Die Stiftung Klimaneutralität sieht deutlichen Nachsteuerungsbedarf bei der Kommunalen Wärmeplanung. Eine Untersuchung von 15 abgeschlossenen Wärmeplänen aus acht Bundesländern mit rund 650.000 Haushalten zeigt große Unterschiede bei Qualität, Methodik und Verbindlichkeit der Planungen, teilte die Stiftung Klimaneutralität am 6.
Januar dazu mit. Insbesondere soziale Aspekte wurden bei den untersuchten Planungen kaum berücksichtigt, so die Kritik.
Die Analyse der Stiftung Klimaneutralität zeigt unter anderem eine sehr unterschiedliche Handhabung der gesetzlichen Vorgaben: Während einige Kommunen von vornherein flächendeckend klare Zuordnungen vornehmen, bleiben andere laut dieser Erhebung bei großen Teilen des Stadtgebiets unentschieden und weisen viele Prüfgebiete aus. Auch die Differenzierung zwischen Nah- und Fernwärme wird inkonsistent gehandhabt, obwohl dies für die praktische Umsetzung hochrelevant ist.
„Eine Spezifizierung der gesetzlichen Kriterien für die Kommunale Wärmeplanung wäre vor diesem Hintergrund sinnvoll“, so Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. Soziale und ökonomische Rahmenbedingungen flossen in die untersuchten Pläne kaum ein.
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Die Studie „Sozio-ökonomische Ableitungen aus den ersten Wärmeplanungen: Analyse von 15 Beispielkommunen“ als PDF. (zum Öffnen bitte auf das PDF klicken) Quelle: Quelle Stiftung Klimaneutralität |
Die Studie untersuchte auch, wie sozio-ökonomische Daten die Wärmeplanung unterstützen können. Mithilfe GIS-gestützter Auswertungen wurden die ausgewiesenen Versorgungsgebiete mit hochauflösenden Haushaltsdaten und der Persona-Analyse des Sozial-Klimarats verschnitten. Ziel war es, vulnerable Haushaltsgruppen sichtbar zu machen.
Gerade in Prüfgebieten können soziale Kriterien laut Studie handlungsleitend sein, wenn techno-ökonomische Bewertungen keine eindeutige Lösung ergeben. „Die Wärmewende ist ja nicht mit der Gebietseinteilung geschafft. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Stadtwerke müssen den Bau von Wärmenetzen leisten können und Haushalte den Einbau einer Wärmepumpe. Das ist nicht immer der Fall“, so Losse-Müller.
Relevanz auch für dezentrale GebieteAuch außerhalb potenzieller Wärmenetzgebiete liefern sozio-ökonomische Daten wichtige Hinweise. Sie zeigen Eigentümerstrukturen in Quartieren, den Koordinationsbedarf bei Wohnungseigentümergemeinschaften und den Umfang von Beratungs- und Fördererfordernissen einzelner Haushalte. Auf dieser Basis könnten Kommunen quartiersspezifische Strategien entwickeln. Die Studie warnt zugleich vor selektiver Erschließung wirtschaftlich attraktiver Gebiete durch einzelne Akteure, da dies eine sozial ausgewogene Umsetzung der Wärmewende gefährdet.
Die Stiftung empfiehlt daher, sozio-ökonomische Daten systematisch in die Kommunale Wärmeplanung zu integrieren. Zudem schlägt sie Quartiersinstrumente für dezentrale Versorgungsgebiete vor, um bestehende Förderprogramme zielgerichteter auszurichten.
Weitere Empfehlungen betreffen eine klarere Definition und Begrenzung von Prüfgebieten sowie eine Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben im Wärmeplanungsgesetz. Diese Anpassungen sollen bei der Fortschreibung der Kommunalen Wärmepläne berücksichtigt werden.
Bis Mitte 2028 müssen rund 11.000
Kommunen entsprechende Planungen erstellt haben. Aktuell liegen bundesweit 724 abgeschlossene Wärmepläne vor.
Die
Studie „Sozio-ökonomische Ableitungen aus den ersten Wärmeplanungen: Analyse von 15 Beispielkommunen“ ist online auf der Internetseite der Stiftung Klimaneutralität abrufbar.