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Energie & Management > Veranstaltung - Windgipfel in Madrid setzt auf Strom
Eröffnung der europäischen Windkonferenz 2026 in Madrid. Quelle: Wind Europe
Veranstaltung

Windgipfel in Madrid setzt auf Strom

Der Branchenverband Wind Europe stellt beim Gipfel Madrid einen Aktionsplan vor, um die Elektrifizierung zu beschleunigen und Europas Energieversorgung unabhängiger zu machen.
Auf dem Wind Europe Annual Event 2026 in Madrid hat die europäische Windbranche am 21. April einen Maßnahmenkatalog zur Beschleunigung der Energiewende vorgestellt. Der Branchenverband Wind Europe fordert darin, Elektrifizierung zur strategischen Priorität der Europäischen Union zu machen.

Auslöser für den Vorstoß ist laut Verband unter anderem die erneute Verunsicherung auf den Energiemärkten infolge geopolitischer Konflikte. Europa müsse seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und stärker auf heimisch erzeugten Strom setzen, heißt es. „Madrid Call to Action“ nennt Wind Europe den Katalog mit zehn Maßnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden könnten.

Dan Jorgensen, EU-Kommissar für Energie und Wohnungsbau, erklärte: „Windkraft ist nicht nur ein Instrument des Klimaschutzes, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor und Teil der europäischen Sicherheitsstrategie.“

Windkraft liefert ein Fünftel des Stroms

Nach Angaben des Verbands hat die Windenergie in Europa zuletzt an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2025 investierte die Branche demnach 45 Milliarden Euro in neue Anlagen. Windkraft decke inzwischen rund 20 Prozent des EU-Strombedarfs. Gleichzeitig liege der Anteil von Strom am gesamten Energieverbrauch weiterhin unter 25 Prozent. Das stelle ein Risiko für die Energiesicherheit dar.

Der Maßnahmenplan setzt an mehreren Punkten an. So sollen Genehmigungsverfahren für Windprojekte beschleunigt werden. Windkraft solle als vorrangiges öffentliches Interesse gelten, Genehmigungen könnten zeitweise als erteilt gelten, wenn Behörden nicht fristgerecht entscheiden. Zudem fordert die Branche, mindestens 80 Prozent der ausgeschriebenen Windkapazitäten auch tatsächlich zu vergeben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung bestehender Anlagen. Alte Windparks sollen erneuert und ihre Leistung gesteigert werden. Parallel dazu müsse die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Wind Europe plädiert dafür, Netzanschlüsse für fortgeschrittene Projekte zu priorisieren und Projekte ohne Realisierungsperspektive aus Wartelisten zu streichen.

Vertrauen entscheidet Finanzierung

Auch die Finanzierung spielt eine Rolle. Die EU solle ihre Mittel für Netzinvestitionen deutlich erhöhen und stärker mit privaten Geldern kombinieren. Zudem fordert der Verband, die Nachfrage nach Strom zu stärken. Dazu zählen niedrigere Abgaben auf Strom sowie Anreize für Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge.

Industrieunternehmen sollen laut Plan leichter langfristige Stromlieferverträge für erneuerbare Energien abschließen können. Staatliche Beihilfen müssten dafür vereinfacht werden. Ziel sei es, Elektrifizierung in industriellen Prozessen schneller voranzubringen, insbesondere bei Anwendungen mit niedrigen und mittleren Temperaturen.

Fehlinformationen entgegentreten

Neben dem Ausbau der Infrastruktur sieht die Branche ein wachsendes Problem in der öffentlichen Debatte. Gemeinsam mit der britischen Organisation CASM Technology hat Wind Europe einen Bericht zu Des- und Fehlinformationen über Windenergie vorgelegt. Dieser analysiert laut den Autoren mehr als 40.000 Beiträge in sozialen Medien innerhalb von eineinhalb Jahren.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ein Netzwerk aus verschiedenen Akteuren gezielt falsche Narrative verbreitet. Diese hätten reale Auswirkungen, etwa Verzögerungen oder Absagen von Projekten. Laut Wind Europe seien dadurch Investitionen in Milliardenhöhe betroffen.

Auch Tinne van der Straeten, Geschäftsführerin von Wind Europe, sieht konkrete Folgen. „Kampagnen mit falschen Informationen haben in mehreren Ländern Proteste ausgelöst und Projekte verzögert oder gestoppt“, sagte sie. Das führe zu höheren Strompreisen und verzögere den Umbau des Energiesystems.

Politik und Medien mit Fakten versorgen

Die Analyse von CASM Technology zeigt zudem, dass sich Desinformation nicht auf soziale Medien beschränkt. Laut beteiligten Organisationen wie Quota Climat tauchen entsprechende Narrative zunehmend auch in klassischen Medien auf. In einer Untersuchung wurden demnach Hunderte Fälle identifiziert, in denen erneuerbare Energien diskreditiert wurden.

Vor diesem Hintergrund fordert die Branche von Politik und Öffentlichkeit eine stärker faktenbasierte Debatte. Ohne einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien drohten langfristig zusätzliche Kosten. Wind Europe verweist auf Schätzungen, wonach ein unzureichender Umbau des Energiesystems Europa bis 2050 bis zu 1,6 Billionen Euro kosten könnte.

Die Konferenz in Madrid dauert vom 21. bis 23. April und bringt nach Angaben der Veranstalter mehr als 15.000 Teilnehmer zusammen. Erwartet werden Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sowie mehrere EU-Kommissare und nationale Minister.

Der Wind-Europe-Bericht zur Fehlinformation über Windkraft steht in englischer Sprache zum Download bereit.

Dienstag, 21.04.2026, 11:04 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Windgipfel in Madrid setzt auf Strom
Eröffnung der europäischen Windkonferenz 2026 in Madrid. Quelle: Wind Europe
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Windgipfel in Madrid setzt auf Strom
Der Branchenverband Wind Europe stellt beim Gipfel Madrid einen Aktionsplan vor, um die Elektrifizierung zu beschleunigen und Europas Energieversorgung unabhängiger zu machen.
Auf dem Wind Europe Annual Event 2026 in Madrid hat die europäische Windbranche am 21. April einen Maßnahmenkatalog zur Beschleunigung der Energiewende vorgestellt. Der Branchenverband Wind Europe fordert darin, Elektrifizierung zur strategischen Priorität der Europäischen Union zu machen.

Auslöser für den Vorstoß ist laut Verband unter anderem die erneute Verunsicherung auf den Energiemärkten infolge geopolitischer Konflikte. Europa müsse seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und stärker auf heimisch erzeugten Strom setzen, heißt es. „Madrid Call to Action“ nennt Wind Europe den Katalog mit zehn Maßnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden könnten.

Dan Jorgensen, EU-Kommissar für Energie und Wohnungsbau, erklärte: „Windkraft ist nicht nur ein Instrument des Klimaschutzes, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor und Teil der europäischen Sicherheitsstrategie.“

Windkraft liefert ein Fünftel des Stroms

Nach Angaben des Verbands hat die Windenergie in Europa zuletzt an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2025 investierte die Branche demnach 45 Milliarden Euro in neue Anlagen. Windkraft decke inzwischen rund 20 Prozent des EU-Strombedarfs. Gleichzeitig liege der Anteil von Strom am gesamten Energieverbrauch weiterhin unter 25 Prozent. Das stelle ein Risiko für die Energiesicherheit dar.

Der Maßnahmenplan setzt an mehreren Punkten an. So sollen Genehmigungsverfahren für Windprojekte beschleunigt werden. Windkraft solle als vorrangiges öffentliches Interesse gelten, Genehmigungen könnten zeitweise als erteilt gelten, wenn Behörden nicht fristgerecht entscheiden. Zudem fordert die Branche, mindestens 80 Prozent der ausgeschriebenen Windkapazitäten auch tatsächlich zu vergeben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung bestehender Anlagen. Alte Windparks sollen erneuert und ihre Leistung gesteigert werden. Parallel dazu müsse die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Wind Europe plädiert dafür, Netzanschlüsse für fortgeschrittene Projekte zu priorisieren und Projekte ohne Realisierungsperspektive aus Wartelisten zu streichen.

Vertrauen entscheidet Finanzierung

Auch die Finanzierung spielt eine Rolle. Die EU solle ihre Mittel für Netzinvestitionen deutlich erhöhen und stärker mit privaten Geldern kombinieren. Zudem fordert der Verband, die Nachfrage nach Strom zu stärken. Dazu zählen niedrigere Abgaben auf Strom sowie Anreize für Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge.

Industrieunternehmen sollen laut Plan leichter langfristige Stromlieferverträge für erneuerbare Energien abschließen können. Staatliche Beihilfen müssten dafür vereinfacht werden. Ziel sei es, Elektrifizierung in industriellen Prozessen schneller voranzubringen, insbesondere bei Anwendungen mit niedrigen und mittleren Temperaturen.

Fehlinformationen entgegentreten

Neben dem Ausbau der Infrastruktur sieht die Branche ein wachsendes Problem in der öffentlichen Debatte. Gemeinsam mit der britischen Organisation CASM Technology hat Wind Europe einen Bericht zu Des- und Fehlinformationen über Windenergie vorgelegt. Dieser analysiert laut den Autoren mehr als 40.000 Beiträge in sozialen Medien innerhalb von eineinhalb Jahren.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ein Netzwerk aus verschiedenen Akteuren gezielt falsche Narrative verbreitet. Diese hätten reale Auswirkungen, etwa Verzögerungen oder Absagen von Projekten. Laut Wind Europe seien dadurch Investitionen in Milliardenhöhe betroffen.

Auch Tinne van der Straeten, Geschäftsführerin von Wind Europe, sieht konkrete Folgen. „Kampagnen mit falschen Informationen haben in mehreren Ländern Proteste ausgelöst und Projekte verzögert oder gestoppt“, sagte sie. Das führe zu höheren Strompreisen und verzögere den Umbau des Energiesystems.

Politik und Medien mit Fakten versorgen

Die Analyse von CASM Technology zeigt zudem, dass sich Desinformation nicht auf soziale Medien beschränkt. Laut beteiligten Organisationen wie Quota Climat tauchen entsprechende Narrative zunehmend auch in klassischen Medien auf. In einer Untersuchung wurden demnach Hunderte Fälle identifiziert, in denen erneuerbare Energien diskreditiert wurden.

Vor diesem Hintergrund fordert die Branche von Politik und Öffentlichkeit eine stärker faktenbasierte Debatte. Ohne einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien drohten langfristig zusätzliche Kosten. Wind Europe verweist auf Schätzungen, wonach ein unzureichender Umbau des Energiesystems Europa bis 2050 bis zu 1,6 Billionen Euro kosten könnte.

Die Konferenz in Madrid dauert vom 21. bis 23. April und bringt nach Angaben der Veranstalter mehr als 15.000 Teilnehmer zusammen. Erwartet werden Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sowie mehrere EU-Kommissare und nationale Minister.

Der Wind-Europe-Bericht zur Fehlinformation über Windkraft steht in englischer Sprache zum Download bereit.

Dienstag, 21.04.2026, 11:04 Uhr
Susanne Harmsen

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