• Gas: Entspannte Situation
  • Strom: Wind weiterhin mau
  • Konsortium will Recycling von E-Auto-Batterien vorantreiben
  • Bundesgerichtshof klärt Datum beim Pooling
  • Blockchain für Kleinstmengen-Energiehandel
  • Erneuerbaren-Ausbau: "Fläche ist die neue Währung"
  • Eno Energy mit neuem Management
  • EDF und Nissan bilden Allianz für Second-Life-Speicher
  • Stromverbrauch geht zurück, Eigenversorgung nimmt zu
  • Tennet macht Ernst mit der Sektorkopplung
Bild: Gasag Kundenzentrum, 2013, Bild Gasag
WIRTSCHAFT:
Gasag mit solidem Spielraum für Wachstum
Der Berliner Energiedienstleister sieht sich in der Hauptstadtregion auf Erfolgskurs, freut sich über Wachstum beim Kundenstamm und will seine Strategie modifizieren.
 
Die drei Vorstände der Berliner Gasag sind zwar im Energiegeschäft keine heurigen Hasen mehr, doch noch relativ neu in der Hauptstadt. Gerhard Holtmeier, seit 1. April Gasag-Vorstandschef, sieht das nicht als Nachteil und will sich noch in diesem Jahr dranmachen, die Unternehmensstrategie zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

„Die Energiewende bedeutet mehr Dezentralität, mehr Dekarbonisierung und mehr Digitalisierung“, sagte Holtmeier bei der Jahrespressekonferenz in der Berliner Gasag-Zentrale. „Diesen Maßstab werden wir konsequent an unsere Planungen für die nächsten Jahre anlegen.“

War es für den ehemaligen Thüga-Mann Holtmeier und für Finanzvorstand Michael Kamsteeg die erste Bilanzvorlage bei der Gasag, war Vertriebsvorstand Matthias Trunk immerhin schon zum zweiten Mal am Start. Er zeigte sich zufrieden mit dem im Geschäftsjahr 2017 Erreichten.
 
Kaum im Amt als neuer Vorstandschef der Berliner Gasag war Gerhard Holtmeier schon bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz gefragt
Bild: Thüga

Im Gasvertrieb sei der seit Jahren anhaltende Kundenverlust aufgehalten und sogar ein leichtes Wachstum bei der Kundenzahl erreicht worden. Trunk sprach von einer „Stabilisierung des Kundenbestandes“. Die Zahl der Gaskunden der Gasag-Gruppe einschließlich der regionalen Beteiligungsunternehmen EMB, Spreegas und Stadtwerke Forst bezifferte er auf 530 000. Der Gasabsatz lag bei 18,4 Mrd. kWh – 4 % weniger als 2016.

Im Ökostromvertrieb gewann die Gasag-Gruppe weiter tüchtig neue Kunden. Ende 2017 wurden 183 000 Abnehmer mit Strom beliefert, bis Ende des Jahres sollen es 240 000, bis 2020 bereits 300 000 sein. Auch Großkunden seien zuletzt gewonnen worden, beispielsweise das Wohnungsunternehmen Berlinovo mit mehr als 1 150 Abnahmestellen.

Starke Marke bringt neue Kunden und mehr Absatz

„Gegen den Branchentrend haben wir mit guten Angeboten und einer starken Marke 2017 unsere Kundenbasis gestärkt“, so Trunks Resümee. Der Gasag-Stromabsatz nahm im letzten Jahr um 89 % auf rund 1 Mrd. kWh zu. Das Unternehmen sei damit einer der am schnellsten wachsenden Ökostromanbieter in Deutschland.

Ein wichtiges Argument im Vertrieb sei weiter die Nähe zum Kunden. Weiteren Erfolg verspricht sich der Vertriebsvorstand vom neuen Regionalstromangebot, das erneuerbaren Strom aus Brandenburg vermarkten soll, und vom neuen Produkt Velostrom, das die Radfahrer-Community erreichen soll und entsprechende Angebote für Berliner Sportvereine ergänzt. Im Energievertrieb sei es notwendig, „immer kleinteiliger unterwegs zu sein“.

Auch in der Ökostromerzeugung baute die Gasag-Gruppe im vergangenen Jahr ihre Position aus. In Brandenburg wurden 2017 vier große Solaranlagen mit 26 MW elektrischer Leistung installiert. Für 2018 sind zwei weitere Anlagen mit rund 10 MW geplant. Für die 36 MW investiert das Unternehmen über 23 Mio. Euro. Im laufenden Jahr sollen 35 Mio. kWh Solarstrom produziert werden. Mit den südlich von Berlin betriebenen Windparks (7,5 MW) können 21,5 Mio. kWh Ökostrom erzeugt werden.

Als Erfolg bewertete Trunk die im letzten Jahr umgesetzte Bündelung der Energiedienstleistungen der Gasag-Gruppe in der Gasag Solution Plus GmbH (GSP), die zu den zehn wichtigsten Anbietern in diesem Sektor zähle. Das Projektvolumen mit Contracting- und BHKW-Lösungen, aber auch Mieterstrom-, Energiespeicher- oder Mobilitätsangeboten sei 2017 um 6 % gewachsen. Gerade für die Energiewende in Quartieren biete die GSP gute Lösungen.

Als wichtige künftige Handlungsfelder sieht Vorstandschef Holtmeier die Wärmeversorgung und den Mobilitätssektor. Für den Wärmemarkt kündigte er Modellprojekte für eine klimaverträglichere Versorgung an.

Für den Verkehr in der Stadt setze die Gasag auf Eco-Mobilität, eine Kombination aus Elektro- und Erdgasmobilität. Für E-Mobilisten hat die Gasag im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit Daimler ein Leasingangebot für Smart-Fahrzeuge aufgelegt. Der Aufbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur sei dagegen „kein Geschäftsmodell für die Gasag“, so Holtmeier weiter.

Hoffnung auf neuen Schub für Elektromobilität

Das ist im Bereich Erdgasmobilität anders. Hier betreibt die Gasag seit Jahren elf von 24 Erdgastankstellen in Berlin, für die sich das Unternehmen eine bessere Auslastung wünscht. Mit der Infrastruktur im Hintergrund könnten zu den in der Stadt gemeldeten 4 000 Erdgasfahrzeugen ohne Probleme rasch 10 000 weitere auf die Straße gebracht werden, meint Holtmeier. Sie wären im Hinblick auf die Belastung durch Stickoxide, Feinstaub und Lärm „eine sehr sinnvolle Ergänzung“.

Der Gasag-Chef will auch mit der Berliner Landesregierung noch einmal darüber diskutieren, künftig kommunale Fahrzeuge und Nahverkehrsbusse mit Erdgasantrieb einzusetzen. Dabei ist man sich bei der Gasag durchaus bewusst, dass der Senat solchen Lösungen bisher sehr reserviert bis ablehnend gegenübersteht. In Berlin liege ein „sehr starker Fokus auf der Elektromobilität“, merkte Trunk dazu an.

Das Zahlenwerk zum Geschäftsjahr 2017 präsentierte Finanzvorstand Kamsteeg. Die Gasag-Gruppe hat demnach einen „stabilen Umsatz“ von 1,1 Mrd. Euro (2016: 1,2 Mrd. Euro) erwirtschaftet. Vor Sonderabschreibungen im Zuge der Stilllegung des Berliner Erdgasspeichers wurde 2017 ein Ergebnis (Ebit) von 155 Mio. Euro erzielt. Nach den Sonderabschreibungen betrug das Ebit 82 Mio. Euro (2016: 117 Mio. Euro).

Den Jahresüberschuss bezifferte Kamsteeg auf 35 Mio. Euro (2016: 57 Mio. Euro). „Wir haben ein gutes Geschäftsjahr genutzt, um bilanzielle Risiken zu verarbeiten und die Gasag-Gruppe noch stabiler für ein werthaltiges Wachstum aufzustellen“, so der Finanzvorstand.

Für das laufende Jahr strebt der Berliner Energiedienstleister „ein Ebit deutlich über 2017" an. Vorstandschef Holtmeier sieht einen soliden Spielraum für Investitionen und Wachstum. „In den kommenden drei Jahren will die Gasag-Gruppe etwa 400 Mio. Euro in Energienetze und neues Geschäft investieren und damit der Energiewende in der Hauptstadtregion einen Schub geben.“
 

Peter Focht
Redakteur
+49 (0) 30 / 89746265
eMail
facebook
© 2018 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 26.04.2018, 17:32 Uhr

Mehr zum Thema