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Quelle: Katia Meyer-Tien
Susanne Harmsen
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Montag, 05.01.2026, 15:58 Uhr
Stromnetz
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Neuer Anschlag auf Berliner Netz verursacht massiven Stromausfall
Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke sind im Berliner Südwesten seit dem 2. Januar 50.000 Haushalte ohne Strom. Bislang konnten erst etwa die Hälfte wieder versorgt werden.
Eine Kabelbrücke über den Teltowkanal hat am frühen Samstag gebrannt. Dadurch ist seit dem 3. Januar in mehreren Stadtteilen im Südwesten Berlins der Strom ausgefallen. Betroffen waren Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Laut dem zuständigen Netzbetreiber Stromnetz Berlin waren zeitweise rund 45.400 Haushalte und etwa 2.200 Gewerbebetriebe ohne Elektrizität.

Nach Angaben der Berliner Feuerwehr hatte zunächst ein Baucontainer unter einer Kabeltrasse gebrannt, die über den Teltowkanal zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde führt. In der Folge gerieten mehrere Kabel einer Kabelbrücke in Brand. Die Feuerwehr löschte das Feuer und ist als Hilfe für die betroffenen Bewohner seitdem im Einsatz, gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und weiteren Hilfsorganisationen. Die Kriminalpolizei ermittelte wegen des Verdachts der Brandstiftung, der Staatsschutz schaltete sich wegen eines politischen Hintergrundes ein.

Brandanschlag mit Bekennerschreiben

Am 4. Januar teilte die Berliner Polizei mit, dass ein Bekennerschreiben aufgetaucht sei. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz prüfte die Echtheit des Schreibens. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte später, ein Bekennerschreiben einer sogenannten „Vulkangruppe“ sei authentisch. Das Schreiben war zuvor auch auf mehreren einschlägigen Internetportalen veröffentlicht worden. Gleichzeitig rief das Land Berlin eine Großschadenslage aus, um bei Bedarf Unterstützung, etwa durch die Bundeswehr, in Anspruch nehmen zu können.

Am 5. Januar übernahm die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin die Ermittlungen.
In dem Schreiben behaupten die mutmaßlichen Verfasser, Ziel der Aktion sei die fossile Energiewirtschaft gewesen, nicht die Verursachung von Stromausfällen. Das Gaskraftwerk Berlin-Lichterfelde sei „sabotiert“ worden. Die Ermittlungsbehörden prüfen diese Angaben. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte in der RBB-„Abendschau“, bei dem Brand seien fünf Hochspannungskabel sowie mehrere Mittelspannungskabel zerstört worden. Es seien Brandsätze direkt unter den Leitungen platziert worden.

Netzbetreiber arbeitet auf Hochtouren

Stromnetz Berlin präzisierte, dass auch Pflegeheime und Krankenhäuser vom Stromausfall betroffen waren. Die vier Kliniken konnten mit ihren Notstromaggregaten die Zeit bis zur erneuten Versorgung am Sonntag überbrücken. Viele Heizungen funktionieren ohne Strom nicht, etwa weil Pumpen oder Regler ausfallen. Daher bleiben im betroffenen Gebiet viele Räume ungeheizt. Auch der Mobilfunk ist teilweise ausgefallen. 

Das Unternehmen rechnet erst für 8. Januar damit, zu allen Betroffenen wieder Strom durchleiten zu können. Hilfe bekommt Stromnetz Berlin auch von anderen Netzbetreibern. Bislang konnte etwa die Hälfte der ursprünglich ausgefallenen Leitungen überbrückt werden. Die Reparaturarbeiten gestalten sich nach Angaben des Netzbetreibers aufwendig.

Zum einen werde die beschädigte Kabelbrücke am Teltowkanal instand gesetzt, zum anderen arbeite man an einer provisorischen Lösung. Dabei sollen zwei bislang nicht verbundene Leitungen zusammengeführt werden. Laut Stromnetz Berlin treffen hier unterschiedliche Kabeltechnologien aufeinander, ein Kunststoffkabel und ein Ölkabel. Für die Verbindung seien speziell ausgebildete Fachkräfte, Plusgrade, eine etwa 14 Meter tiefe Baugrube und eine möglichst staubfreie Umgebung notwendig.

Vergleichbar ist der aktuelle Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin mit einem ähnlichen Ereignis im September im Südosten der Stadt. Damals waren ebenfalls zunächst rund 50.000 Kundinnen und Kunden betroffen. Ursache war nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten, die Reparaturen dauerten mehrere Tage.

Katastrophenhilfe angelaufen

Die Berliner Feuerwehr richtete in dem betroffenen Gebiet mehrere Anlaufstellen für die Bevölkerung ein. Dort konnten sich Anwohnerinnen und Anwohner informieren und Hilfe erhalten. Das THW brachte mobile Stromaggregate in das Gebiet, um eine Notversorgung sicherzustellen, unter anderem für Seniorenheime. Auch beheizte Zelte und Notstrom an zentralen Punkten wurden vorbereitet.

Der Stromausfall hatte auch Auswirkungen auf den Verkehr. Nach Angaben der Deutschen Bahn fiel ein Stellwerk in Berlin-Wannsee vermutlich infolge der fehlenden Stromversorgung aus. Es kommt zu Ausfällen und Einschränkungen im S-Bahn- und Regionalverkehr zwischen Berlin und Potsdam.

Auch die Berliner Wirtschaft rechnet mit erheblichen Folgen. Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB), erklärte, man gehe von Schäden in Millionenhöhe aus, unter anderem durch Produktionsausfälle und beschädigte Anlagen.