Panattoni hat in Kerkrade einen Gewerbepark ans Stromnetz gebracht, indem das Unternehmen ungenutzte Anschlussleistung eines Nachbarn teilt, und mit Batterie und PV kombiniert.
Während Ende 2025 landesweit mehr als 14.000 Unternehmen auf einen Stromanschluss warten, hat der Immobilienentwickler Panattoni nach eigenen Angaben für sein Projekt im niederländischen Kerkrade eine alternative Lösung umgesetzt. Das Unternehmen nutzt dort erstmals das Cable Pooling, bei dem sich benachbarte Standorte einen Netzanschluss teilen.
Panattoni ist ein 1986 in den USA gegründeter Entwickler von Industrie- und Logistikimmobilien mit heute 70 Standorten in Nordamerika, Indien, Saudi-Arabien und Europa. Im niederländischen Kerkrade entwickelt er einen Gewerbepark mit rund 36.000 Quadratmetern Fläche. Das Gebäude wird vollständig elektrisch betrieben und nach dem niederländischen Nachhaltigkeitsstandard „BREEAM-NL“ zertifiziert, wie das Unternehmen mitteilt.
Kapazität kommt vom Nachbarn
Nach Angaben von Jeroen Gerritsen, Geschäftsführer von Panattoni für Belgien und die Niederlande, war für das Projekt ursprünglich keine zusätzliche Netzkapazität verfügbar. Das benachbarte Unternehmen The Lycra Company habe seine vertraglich gesicherte Anschlussleistung nicht vollständig ausgeschöpft. „Ein Teil dieser Kapazität wurde uns zur Verfügung gestellt“, erklärt Gerritsen.
In Kombination mit einer Batterie, einer Photovoltaikanlage und einer intelligenten Steuerung reiche die Leistung nun aus, um den Gewerbepark zu versorgen. Auf diese Weise lässt sich vorhandene Netzkapazität nutzen, ohne das Netz ausbauen zu müssen. Konkret installiert Panattoni nach eigenen Angaben eine Batterie mit 1 MW Leistung und 2 MWh Speicherkapazität sowie eine Photovoltaikanlage mit 1,2 MW auf dem Dach.
Die Systeme sollen Lastspitzen abfedern und den Eigenverbrauch des vor Ort erzeugten Stroms erhöhen. Cable Pooling ermöglicht es, temporär nicht benötigte Kapazitäten eines Nachbarn mitzunutzen. Sobald dieser seine Leistung selbst benötigt oder einen eigenen Anschluss erhält, endet die gemeinsame Nutzung.
Energiedienstleister Censo hilft
Unterstützt wurde das Projekt von Censo, einem niederländischen Dienstleister für Energiewendethemen. Censo begleitet nach eigenen Angaben Unternehmen bei Netzengpässen, Energieeinkauf, Effizienzmaßnahmen sowie beim Einsatz von Ladeinfrastruktur, Batterien und Solaranlagen.
Michiel Buysing Damste, Geschäftsführer von Censo, sieht in dem Modell eine Alternative zu Energiehubs. „Netzengpässe bremsen zunehmend die Entwicklung von Gewerbegebieten“, sagt er. Kollektive Lösungen wie Energiehubs seien technisch vielversprechend, aber organisatorisch komplex. Abstimmungen, Vertragsgestaltung und gemeinsame Risikoverteilung führten häufig zu Vorlaufzeiten von eineinhalb bis drei Jahren. Zudem sei in der Regel eine Genehmigung des Netzbetreibers erforderlich.
Cable Pooling lasse sich dagegen innerhalb kurzer Zeit umsetzen, so Buysing Damste. Unternehmen benötigten lediglich ein Standardprodukt des Netzbetreibers und müssten die gemeinsame Nutzung bei der niederländischen Aufsichtsbehörde Autoriteit Consument & Markt (ACM) anzeigen. Die individuell vertraglich gesicherte Anschlussleistung bleibe bestehen. Das unterscheide das Modell von manchen Energiehub-Konzepten, bei denen Unternehmen ihre feste Anschlusskapazität teilweise aufgeben müssten.
Aus Sicht von Panattoni schafft die Lösung Planungssicherheit für wachsende Unternehmen. Solange die vertraglich gesicherte Kapazität genutzt wird, kann der Netzbetreiber sie nicht wegen Knappheit reduzieren, betont Gerritsen. Unternehmen mit Expansionsplänen könnten so ihre Leistung absichern und dennoch kurzfristig Projekte realisieren.
Unterstützung der Stadt Kerkrade
Auch die Stadt Kerkrade erwartet wirtschaftliche Impulse. Stadtrat Alexander Geers verweist auf die Lage an der N300 mit Anbindung an die Autobahnen A76 und A2 sowie an deutsche Fernstraßen. Binnen einer Stunde seien 18 Millionen Verbraucher erreichbar, innerhalb von 500 Kilometern 160 Millionen. Zudem liege die Stadt nahe wichtiger Binnenwasserstraßen zwischen Rotterdam und dem deutschen Hinterland.
Mit dem Projekt in Kerkrade setzt Panattoni nach eigenen Angaben ein Modell um, das auch für andere Standorte in den Niederlanden infrage kommen könne. Vor dem Hintergrund anhaltender Netzengpässe dürfte die Frage, wie bestehende Anschlusskapazitäten effizienter genutzt werden können, weiter an Bedeutung gewinnen.