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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 07.01.2026, 14:08 Uhr
Berlin
E&M News
Stromausfall einen Tag vorfristig behoben
Nach rund 100 Stunden haben alle 50.000 betroffenen Abnehmer in Berlin wieder Strom. Nach einem Brandanschlag wurden mehrere Hochspannungskabel überbrückt, was einen Tag früher gelang.
Nach dem tagelangen Stromausfall im Berliner Südwesten zeigt sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erleichtert über die Wiederherstellung der Versorgung. Beim Besuch einer Baustelle an einem Umspannwerk im Südwesten der Hauptstadt dankte Wegner den beteiligten Kräften für ihren Einsatz. Laut Wegner gelang es, die Arbeiten rund anderthalb Tage früher abzuschließen als ursprünglich erwartet.

Wegner lobte die funktionierende Zusammenarbeit zahlreicher Akteure. Er dankte den Hilfsorganisationen, der Berliner Polizei, der Feuerwehr, dem landeseigenen Netzbetreiber Stromnetz Berlin, mehreren Tiefbaufirmen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie der Bundeswehr und der Bundespolizei. Auch die eingerichteten Krisenstäbe hätten sich bewährt. Berlin sei durch diese Krise gekommen, sagte Wegner.

Krisenstab bleibt im Amt

Zugleich machte der CDU-Politiker deutlich, dass die Lage weiter aufmerksam beobachtet werden müsse. Die Stromzufuhr solle nun stabil anlaufen, die Krisenstäbe blieben vorerst aktiv. Nach Angaben des Senats arbeiten Teile des Netzes noch mit provisorischen Lösungen. Wegner kündigte an, aus dem Vorfall Konsequenzen zu ziehen. Dabei gehe es sowohl um einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur als auch um mögliche Verbesserungen im Krisen- und Katastrophenschutz-Management. 

Auslöser des Stromausfalls am 3. Januar war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Nach Angaben des Berliner Senats waren am Samstagmorgen zunächst rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Insgesamt seien bis zu 100.000 Menschen betroffen gewesen. Berlin rief daraufhin eine Großschadenslage aus, unter anderem um zusätzliche Unterstützung des Bundes anfordern zu können.

Netzbetreiber unter höchster Anspannung

Der landeseigene Netzbetreiber Stromnetz Berlin begann am Vormittag des 7. Januar, das Netz schrittweise wieder hochzufahren. Bereits in der Nacht zuvor konnte eine provisorische Kabelverbindung hergestellt und erfolgreich getestet werden. Zeitweise waren zuletzt noch rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom.

Nach und nach brachte der Netzbetreiber bereits in den vergangenen Tagen immer mehr Haushalte wieder in die Versorgung. Um die Gesamtversorgung möglichst rasch wieder herzustellen, arbeitete die Stromnetz-Gesellschaft an einer
provisorischen Lösung: Zwei Leitungen mit besonders großer Transportkapazität wurden am Umspannwerk Dahlem miteinander verbunden. Die Arbeiten gestalteten sich kompliziert, zum einen wegen der niedrigen Temperaturen und zum anderen aufgrund der unterschiedlichen Materialien der beiden Kabel.

Die Senatsverwaltung bat die betroffenen Haushalte, private Notstromaggregate rechtzeitig abzuschalten und empfindliche Elektrogeräte vom Netz zu trennen. Während der Wiederzuschaltung könne es kurzzeitig zu Unterbrechungen kommen. Auch kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegedienste seien vorab informiert worden, teilte Stromnetz Berlin mit.

Der Stromausfall gilt nach Angaben der Behörden mit rund 100 Stunden als der längste in der Berliner Nachkriegsgeschichte. Erst im September des vergangenen Jahres hatte ein Brandanschlag im Südosten der Stadt einen rund 60 Stunden dauernden Blackout mit etwa 50.000 betroffenen Stromkundinnen und -kunden ausgelöst.

Täter noch gesucht

Zu dem aktuellen Anschlag bekannte sich eine linksextremistische Gruppierung, die sogenannten Vulkangruppen. Die Berliner Innenverwaltung stufte ein entsprechendes Schreiben als authentisch ein. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Sie sieht unter anderem den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe. Ergebnisse der Ermittlungen liegen bislang nicht vor. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Regierender Bürgermeister Wegner sprechen von Terrorismus beziehungsweise Linksterrorismus. Die Täter hätten laut der Innenverwaltung bewusst in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen. Auch Vertreter der Bundespolitik ordneten die Tat entsprechend ein.

Während der Stromausfälle halfen Notstromaggregate, Teile der Versorgung aufrechtzuerhalten. Supermärkte konnten teilweise wieder öffnen, Mobilfunknetze stabilisierten sich schrittweise, und Notunterkünfte boten Anlaufstellen für die Bevölkerung. Mit der Wiederherstellung der Stromversorgung kehrt nun schrittweise Normalität in den betroffenen Stadtteilen ein.