Die Energiewende hängt nicht zuletzt von der Transformationskraft bedeutender Versorgungsunternehmen ab. Hinter dem Begriff Transformationskraft, den das Beratungsunternehmen Roland Berger benutzt, steckt nichts anderes als die Möglichkeit, ausreichend investieren zu können. Und diese monetäre Kraft sieht Roland Berger schwinden.
Das Unternehmen hat im Dezember 2025 erstmals eine Studie zur Finanzkraft führender europäischer Versorger vorgelegt, die es ab sofort jährlich erneuern will. Der aktuelle Blick auf Leistungsfähigkeit und Investitionskraft der Energieunternehmen gibt zur Sorge Anlass. „Die Energiewende in Europa ist in Gefahr“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie „Timing the
energy transition“.
Roland Berger begründet die zurückhaltende Einschätzung damit, dass aktuell nur rund 55 Prozent der 60 größten europäischen Energieversorger die erforderliche Mindestrendite erwirtschafteten. Von der Billion Euro an Investitionen, die bis 2030 für die Transformation des Energiesystems aufzuwenden ist, könnten die Versorgungsunternehmen derzeit nur ein Fünftel tatsächlich aufbringen.
20 Energieunternehmen ächzen unter hohen AusgabenFür die Analyse hat Roland Berger Geschäftsbilanzen der vergangenen zehn Jahre herangezogen. Methodisch sind dabei Verschuldungsgrad und Return on Capital Employed (ROCE) in die Betrachtung eingegangen. ROCE ist eine Kennzahl, die Auskunft über die Rentabilität gibt und das langfristig im operativen Geschäft angelegte Vermögen einbezieht.
Nach diesem Prüfmuster ordnet Roland Berger die Versorger anhand der Finanzkraft und Investitionen in vier unterschiedliche Kategorien ein. Die Gruppe mit dem größten Nachholbedarf bezeichnet das Beratungshaus als „Locked-in Early Movers”. Ein Drittel, also 20 Versorger, sind darin erfasst, weil sie sich durch geringe Transformationsfähigkeit und zuletzt hohe Ausgaben auszeichneten.
Die größte Gruppe (40 Prozent) sind jene Energieunternehmen, die über starke Finanzen und steigende Vermögenswerte verfügten. Sie tragen den Beinamen „Transformationskraftwerke“. Ihnen traut Roland Berger eher zu, ihre Margen zur Diversifizierung nutzen zu können.
Das restliche Viertel teilt Roland Berger in die Gruppen „Verstärker” oder „eingeschränkte Nachzügler” ein. Sie – wie die schwächsten Unternehmen – erhalten den Rat, Investitionen vorerst auszusetzen und die aktuellen Geschäftsmodelle zu optimieren. Denn insgesamt leide die Transformation des Energiesystems unter dem wachsenden Investitionsdruck einerseits und sinkenden Margen, schwächerer Aktienkurse sowie höherer Verschuldung andererseits.
Die Studie „
Timing the energy transition. Why some utilities can act today, while others must prepare for tomorrow's opportunities“ hat Roland Berger (im englischen Original) als PDF ins Netz gestellt.