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Susanne Harmsen
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Montag, 05.01.2026, 12:40 Uhr
Elektrofahrzeuge
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Steuerermäßigungen reißen Milliardenlücke in den Staatshaushalt
Der Hochlauf der Elektromobilität kostet den Bund bis 2030 rund 39 Milliarden Euro. Das zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY zu Förderungen und Steuerausfällen.
Der beschleunigte Ausbau der Elektromobilität belastet die öffentlichen Finanzen erheblich. Laut einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, mit Hauptsitz in London, summieren sich die Kosten für den deutschen Staat bis 2030 auf rund 39,1 Milliarden Euro. Ursache sind vor allem Kaufprämien, sinkende Einnahmen aus Energiesteuern sowie steuerliche Vorteile für Elektrofahrzeuge und elektrifizierte Dienstwagen.

Die Bundesregierung hat beschlossen, ab dem kommenden Jahr erneut den Kauf von Elektroautos zu fördern. Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen sollen Zuschüsse von bis zu 5.000 Euro erhalten. Laut EY dürfte dies den Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland weiter ankurbeln. Die Zahl der Elektroautos einschließlich Plug-in-Hybriden (PHEV) steigt demnach im wahrscheinlichsten Szenario von derzeit 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2030. Bereits im nächsten Jahr erwartet EY einen Zuwachs von rund 600.000 Fahrzeugen.

Weniger Steuern von Verbrennern

Mit dem Markthochlauf gehen jedoch erhebliche Steuerausfälle einher. Zusätzlich zu rund drei Milliarden Euro, die der Bund in den kommenden zwei Jahren für Kaufprämien einplant, sinken die Einnahmen aus Energiesteuern deutlich. Grund sind der geringere Energieverbrauch von Elektroautos, der niedrigere Steuersatz auf Strom im Vergleich zu Benzin und Diesel sowie Steuervergünstigungen für elektrische Dienstwagen und die Befreiung von der Kfz-Steuer. „Ohne diese Maßnahmen würde der Markt nicht tragen“, sagt Constantin M. Gall, „Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader“ bei EY.

Die größten Mindereinnahmen entstehen demnach bei den Energiesteuern. Für den Zeitraum von 2025 bis 2030 rechnet die Analyse mit kumulierten Ausfällen von 29,8 Milliarden Euro. Dem stehen Einnahmen aus der Stromsteuer in Höhe von 8,3 Milliarden Euro gegenüber. Unter dem Strich ergibt sich bei Umsatz-, Strom- und Energiesteuern ein Defizit von 21,5 Milliarden Euro im Vergleich zu einem Szenario ohne Elektrofahrzeuge.

Zum Vergleich: 2024 nahm der Bund aus Energiesteuern auf Benzin und Diesel 35,1 Milliarden Euro ein, was 0,8Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 3,7 Prozent der gesamten Steuereinnahmen entsprach.

Dienstautos werden junge Gebrauchtwagen

Ein weiterer großer Posten ist die vergünstigte Besteuerung von Dienstwagen. Wer einen rein elektrischen Dienstwagen auch privat nutzt, versteuert den geldwerten Vorteil mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat. Bei Plug-in-Hybriden liegt der Satz bei 0,5 Prozent, bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei 1 Prozent. Allein 2025 entstehen dadurch laut EY Steuerausfälle von 0,8 Milliarden Euro. Bis 2030 steigt dieser Betrag auf jährlich 3,2 Milliarden Euro. Kumuliert ergibt sich für den Zeitraum 2025 bis 2030 ein Minus von 10,8 Milliarden Euro.

Hinzu kommen 3,9 Milliarden Euro durch die Befreiung von Elektroautos von der Kfz-Steuer. Sollten die Vorgaben für gewerbliche Flotten auf EU-Ebene weiter verschärft werden, könnten die Ausfälle noch höher ausfallen. Gleichzeitig zeigt eine von EY zitierte Befragung aus dem Herbst 2025, dass das Interesse privater Autokäufer zuletzt gesunken ist. Demnach gaben nur noch 18 Prozent der 1.000 Befragten an, als nächstes Auto ein Elektrofahrzeug kaufen zu wollen, nach 26 Prozent im Vorjahr. Der Anteil derjenigen, die einen Verbrenner bevorzugen, stieg von 40 auf 47 Prozent.

Die Umfrage fand vor der Entscheidung über die neue Kaufprämie statt. „Die Förderung wird kurzfristig für zusätzliche Nachfrage sorgen, sie bleibt aber eine künstliche Stütze“, sagt Jan Sieper, Partner Automotive bei EY-Parthenon. Reichweitenangst, Ladezeiten und hohe Preise blieben zentrale Kaufhemmnisse, insbesondere in niedrigeren Preissegmenten. Die steuerliche Förderung von Elektroautos als Dienstwagen mache viel Sinn, da sie den Markthochlauf deutlich unterstützt. Laut Gall könnten nur so auch teure Elektroautos ihre Abnehmer finden, was industriepolitisch wichtig sei.