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Enerige & Management > Stromspeicher - Steag-Batterie im Praxistest
Bild: Fotolia.com, Dark Vectorangel
STROMSPEICHER:
Steag-Batterie im Praxistest
In den nächsten Monaten sollen weitere Großspeicher, die alle das sogenannte 30-Minuten-Kriterium erfüllen, in Betrieb gehen und für den Regelleistungsmarkt präqualifiziert werden.
 
Die erste Batterie mit einer Leistung von 15 MW hat den Betrieb aufgenommen. Bislang wurden dort seit März 2016 elf Container aufgestellt sowie die dazugehörenden Transformatoren und Nebenanlagen installiert. Nun folgt eine Testphase, an deren Ende die Präqualifikation der Anlage für den Regelleistungsmarkt stehen soll. Weitere fünf Großspeicher sollen schrittweise bis Anfang 2017 in Betrieb genommen werden.

Insgesamt 100 Mio. Euro beträgt das Investitionsvolumen, mit dem die Steag an sechs Kraftwerksstandorten Lithium-Ionen-Batteriesysteme der Firma Nidec mit Zellen von LG installieren will. Die übrigen fünf Anlagen, mit einer Leistung von ebenfalls jeweils 15 MW, die alle auch aus Stromrichtern, einem Transformator, Batterien und dem Regelsystem bestehen, werden in Herne und Duisburg-Walsum (in Nordrhein-Westfalen) sowie in Bexbach, Fenne und Weiher (alle im Saarland) stehen und sollen im Primärregelleistungsmarkt eingesetzt werden.

Für Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Steag GmbH, sind Flexibilitätsoptionen im Allgemeinen und Speicher im Besonderen wesentliche Elemente der Energiewende. Er sieht Speicher in einer Schlüsselrolle bei der Übertragung von mehr Verantwortung für die Versorgungssicherheit auf erneuerbare Energien. Deshalb habe sich das Unternehmen für diese Investition entschieden, für die auch keine Fördermittel in Anspruch genommen werden, wie Rumstadt bei der Vorstellung des Projekts Ende des vergangenen Jahres betonte.

Die Steag geht davon aus, dass durch den Einsatz der Großbatteriesysteme die Steinkohlekraftwerke insgesamt effizienter gefahren werden können. Die damit einhergehende CO2-Ersparnis pro Kraftwerk und Woche liege bei rund 13 000 t.
 
Elf Container sind für das Batteriesystem in Lünen installiert
Bild: STEAG


Zur Kapazität der Großbatterien macht das Unternehmen keine konkreten Angaben machen. Stattdessen ein Vergleich: Mit den Batteriesystemen könnten rund 300 000 Haushalte für eine Stunde mit Strom versorgt werden. Die Handelsabteilung der Steag versichert, sie seien so dimensioniert, dass sie die Vorgaben der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erfüllen. Das Verhältnis zwischen Kapazität und Leistung liege jedenfalls über 1:1, und auch das sogenannte 30-Minuten-Kriterium werde erfüllt.

Vor allem an dieser Vorgabe für die Präqualifikation von Batteriespeichern für den Primärregelleistungsmarkt hatte sich im vergangenen Jahr eine lebhafte Diskussion entzündet. Wie die ÜNB damals in einem Katalog von Mindestanforderungen unter anderem dargelegt haben, muss ein Betreiber, der ausschließlich Batterien für die Primärregelleistung anbieten möchte, für normale Frequenzverläufe stets eine Eigenreserve vorhalten. Diese muss ausreichen, um die Primärregelleistung für mindestens „weitere 30 Minuten“ in positiver und negativer Richtung erbringen zu können. Den ÜNB zufolge reicht dafür ein Speicherverhältnis von genau 1 MWh zu 1 MW jedoch nicht aus. Daher fordern sie ein größeres Verhältnis, etwa 2:1, bei dem dann der Ladestand zwischen 25 % und 75 % schwanken darf.
 

Fritz Wilhelm
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Freitag, 01.07.2016, 14:55 Uhr

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