Die Energiewende stellt das Netz vor Herausforderungen. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien und mehr große Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen bedeuten Netzschwankungen. Für Stabilität sorgt der Paragraf 14a EnWG, der es erlaubt, steuerbare Verbrauchseinrichtungen zeitweise zu dimmen. Als Ausgleich dafür ist eine Netzentgeltreduzierung vorgesehen. Neben der pauschalen oder anteiligen Variante besteht nun zusätzlich die Möglichkeit, zeitvariable Netzentgelte anzubieten. Wie können Eigenheimbesitzer und -besitzerinnen mit einem Heimenergiemanagementsystem (HEMS) profitieren und warum lohnt es sich für EVU, eine entsprechende Lösung anzubieten?
Seit April 2025 können Verbraucher und Verbraucherinnen, die ein Dimmen ihrer steuerbaren Verbrauchseinrichtungen erlauben, zeitvariable Netzentgelte angeboten werden. Dabei wird für das folgende Jahr festgelegt, zu welchen Tageszeiten ein Hochtarif (HT), Standardtarif (ST) oder Niedertarif (NT) gilt und wie hoch die Netzentgelte in den jeweiligen Tarifen sein sollen. Für das Jahr 2026 ist dies passiert.
Sinkende Kosten bei hoher Einsparmöglichkeit
Ein Blick auf die zwölf größten Anbieter zeigt: Obwohl zeitvariable Netzentgelte gesetzlich nur in zwei Quartalen pro Jahr angeboten werden müssen, haben sich fast alle für einen ganzjährigen Ansatz entschieden. Die Preise pro kWh in den einzelnen Tarifen sind gesunken, während die Einsparpotenziale für Verbraucher hoch bleiben. So können im Vergleich zum HT mit dem NT 7,7 bis 10,7 ct/kWh eingespart werden. Dies übersteigt die pauschale Netzentgeltreduzierung deutlich.
Voraussetzung dafür ist, Strom nur bei NT-Zeiträumen aus dem öffentlichen Netz zu beziehen. Doch diese liegen in der Mittagszeit, wenn die meisten Eigenheimbesitzenden nicht im Haus sind – oder nachts. Am Abend oder Morgen, wenn der Verbrauch steigt, gilt zumeist der HT. Die Lösung ist ein HEMS.
HEMS ermöglicht Steuerung der Energieflüsse
Ein HEMS vernetzt alle Verbraucher und Erzeuger eines Gebäudes, um auf Grundlage der Datensammlung aller Geräte Energieverbrauch und Energiebedarf optimal aufeinander abzustimmen. Dabei erfüllt es die Vorgaben des Paragrafen 14a und bezieht zeitvariable Netzentgelte mit ein. Damit wird selbst erzeugter Solarstrom zwischengespeichert, bis er benötigt wird, und zugleich beispielsweise das E-Auto nicht direkt beim Anschluss an die Wallbox, sondern erst zu Beginn des NT-Zeitraums geladen. Doch warum sollten EVUs den Vertrieb eines HEMS übernehmen?
Zunächst handelt es sich bei den Kunden, für die ein HEMS die größten Mehrwerte bietet, um eine wichtige Zielgruppe. Denn oft besitzen sie neben einer PV-Anlage einen Speicher, eine Wärmepumpe und eine Wallbox. Da diese nicht das ganze Jahr über vollständig mit eigenem PV-Strom betrieben werden können, steigt im Tagesgeschäft der Erlös der EVU.
White-Label-Lösung schafft MehrwerteMit einem HEMS wie Enbas von der Energielenker-Gruppe als White-Label-Lösung können Versorger den Kunden langfristig an sich binden. Da über die Benutzeroberfläche Informationen zu Verbrauch und Lastprofilen geteilt werden, können sie die Plattform nutzen, um durch passende Beratungsangebote kontinuierliche Sichtbarkeit zu erzielen. Dies gilt auch, wenn Kunden den Stromanbieter gewechselt haben.
Zudem lassen sich Erlösmodelle aufbauen, bei denen ein neuer Stromvertrag mit einem HEMS gekoppelt ist. Darüber hinaus können EVU ohne eigene Entwicklungsarbeit ein neues Geschäftsmodell erschließen. Dabei kann ein herstellerunabhängiges Gerät bei allen Kunden eingesetzt werden, was den Vertrieb vereinfacht. Nicht zuletzt können die Unternehmen das HEMS über lokale Installationspartner vermarkten und sich als Lösungsanbieter für die regionalen Partnerunternehmen etablieren.
Mit zeitvariablen Netzentgelten können Verbraucher dank eines HEMS enorme Ersparnisse erzielen. Für EVU, die den Vertrieb entsprechender Lösungen als White-Label-Lösung übernehmen, ergeben sich daraus Mehrwerte, die die Stärkung der Kundenbindung, die Etablierung eines neuen Geschäftsmodells und eine engere Verbindung zu regionalen Partnerunternehmen umfassen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
*Markus Große Gorgemann, Geschäftsführer Energielenker Solutions, Münster  |
Markus Große Gorgemann Quelle: Energielenker Solution |