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Enerige & Management > Photovoltaik - Mieterstrom zum Fliegen bringen
Bild: Jonas Rosenberger
PHOTOVOLTAIK:
Mieterstrom zum Fliegen bringen
Energiedienstleister fordern die Beseitigung von Hemmnissen, um Mieterstrom zum Erfolg zu führen.
 
Wie bringt man Mieterstrom zum Fliegen? Diese Frage beschäftigt politisch Verantwortliche, Energiedienstleister und Wohnungswirtschaft. Sie müssen feststellen, dass das 2017 verabschiedete Mieterstromgesetz bislang kaum Wirkung entfaltet.

Trotz Förderung würden Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern nicht im erhofften Umfang gebaut, hieß es bei einem von den Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup (SPD) und Andreas Lenz (CSU) organisierten Fachgespräch in Berlin.

Als wesentliche Gründe für den ausbleibenden Erfolg gelten bürokratische Hemmnisse im Gesetz. Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur (BEA), kritisierte bei der Veranstaltung allzu enge Förderbedingungen. Das Mieterstromgesetz sei zwar eine gute Grundlage, in einigen Punkten aber zu restriktiv ausgelegt, sagte er.

Beispielsweise hält er die Regelung, Mieterstrom nur in dem Haus anbieten zu dürfen, auf dessen Dach die PV-Anlage montiert ist, für zu unflexibel. Er plädierte dafür, die Definition einer Wohnanlage oder eines Quartiers, das mit Mieterstrom beliefert werden soll, weiter zu fassen.

Das sieht Holger Krawinkel, Leiter der Stabsabteilung Costumer Experience und Innovation bei MVV Energie in Mannheim, ähnlich. Auch er beklagte „Unklarheiten über den räumlichen Zusammenhang“ und empfahl, sich für Mieterstromprojekte an der in der Schweiz geübten Praxis für Photovoltaikanlagen zu orientieren.

Leistungsbeschränkung für PV-Mieterstromanlagen beseitigen

Auch die Beschränkung der Erzeugungsleistung von PV-Mieterstromanlagen auf maximal 100 kW bewerten Geißler und Krawinkel als nicht zielführend. Diese Grenze sei „willkürlich und zu restriktiv gesetzt“, so Geißler. Würde sie fallen, könnten Projekte wirtschaftlicher werden.

Krawinkel forderte ebenso, die Beschränkung zu beseitigen. „Bei 100 kW fängt es erst an, interessant zu werden“; sagte er. Notwendig sei ferner, Ungleichheiten zwischen einer Eigenversorgung mit PV-Anlage und einer Mieterstromversorgung aufzuheben und auch Mieterstromanlagen von der EEG-Umlage zu befreien.

Kritik übte Geißler ferner an der maximalen Vertragslaufzeit für Mieterstromkontrakte von einem Jahr und an der Regelung, dass Mieterstrom zehn Prozent günstiger als der der Grundversorgungstarif angeboten werden müssen. Diese Regelung sei überflüssig, weil Mieterstrom nur über den Preis verkauft werden könne.

Generell sei es auch nicht so einfach wie häufig vermutet, Kunden für Mieterstrom zu gewinnen. „Es ist nicht so, dass uns die Mieter die Bude einrennen“, so der BEA-Chef. Es sei ein erhebliches Verharren der Stromverbraucher in alten Tarifen festzustellen.

Das Potential für Mieterstrom wird von den Akteuren weiter als sehr groß eingeschätzt. Geißler sprach von 33 000 PV-Anlagen die dadurch allein in Großstädten initiiert werden könnten. In Berlin sei das Ziel, in Zukunft 25 % des in der Stadt verbrauchten Stroms in Solaranlagen zu erzeugen.

Krawinkel äußerte ebenso die Ansicht, dass ohne deutlich mehr Photovoltaik in Städten die Energiewende nicht zu schaffen ist. Auf das übergeordnete Ziel, per Mieterstrom mehr Photovoltaikanlagen in die Städte zu bringen, verwies auch Fabian Schmitz-Grethlein vom Verband kommunaler Unternehmen.

Mieterstrom dürfte auch für die anstehenden Entscheidungen im Klimakabinett der Bundesregierung eine wichtige Rolle spielen. In allen Papieren zum Klimaschutz finde sich auch das Thema Mieterstrom wieder, war zu erfahren.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 13.09.2019, 17:04 Uhr

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