Der Bau einer Windenergieanlage ist längst in industriellem Maßstab möglich. Das beweist nicht allein die Anzahl von derzeit rund 30.000 an Land installierten Turbinen in Deutschland. Anders sieht es bei Rückbau und Verwertung der Anlagen und ihrer Einzelteile aus: Das Recycling stehe „noch am Anfang einer industriellen Entwicklung“, erklärt Antje Wagenknecht, Geschäftsführerin der Fachagentur Wind und Solar.
Der von Bund, Ländern und anderen Organisationen getragene Verein sieht die Branche einem wachsenden Druck ausgesetzt, alte Anlagen bestmöglich aus dem Verkehr zu ziehen. Denn ein Drittel der in Betrieb befindlichen Maschinen sei bereits älter als 20 Jahre, womit sie aus der EEG-Förderung fallen. Bis 2035 würden Tausende Anlagen damit auch an ihr technisches Ende gelangen.
So betrachtet, werde der Rückbau zur zentralen Komponente einer nachhaltigen Windenergiewirtschaft, findet die Fachagentur. In einem Hintergrundpapier analysiert sie den Stand des Rückbaus, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die technologischen Entwicklungen.
Rotorblätter ein neuralgischer PunktEine systemische Betrachtung des gesamten Lebenszyklus einer Anlage umschließe die Materialauswahl, Fertigung und das Recycling und sei „unabdingbar“. Nur so lasse sich „eine echte Kreislaufwirtschaft verwirklichen“. Zusammenfassend fordert Antje Wagenknecht, „Sekundärmärkte für recycelte Materialien aufzubauen, standardisierte Materialpässe einzuführen und klare Vorgaben zum Rückbau und Recycling zu etablieren“.
Die Fachagentur verweist darauf, dass der Abbau einer Turbine ein komplexer Prozess sei. Nach der Demontage stehe das sichere Stilllegen, das Trennen der Materialien, ihr sachgerechtes Behandeln sowie das Rückführen in Verwertungs- und Entsorgungssysteme an. Immerhin habe man es mit Gefahrstoffen wie Ölen, Schmiermitteln oder Schwefelhexafluorid (SF6-Gas) sowie großen Materialmengen von Beton, Stahl, Kupfer und Faserverbundstoffen zu tun.
Zunehmend wichtiger werden laut Agentur Entwicklungen, die technische Innovationen und ökologische Nachhaltigkeit verbinden. Bei den Rotorblättern etwa sei ein geschlossener Materialkreislauf besonders erforderlich. Sie bestehen aus glasfaserverstärkten (GFK) und künftig vermehrt auch aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK) enthalten.
Bei in Rotoren verarbeiteten Fasern und Harzen seien Pyrolyse und Solvolyse vielversprechende Recyclingverfahren. Es fehle bislang jedoch an „wirtschaftlich tragfähigen, großtechnisch etablierten Verfahren“. Forschungsprojekte zu innovativen Recyclingmethoden, alternativen Materialsystemen und digitalen Informationsmodellen (Materialpässe) seien wichtige Ansatzpunkte. Sie zielten auf die Entwicklung intelligenter, selbstlernender Netzwerke ab, die Stoffströme effizient steuern, Akteure vernetzen und Recyclingpotenziale frühzeitig erkennen. Der Aufbau umfassender Datenbanken und Prognosetools ermögliche es, den künftigen Rückbaubedarf präziser zu quantifizieren und damit Planungssicherheit zu schaffen.
Die Fachagentur sieht in Generatoren oder Permanentmagneten „bisher vernachlässigte Komponenten“. Auch sie seien in eine Kreislaufstrategie einzubeziehen, wie es beispielsweise das „WindLoop“-Projekt tut. Das Rückgewinnen von Seltenen Erden und anderen Metallen der Magneten empfehle sich zudem aus Gründen der „geopolitischen Versorgungssicherheit“.
Das Hintergrundpapier „
Rückbau und Recycling von Windenergieanlagen. Status quo, rechtliche Rahmenbedingungen und technologische Entwicklungen“ hat die Fachagentur Wind als PDF im Internet bereitgestellt.