausführlichen Beitrag über die Transformation der Stadtwerke und die Super Impact Days lesen Sie in der Print-Ausgabe von Energie & Management am 1. März.