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Quelle: Katia Meyer-Tien
Susanne Harmsen
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Dienstag, 06.01.2026, 15:07 Uhr
Stromnetz
E&M News
Reparaturen am Stromnetz in Berlin schreiten voran
Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke gehen die Reparaturarbeiten am Stromnetz weiter. Rund 25.500 Haushalte sind weiter ohne Strom, das Land erstattet Betroffenen Hotelkosten.
Am vierten Tag des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten hat die Berliner Polizei ihre Einsatzkräfte deutlich aufgestockt. Nach Angaben der Polizei sind in den Ortsteilen Wannsee, Nikolassee und angrenzenden Gebieten inzwischen rund 450 Beamtinnen und Beamte im Einsatz. Unterstützung kommt von der Bundespolizei. Sie installiert mobile Lichtmasten und will mit verstärkter Präsenz die Sicherheit in den weiterhin dunklen Wohngebieten erhöhen.

Ursache des Stromausfalls war nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein Brandanschlag, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte. Die Polizei geht Informationen aus der Bevölkerung zu den Brandstiftern nach. Nach Zeugenaufrufen seien Hinweise im „mittleren zweistelligen Bereich“ eingegangen, sagte Polizei-Vizepräsident Marco Langner bei einer Pressekonferenz. Acht davon seien erfolgversprechend. Zudem habe die Polizei mehrere Hundert Stunden Videomaterial sichergestellt. Dieses müsse nun ausgewertet werden von der Ermittlungsgruppe, die beim für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz der Polizei den Fall bearbeitet.

Wiederherstellung der Versorgung bis Donnerstag

Nach Angaben des zuständigen Netzbetreibers Stromnetz Berlin sind auch am vierten Tag noch rund 24.700 Haushalte und 1.120 Gewerbekunden ohne Strom. Am Samstagmorgen direkt nach dem Brandanschlag waren zunächst rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen betroffen. Etwa die Hälfte der Anschlüsse sowie alle Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen konnten zwischenzeitlich wieder mit Strom versorgt werden.

Bis zum Mittag des 6. Januars konnten weitere 2.500 Haushalte und 150 Gewerbe wieder angeschlossen werden. Allerdings werden voraussichtlich erst am Nachmittag des 8. Januar alle Betroffenen wieder Strom haben, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Stromnetz Berlin spricht vom längsten Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bei einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal waren mehrere Hochspannungskabel (110 kV) gleichzeitig zerstört worden.

Inzwischen sind laut Stromnetz Berlin die Tiefbauarbeiten an beiden Schadstellen abgeschlossen. Eine Baustelle betrifft eine beschädigte Kabelbrücke am Teltowkanal, die zweite eine provisorische Lösung für die Versorgung der betroffenen Haushalte. Dort sollen zwei bislang nicht verbundene Leitungen zusammengeführt werden. „Heute beginnen die elektrischen Arbeiten“, erklärte der Sprecher. Man liege damit „sehr gut im Zeitplan“.

Der vorhergegangene Blackout im September 2025 im Berliner Südosten nach einem Brandanschlag hatte laut Betreiber rund 60 Stunden gedauert und betraf etwa 50.000 Stromkundinnen und -kunden. Die Dimension sei mit der aktuellen Lage vergleichbar, so der Sprecher.

Große Unterstützung für Berliner

Derzeit seien rund 35 große Notstromaggregate im Einsatz. Unterstützung kam dabei auch aus Nordrhein-Westfalen: Fünf mobile Notstromersatzanlagen trafen laut Berliner Feuerwehr in der Nacht ein und wurden angeschlossen. Bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung solcher Anlagen hilft nach Angaben der Innenverwaltung inzwischen auch die Bundeswehr.

Auch die Stromversorgung der drei betroffenen S-Bahnhöfe Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee ist nach Angaben von Stromnetz Berlin wiederhergestellt. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass die Linien S1 und S7 wieder im 20-Minuten-Takt verkehren. Zudem öffnen nach und nach wieder mehr Supermärkte in den betroffenen Ortsteilen.

Trotz der Fortschritte harren weiterhin viele Tausend Menschen ohne Strom und Heizung in kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren aus. Nach Angaben aus dem Bezirk bleiben etwa 20 Schulen den zweiten Tag in Folge geschlossen. Mitarbeitende von Ordnungsämtern, Polizei, Hilfsorganisationen wie den Maltesern sowie weitere Besuchsdienste gehen seit Sonntag von Tür zu Tür, um insbesondere ältere oder alleinstehende Menschen zu erreichen.

Angesichts von Temperaturen von teils nur sieben bis acht Grad in den Wohnungen bietet der Bezirk Steglitz-Zehlendorf nach Angaben des Bürgermeisters allen Betroffenen Unterkünfte oder Hotelplätze an. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), teilte auf der Plattform X mit, dass das Land die Kosten für Hotelzimmer erstattet.