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Quelle: E&M
Heidi Roider
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Montag, 05.01.2026, 11:56 Uhr
Windkraft Offshore
E&M News
Equinor und Orsted klagen gegen Baustopp ihrer Offshore-Projekte
Orsted und Equinor gehen gerichtlich gegen den Baustopp fast fertiger Windparks in den USA vor. Sie sehen ihre Offshore-Windprojekte Revolution Wind und Empire Wind gefährdet.
Offshore-Windprojekte vor der US-Ostküste, darunter Empire Wind mit 810 MW und Revolution Wind mit 704 MW, entwickeln sich zu einem zentralen Streitpunkt zwischen internationalen Energiekonzernen und der US-Bundesregierung. Hinter beiden Vorhaben stehen mit Equinor und Orsted zwei der größten Entwickler von Offshore-Windenergieprojekten. Anfang Januar haben die Projektgesellschaften Klagen beim Bezirksgericht der Vereinigten Staaten für den District of Columbia eingereicht. 

„Geheimdienstliche Erkenntnisse“ aus dem US-Kriegsministerium hatten zuvor das US-amerikanische Innenministerium am 22. Dezember dazu veranlasst, die Bauarbeiten zu stoppen. Als Begründung nannte die Behörde Bedenken für die nationale Sicherheit der USA. Die Bewegung massiver Rotorblätter, so heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Ministeriums, und die stark reflektierenden Türme verursachten Radarstörungen, sogenanntes „Clutter“. Dieses verdecke reale bewegliche Ziele und erzeuge falsche Ziele in der Umgebung der Windprojekte (wir berichteten). 

Der dänische Energiekonzern Orsted hat nun Anfang des Jahres eine „ergänzende Klage“ eingereicht, nachdem der Konzern die erste bereits im September vergangenen Jahres eingereicht hatte. Als Begründung nannte die US-Behörde bereits damals Bedenken für die nationale Sicherheit der USA (wir berichteten).

Die Projektgesellschaften streben nun jeweils eine einstweilige Verfügung an. Ziel ist es, die Bauarbeiten während der laufenden Verfahren fortzusetzen. Nach Einschätzung der Betreiber drohen bei einem Fortbestand der Anordnungen erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Schäden. Beide Unternehmen argumentieren, die Maßnahmen verstießen gegen geltendes Recht und griffen ohne ausreichende Grundlage in genehmigte Vorhaben ein.

Unterschiedliche Projektstände, gleiche Rechtsstrategie
 
 
Empire Wind, entwickelt von einer Tochter des norwegischen Energiekonzerns Equinor, ist nach Unternehmensangaben zu mehr als 60 Prozent fertiggestellt. Das Projekt vor der Küste von New York soll künftig rund 500.000 Haushalte versorgen. Equinor verweist auf Investitionen von mehr als 4 Milliarden US-Dollar sowie auf laufende Projektfinanzierungen. Der Baustopp gefährde Baufortschritt, Finanzierung und vertragliche Verpflichtungen gegenüber dem Bundesstaat New York.

Revolution Wind befindet sich noch weiter im Baufortschritt. Das Gemeinschaftsunternehmen der Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft Skyborn Renewables und von Orsted meldet einen Fertigstellungsgrad von rund 87 Prozent in einer Mitteilung vom 2. Januar. Offshore-Fundamente, Exportkabel und Umspannplattformen sind installiert, 58 von 65 Turbinen errichtet. Noch im Januar 2026 sollte die Stromerzeugung beginnen.

Beide Projektträger verweisen auf langjährige Genehmigungsverfahren. Orsted hebt hervor, dass sämtliche bundes- und einzelstaatlichen Genehmigungen bereits im Jahr 2023 erteilt wurden. Teil des Verfahrens waren umfangreiche Konsultationen mit dem US-Verteidigungsministerium zu möglichen Auswirkungen auf militärische Belange. Diese mündeten in verbindliche Vereinbarungen. Auch der norwegische Konzern Equinor betont die enge Abstimmung mit Sicherheitsbehörden. Aus Sicht der Betreiber rechtfertigen diese Prüfungen keine nachträgliche Aussetzung laufender Projekte.

Auswirkungen auf Versorgung und Arbeitsmarkt

Beide Offshore-Windparks sollen künftig eine wichtige Rolle in der Stromversorgung im Nordosten der USA einnehmen, argumentieren die beiden Unternehmen. Revolution Wind sollte ab 2026 mehr als 350.000 Haushalte in Connecticut und Rhode Island im Rahmen langfristiger Stromabnahmeverträge versorgen. Auch Netzbetreiber warnen vor steigenden Preisen und sinkender Versorgungssicherheit, falls das Projekt nicht ans Netz geht.

Zudem verweisen die Unternehmen auf beschäftigungspolitische Effekte. Tausende Arbeitsplätze in Bau, Fertigung, Schiffbau und Hafenlogistik hängen an den Projekten. Revolution Wind nennt mehr als zwei Millionen geleistete Arbeitsstunden in tarifgebundenen Beschäftigungsverhältnissen. Auch Empire Wind hebt die Bedeutung des South Brooklyn Marine Terminals für regionale Wertschöpfung hervor.

Die Entscheidungen der Gerichte dürften über den Einzelfall hinaus Bedeutung für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in den USA haben.