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Energie & Management > Politik - Verbandsunterstützung in Netzpaketdebatte
Quelle: Shutterstock / nitpicker
Politik

Verbandsunterstützung in Netzpaketdebatte

EnBW und EWE haben Vorschläge für flexible Netzanschlüsse vorgelegt. Branchenverbände BEE und BWE bewerten diese als Diskussionsgrundlage für Anpassungen am geplanten Netzpaket.
Die Energieversorger EnBW und die EWE haben am 16. April Vorschläge für sogenannte Flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) vorgestellt (wir berichteten). Laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) liefern diese Ansätze wichtige Impulse für die Debatte um die Ausgestaltung des geplanten Netzpakets. Darin geht es um die bessere Nutzung der Stromnetze und Anschlusskapazitäten.

Der Verband bewertet die Initiative grundsätzlich positiv. Hintergrund ist ein zuvor bekannt gewordener Gesetzentwurf eines „Netzpakets“, das aus Sicht des BEE erhebliche Nachteile für den Ausbau erneuerbarer Energien mit sich bringen könnte. Neue Vorschläge aus der Branche seien daher geeignet, Alternativen aufzuzeigen und die Diskussion zu versachlichen.

Netzengpässe ausweisen

Ein zentraler Punkt der von EnBW und EWE vorgelegten Überlegungen betrifft den Umgang mit Netzengpässen. Statt jährlich neu definierter „kapazitätslimitierter Netzgebiete“ schlagen die Unternehmen vor, Regionen mit eingeschränkten Anschlussmöglichkeiten frühzeitig und transparent auszuweisen. Grundlage soll eine halbjährliche Simulation sein. Der BEE hält diesen Ansatz für sinnvoll, da er gezieltere Steuerungssignale für Investitionen ermögliche.

Kern des Konzepts ist zudem ein bundesweit einheitlicher Standard für flexible Netzanschlussverträge für Einspeiser erneuerbarer Energien. Standardisierungen könnten laut BEE die Planbarkeit erhöhen und den administrativen Aufwand reduzieren. Gleichzeitig betont der Verband, dass die Verträge wirtschaftlich tragfähig bleiben müssten.

Kritik am Entwurf der Unternehmen

Kritisch sieht der BEE insbesondere die vorgesehene Regelung zur Abregelung von Strommengen. Demnach sollen bis zu 20 Prozent der jährlich erzeugten Energie ohne Entschädigung abgeregelt werden können. In dieser Größenordnung sei dies nicht tragfähig, da es die Investitionssicherheit erheblich beeinträchtige. Der Verband warnt zudem vor zusätzlichen Unsicherheiten durch mögliche negative Strompreise.

​Ein zweiter Redispatch-Vorbehalt unter anderem Namen sei nicht zielführend. Unterstützung erhalten die Vorschläge von einem weiteren Branchenverband. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt die Initiative von EnBW und EWE ebenfalls. Die Vorschläge zeigten, dass praktikable Lösungen existierten, um Netzengpässe zu adressieren und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien voranzubringen.

BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek erklärte, dass speziell Ansätze für einen beschleunigten Netzausbau unterstützt würden. Dass Netzbetreiber eigene Alternativen zum Redispatch-Vorbehalt vorlegten, zeige, dass sich das Netzpaket zu einem praxistauglichen Instrument weiterentwickeln lasse. Gleichzeitig verweist der BWE auf rechtliche Risiken zentraler Elemente des bisherigen Gesetzesentwurfs. Zwei vom Verband beauftragte Kurzgutachten kämen zu dem Ergebnis, dass sowohl ein Redispatch-Vorbehalt als auch die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete rechtlich problematisch seien.

Wirtschaftsministerium muss handeln

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband die Bundesregierung zum Handeln auf. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) solle den Austausch mit Branche und Netzbetreibern intensivieren. Ein zeitnaher Netzgipfel könne dazu beitragen, praktikable und rechtssichere Konzepte zu bündeln und in ein geordnetes Gesetzgebungsverfahren zu überführen.

Einigkeit besteht in der Branche vor allem bei der Notwendigkeit, den Netzausbau zu beschleunigen. Der BEE unterstützt Forderungen nach schnelleren Genehmigungsverfahren. In den vergangenen Jahren habe der Ausbau der Netzinfrastruktur nicht mit dem Wachstum der erneuerbaren Stromerzeugung Schritt gehalten. Diese Defizite müssten nun zügig aufgeholt werden. Die bestehende Anreizregulierung für Netzbetreiber sollte aus Sicht des Verbands erhalten bleiben.

Insgesamt zeigen die aktuellen Vorschläge und Stellungnahmen, dass die Branche nach Alternativen zum bestehenden Entwurf des Netzpakets sucht. Ziel bleibt es, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur in Einklang zu bringen.

Montag, 20.04.2026, 12:54 Uhr
Susanne Harmsen
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Verbandsunterstützung in Netzpaketdebatte
EnBW und EWE haben Vorschläge für flexible Netzanschlüsse vorgelegt. Branchenverbände BEE und BWE bewerten diese als Diskussionsgrundlage für Anpassungen am geplanten Netzpaket.
Die Energieversorger EnBW und die EWE haben am 16. April Vorschläge für sogenannte Flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) vorgestellt (wir berichteten). Laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) liefern diese Ansätze wichtige Impulse für die Debatte um die Ausgestaltung des geplanten Netzpakets. Darin geht es um die bessere Nutzung der Stromnetze und Anschlusskapazitäten.

Der Verband bewertet die Initiative grundsätzlich positiv. Hintergrund ist ein zuvor bekannt gewordener Gesetzentwurf eines „Netzpakets“, das aus Sicht des BEE erhebliche Nachteile für den Ausbau erneuerbarer Energien mit sich bringen könnte. Neue Vorschläge aus der Branche seien daher geeignet, Alternativen aufzuzeigen und die Diskussion zu versachlichen.

Netzengpässe ausweisen

Ein zentraler Punkt der von EnBW und EWE vorgelegten Überlegungen betrifft den Umgang mit Netzengpässen. Statt jährlich neu definierter „kapazitätslimitierter Netzgebiete“ schlagen die Unternehmen vor, Regionen mit eingeschränkten Anschlussmöglichkeiten frühzeitig und transparent auszuweisen. Grundlage soll eine halbjährliche Simulation sein. Der BEE hält diesen Ansatz für sinnvoll, da er gezieltere Steuerungssignale für Investitionen ermögliche.

Kern des Konzepts ist zudem ein bundesweit einheitlicher Standard für flexible Netzanschlussverträge für Einspeiser erneuerbarer Energien. Standardisierungen könnten laut BEE die Planbarkeit erhöhen und den administrativen Aufwand reduzieren. Gleichzeitig betont der Verband, dass die Verträge wirtschaftlich tragfähig bleiben müssten.

Kritik am Entwurf der Unternehmen

Kritisch sieht der BEE insbesondere die vorgesehene Regelung zur Abregelung von Strommengen. Demnach sollen bis zu 20 Prozent der jährlich erzeugten Energie ohne Entschädigung abgeregelt werden können. In dieser Größenordnung sei dies nicht tragfähig, da es die Investitionssicherheit erheblich beeinträchtige. Der Verband warnt zudem vor zusätzlichen Unsicherheiten durch mögliche negative Strompreise.

​Ein zweiter Redispatch-Vorbehalt unter anderem Namen sei nicht zielführend. Unterstützung erhalten die Vorschläge von einem weiteren Branchenverband. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt die Initiative von EnBW und EWE ebenfalls. Die Vorschläge zeigten, dass praktikable Lösungen existierten, um Netzengpässe zu adressieren und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien voranzubringen.

BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek erklärte, dass speziell Ansätze für einen beschleunigten Netzausbau unterstützt würden. Dass Netzbetreiber eigene Alternativen zum Redispatch-Vorbehalt vorlegten, zeige, dass sich das Netzpaket zu einem praxistauglichen Instrument weiterentwickeln lasse. Gleichzeitig verweist der BWE auf rechtliche Risiken zentraler Elemente des bisherigen Gesetzesentwurfs. Zwei vom Verband beauftragte Kurzgutachten kämen zu dem Ergebnis, dass sowohl ein Redispatch-Vorbehalt als auch die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete rechtlich problematisch seien.

Wirtschaftsministerium muss handeln

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband die Bundesregierung zum Handeln auf. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) solle den Austausch mit Branche und Netzbetreibern intensivieren. Ein zeitnaher Netzgipfel könne dazu beitragen, praktikable und rechtssichere Konzepte zu bündeln und in ein geordnetes Gesetzgebungsverfahren zu überführen.

Einigkeit besteht in der Branche vor allem bei der Notwendigkeit, den Netzausbau zu beschleunigen. Der BEE unterstützt Forderungen nach schnelleren Genehmigungsverfahren. In den vergangenen Jahren habe der Ausbau der Netzinfrastruktur nicht mit dem Wachstum der erneuerbaren Stromerzeugung Schritt gehalten. Diese Defizite müssten nun zügig aufgeholt werden. Die bestehende Anreizregulierung für Netzbetreiber sollte aus Sicht des Verbands erhalten bleiben.

Insgesamt zeigen die aktuellen Vorschläge und Stellungnahmen, dass die Branche nach Alternativen zum bestehenden Entwurf des Netzpakets sucht. Ziel bleibt es, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur in Einklang zu bringen.

Montag, 20.04.2026, 12:54 Uhr
Susanne Harmsen

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