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Volker Stephan
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Donnerstag, 12.02.2026, 13:09 Uhr
Wärme
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Großwärmepumpe für das grüne Heizen im Harz
Im Harz nimmt die Wärmewende Gestalt an, in Gestalt einer großen Wärmepumpe. Die Stadtwerke Wernigerode planen eine Anlage, die ein Fünftel des aktuellen Fernwärmebedarfs decken könnte.
Die Stadtwerke Wernigerode haben eine Machbarkeitsanalyse durchgeführt, auf deren Basis sie den Bau einer Luft-Großwärmepumpe angehen wollen. Die Anlage ist nach den derzeitigen Überlegungen so dimensioniert, dass sie mehr als ein Fünftel der aktuellen Wärmeleistung im Fernwärmenetz des sachsen-anhaltinischen Versorgers erbringen kann.

Aktuell ist Gas fast vollständig der Energieträger, der in drei örtlichen Blockheizkraftwerken auf KWK-Basis zum Einsatz kommt. Laut Transformationsplan soll die Fernwärme im Netz bis 2030 zu 30 Prozent aus erneuerbaren Energien und Abwärme bestehen. Dieser Anteil soll bis 2040 auf 80 Prozent und bis 2045 auf 100 Prozent steigen.

Mit der Großwärmepumpe wären ab dem Jahr 2030 auf einen Schlag 22 Prozent der Fernwärme klimaneutral erzeugt. Dieser Wert bezieht sich auf eine prognostizierte thermische Leistung von etwa 2 MW. Der Versorger aus dem Harz erwartet rund 15,2 Millionen kWh Wärme für das Netz. Errechnet ist dies anhand einer Leistungszahl (COP) von 2,3 bis 3,5 bei etwa 7.650 Betriebsstunden pro Jahr.

Im bestehenden Fernwärmenetz von Wernigerode waren im vergangenen Jahr 69,2 Millionen kWh für Wärme und Warmwasser erforderlich. Daraus ergibt sich das gute Fünftel des aktuellen Bedarfs, den die neue Anlage decken könnte. Aktuell seien 8 Prozent der Innenstadt Wernigerodes an die Fernwärme angeschlossen, so eine Sprecherin der Stadtwerke auf Anfrage. Das Netz hat im Moment eine Länge von 45 Kilometern.

Dies ist aus mehreren Gründen eine Momentaufnahme. Erstens seien noch technische Details für die Großwärmepumpe zu klären, wodurch deren finale Ausgestaltung weiter offen sei. Zweitens rechnet der Versorger bis 2045 im wachsenden Fernmwärmenetz mit einem steigenden Absatz von 100 Millionen kWh.

Die derzeit überlegte Auslegung würde laut Stadtwerken für etwa 760 Altbauwohnungen mit einem Verbrauch von jährlich 20.000 kWh oder für 1.000 Haushalte mit 15.000 kWh Bedarf reichen. Auf Basis der Machbarkeitsanalyse wollen die Stadtwerke die Planungen konkretisieren und ihre Investitionsentscheidung treffen.

Auf Nachfrage erklärt die Sprecherin der Stadtwerke, dass das Vorhaben bis zu 7 Millionen Euro kosten werde. Einen Teil der Summe will der Versorger über Fördermittel auftreiben. Die Machbarkeitsanalyse liege bereits seit Dezember 2025 vor. Neue regulatorische Rahmenbedingungen erforderten allerdings weitere Planungen, so die Sprecherin.

Die Wernigeroder Idee passt ins Bild, das das Energiewirtschaftliche Institut der Kölner Universität (EWI) Mitte Januar gezeichnet hat. Es schätzt, dass die installierte Leistung von Großwärmepumpen bis 2030 auf knapp 1.150 MW steigen könnte (wir berichteten). Das wäre in etwa eine Versechsfachung verglichen zu heute (rund 200 MW).