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Eine Studie der Universität Leipzig sieht einen Zusammenhang zwischen der Sichtbarkeit von Windenergieanlagen und der politischen Unterstützung für den Ausbau erneuerbarer Energien.
Die Sichtbarkeit von Windenergieanlagen kann einer Studie der Universität Leipzig zufolge unter bestimmten Bedingungen die politische Unterstützung für den Ausbau erneuerbarer Energien verringern. Den Forschenden zufolge trat dieser Zusammenhang insbesondere in jüngeren Jahren der Energiewende sowie in ländlichen Regionen und Gebieten mit organisiertem Widerstand gegen Windkraftprojekte auf.
Die Untersuchung ist im
Journal of Environmental Economics and Management erschienen. Für die Analyse kombinierten die Wissenschaftler Daten zu mehr als 28.000 Windenergieanlagen mit hochauflösenden Geodaten, digitalen Oberflächenmodellen, satellitengestützten Siedlungskarten und kommunalen Wahlergebnissen aus den Jahren 1998 bis 2021. Auf dieser Grundlage ermittelten sie, ob Windenergieanlagen von Wohngebieten aus sichtbar waren, und verglichen anschließend die Entwicklung des Wahlverhaltens.
Ein zentrales Merkmal der Studie ist der Vergleich von Gemeinden, die Windräder in benachbarten Kommunen sehen können, mit geografisch nahe gelegenen Kontrollgemeinden. Nach Angaben der Autoren lässt sich dadurch der Einfluss der bloßen Sichtbarkeit von anderen Faktoren wie Gewerbesteuereinnahmen, wirtschaftlichen Vorteilen oder Beteiligungsmöglichkeiten bei der Planung trennen.
Den Ergebnissen zufolge führte die Sichtbarkeit von Windenergieanlagen in den frühen Phasen der Energiewende noch nicht zu einem messbaren Rückgang der Stimmenanteile von Parteien, die den Ausbau erneuerbarer Energien befürworten. In den späteren Untersuchungszeiträumen sei dagegen ein deutlicher Rückgang der Unterstützung zu beobachten gewesen, wenn Windenergieanlagen erstmals von einer Gemeinde aus sichtbar wurden.
Planungsdauer ist weiterer Akzeptanzfaktor Besonders ausgeprägt seien diese Effekte in ländlichen Regionen sowie dort gewesen, wo sich organisierter Widerstand gegen Windenergieprojekte gebildet habe. Gleichzeitig sehen die Forschenden Hinweise darauf, dass finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger sowie wirtschaftliche Vorteile vor Ort negative Reaktionen teilweise abschwächen können.
Menschen reagierten eher ablehnend, wenn sie Veränderungen des Landschaftsbildes wahrnähmen, ohne zugleich von den Vorteilen der Anlagen zu profitieren oder Einfluss auf deren Standort nehmen zu können. Aus Sicht der Forschenden sollte die Ausgestaltung der Energiewende daher neben den Klimazielen auch lokale Wahrnehmungen sowie die Verteilung von Kosten und Nutzen stärker berücksichtigen. Die Autoren kommen jedoch zu dem Schluss, dass eine finanzielle Beteiligung allein nicht ausreicht, sondern frühzeitige Einbindung und transparente Kommunikation entscheidend sind.
Über die Sichtbarkeit der Anlagen hinaus sieht die Studie einen Zusammenhang zwischen langen Planungs- und Genehmigungsprozessen und einer geringeren Akzeptanz. Nach Angaben der Autoren nahmen die Realisierungszeiten von Windenergieprojekten insbesondere bis zur Bundestagswahl 2021 deutlich zu. Längere Verfahren könnten lokalen Widerstandsgruppen mehr Zeit verschaffen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zudem seien Anwohner über einen längeren Zeitraum mit den Auswirkungen der Projektentwicklung konfrontiert.
Den Berechnungen zufolge ging jeder zusätzliche Monat der Projektlaufzeit oberhalb des Durchschnitts mit einem weiteren Rückgang der Stimmenanteile von Parteien, die die Erneuerbaren befürworten um 0,05 bis 0,06 Prozentpunkte einher. Die Autoren betonen allerdings, dass für diesen Teil der Analyse lediglich bundeslandspezifische Medianwerte der Planungsdauer zur Verfügung standen und die Ergebnisse deshalb mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren seien.
Als Schlussfolgerung empfehlen sie, Genehmigungsprozesse zu beschleunigen, Beteiligungsmöglichkeiten frühzeitig zu schaffen und Vorteile von Windenergieprojekten stärker auch auf Gemeinden auszuweiten, die zwar keine Anlagen beherbergen, deren Einwohner die Anlagen jedoch sehen können.
Die Studie mit dem Titel „
Headwind in sight? Wind turbine visibility spillovers and support for renewable energy policy” steht in englischer Sprache zum Download zur Verfügung.
(fw)
Mittwoch, 8.07.2026, 14:48 Uhr
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