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Susanne Harmsen
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Montag, 05.01.2026, 12:47 Uhr
Politik
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Verband fürchtet um PV-Boom
Die Stromerzeugung aus Photovoltaik hat 2025 erstmals Braunkohle und Erdgas überholt. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wächst ihr Anteil, der Ausbau stagniert jedoch.
Die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen hat in Deutschland im Jahr 2025 deutlich zugelegt. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) erreichte PV-Strom einen Anteil von rund 18 Prozent an der heimischen Stromerzeugung. Die Interessenvertretung von rund 1.200 Solar- und Speicherunternehmen sieht damit Sonnenstrom an zweiter Stelle nach Windkraft, die mit rund 27 Prozent noch stärker zur Stromerzeugung beitrug. Erstmals produzierte die Photovoltaik mehr Stromanteil als Braunkohle mit rund 14 Prozent und Erdgas mit etwa 16 Prozent. 

Grundlage der Angaben ist eine vorläufige Jahresbilanz des BSW-Solar auf Basis von Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Demnach erzeugten die inzwischen mehr als 5,5 Millionen installierten Photovoltaikanlagen in Deutschland im Jahr 2025 rund 87 Milliarden kWh Strom. Im Vorjahr lag die Solarstromerzeugung noch bei 72 Milliarden kWh.

Trotz des gestiegenen Beitrags zur Stromerzeugung sieht der Verband den Ausbau der Photovoltaik kritisch. Zwar sei die Erzeugung deutlich gestiegen, das Ausbautempo habe sich im vergangenen Jahr jedoch nicht weiter erhöht. Nach einer vorläufigen Prognose des BSW-Solar gingen 2025 neue Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 17.500 MW ans Netz. Damit blieb der Zubau nahezu auf dem Niveau des Vorjahres, in dem rund 17.700 MW neu installiert wurden.

Aus Sicht des Verbandes reicht dieses Tempo nicht aus, um die gesetzlich verankerten Ausbauziele zu erreichen. Für das Jahr 2030 sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine installierte Photovoltaikleistung von 215.500 MW vor. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre laut BSW-Solar ein jährlicher Zubau von etwa 20.000 MW erforderlich. Ende 2025 lag die installierte Gesamtleistung der Photovoltaik in Deutschland bei rund 118.000 MW. Damit sei erst gut die Hälfte des notwendigen Ausbaus geschafft, teilte der Verband mit.

Balkonkraftwerke stark im Kommen

Unterschiedlich entwickelte sich der Markt in den einzelnen Segmenten. Nach Verbandsangaben wuchs die neu installierte Leistung ebenerdig errichteter Solarparks im Jahr 2025 um etwa 25 Prozent. Dagegen ging der Zubau auf Eigenheimen deutlich zurück. Im Segment privater Dachanlagen mit einer Leistung von bis zu 30 kW sank die neu installierte Leistung auf rund 5.200 MW, nach rund 6.800 MW im Jahr zuvor. Auch bei Industrie- und Gewerbedächern mit Anlagen über 30 kW verzeichnete der Verband einen Rückgang auf rund 3.700 MW, nach etwa 3.900 MW im Vorjahr.

Zuwächse meldet der BSW-Solar dagegen bei kleinen Steckersolargeräten, häufig als Balkonkraftwerke bezeichnet. Die neu installierte Leistung dieser Anlagen stieg 2025 um rund 25 Prozent auf etwa 500 MW. Insgesamt entfielen von den neu installierten 17.500 MW rund 8.000 MW auf Solarparks.
 
PV-Zubau von 2021 bis 2025
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: BSW-Solar

Politik soll bestehenden Rahmen erhalten

Vor dem Hintergrund des verlangsamten Ausbaus warnt der Verband vor weiteren Eingriffen in die Förderbedingungen. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig appellierte an die Bundesregierung, Marktbarrieren weiter abzubauen und die bestehenden Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern. Nach seinen Angaben beschäftigt die Solarbranche in Deutschland mehr als 100.000 Menschen.

Hintergrund der Sorge sind angekündigte Änderungen in der Förderung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im Herbst 2025 weitere Einschnitte bei der Förderung neuer Solardachanlagen angekündigt, nachdem die Förderbedingungen bereits zu Jahresbeginn 2025 angepasst worden waren. Ihrer Meinung nach rechneten sich PV-Dachanlagen durch den preiswerten Eigenstrom von allein und benötigten keine Förderung mehr. Dagegen fürchtet der BSW-Solar, dass zusätzliche Kürzungen der Förderung den PV-Ausbau weiter bremsen und die Erreichung der Klimaschutzziele gefährden.