E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Windkraft Onshore - Heinsbergs Vorrangzone für ungehemmten Kupferklau
Quelle: Shutterstock
Windkraft Onshore

Heinsbergs Vorrangzone für ungehemmten Kupferklau

Vorrangzonen für Windenergie helfen Kommunen, den Turbinen-Ausbau zu steuern. Sie nutzen Langfingern aber auch, ihre Beutezüge zu planen – so im westlichsten Landkreis Deutschlands.
Auf wenigen Quadratkilometern Ackerfläche zwischen Geilenkirchen und Übach-Palenberg steht eine ganze Sammlung von Windkraftanlagen. Stehen ist bei einigen aktuell im doppelten Sinne zu verstehen. Mindestens acht benachbarte Turbinen erhielten zuletzt ungebetenen Besuch; und seither fehlt den meisten der innere Antrieb zur Stromproduktion.

Denn bei den Besuchern handelte es sich erstens um bislang unbekannte Langfinger. Und zweitens hatten sie es in der Regel auf das Kupfer in den vielen vorhandenen Kabeln abgesehen. Die zuständige Polizei im NRW-Kreis Heinsberg spricht davon, dass bei den Einbrüchen lediglich in zwei Fällen alle Kabelverbindungen an Ort und Stelle blieben.

Kabelklau ist kein neues Phänomen bei Industrieanlagen und Erneuerbaren-Kraftwerken. Wo immer das Metall verbaut ist, entstehen Begehrlichkeiten. Häufig legen Diebe ganze Solarparks oder Ladestationen für Elektroautos lahm (wir berichteten). Im Inneren von Windenergieanlagen klettern sie häufig Dutzende Meter in die Höhe, um möglichst lange Stränge zu kappen und einzusacken – so auch in Übach-Palenberg und Geilenkirchen.

Eine Tonne des Metalls kostet im Handel schon mehr als 12.000 Euro

Der naheliegende Grund ist der nach wie vor steigende Wert des Halbedelmetalls. Im offiziellen Handel erzielt Kupfer inzwischen einen Preis von über 12.000 Euro je Tonne. Aus einer der in Geilenkirchens Einbruchsliste aufgeführten Anlagen ist etwa 1 Tonne an Kabeln verschwunden – 50 Meter lange Leitungen.

Wer die Beute zu Geld machen will, bekommt bei Schrotthändlern laut Internetportalen derzeit mehr als 3 Euro je Kilogramm einfache Kupferkabel. Wenn der Anteil des Kupfers in den Kabeln 80 Prozent ausmacht, liegt der Preis sogar doppelt so hoch.

Schaden höher als Anschaffungspreis

Der Schaden für die betroffenen Anlagen im westlichsten Landkreis Deutschlands liegt höher als der Anschaffungspreis. Denn zu den Material- kommen die Reparaturkosten. Nicht zuletzt sind die Ausfallzeiten der Windturbinen ein Schlag ins Kontor. Und nach wie vor sind laut Medienberichten nicht alle der Anlagen geflickt, sondern warten noch auf den Ersatz für die gestohlenen Kabel.

Die Polizei weist auch auf zwei Fälle in dem Landstrich bei Aachen hin, bei denen lediglich die Tür zum Windturm einen Schaden davontrug. Mehr fehlte ihnen nicht. Das könne darauf hindeuten, so die Behörde im Gespräch mit dieser Redaktion, dass der Einbruch nicht unentdeckt blieb oder dass er zunächst dem Ausbaldowern diente. Häufig kämen Diebe dann bei späterer Gelegenheit zurück, um Beute zu machen.

In einem Fall war es umgekehrt. Eine Windenergieanlage im Ortsteil Holthausen von Übach-Palenberg nahmen Einbrecher sich am 17. Mai vor. Außer der aufgehebelten Tür war kein Schaden auszumachen. Das lag daran, dass Diebe bereits am Tag davor Kabel gekappt und gestohlen hatten. Entweder litten die Langfinger also unter Gedächtnisstörungen oder es war eine andere Bande, die zu spät kam.

Wer will, kann Windkraftanlagen als Schlaraffenland für Diebe ansehen. Nicht selten finden sich 30 Tonnen Kupfer in den Hünen. Das Metall steckt in Generator, Transformatoren, der Erdungsanlage und nicht zuletzt den Kabeln, die den Strom leiten und verteilen oder die der Steuerung und Datenübertragung dienen.

Als Selbstbedienungsladen funktioniert eine Turbine natürlich nur so lange, wie Betreiber kein Geld in zusätzliche Sicherungsmaßnahmen stecken. Bei Solarparks empfiehlt die Polizei schon mal Doppelstabgittermatten-Zäune mit Unterkriech- und Übersteigschutz. Überwachungskameras spielen eine Rolle, teilweise mit KI-gesteuertem Alarm bei einer Leitstelle nach Erkennung menschlicher Eindringlinge, und Drohnen zur Überwachung aus der Luft inzwischen auch.

Mittwoch, 1.07.2026, 08:16 Uhr
Volker Stephan
Energie & Management > Windkraft Onshore - Heinsbergs Vorrangzone für ungehemmten Kupferklau
Quelle: Shutterstock
Windkraft Onshore
Heinsbergs Vorrangzone für ungehemmten Kupferklau
Vorrangzonen für Windenergie helfen Kommunen, den Turbinen-Ausbau zu steuern. Sie nutzen Langfingern aber auch, ihre Beutezüge zu planen – so im westlichsten Landkreis Deutschlands.
Auf wenigen Quadratkilometern Ackerfläche zwischen Geilenkirchen und Übach-Palenberg steht eine ganze Sammlung von Windkraftanlagen. Stehen ist bei einigen aktuell im doppelten Sinne zu verstehen. Mindestens acht benachbarte Turbinen erhielten zuletzt ungebetenen Besuch; und seither fehlt den meisten der innere Antrieb zur Stromproduktion.

Denn bei den Besuchern handelte es sich erstens um bislang unbekannte Langfinger. Und zweitens hatten sie es in der Regel auf das Kupfer in den vielen vorhandenen Kabeln abgesehen. Die zuständige Polizei im NRW-Kreis Heinsberg spricht davon, dass bei den Einbrüchen lediglich in zwei Fällen alle Kabelverbindungen an Ort und Stelle blieben.

Kabelklau ist kein neues Phänomen bei Industrieanlagen und Erneuerbaren-Kraftwerken. Wo immer das Metall verbaut ist, entstehen Begehrlichkeiten. Häufig legen Diebe ganze Solarparks oder Ladestationen für Elektroautos lahm (wir berichteten). Im Inneren von Windenergieanlagen klettern sie häufig Dutzende Meter in die Höhe, um möglichst lange Stränge zu kappen und einzusacken – so auch in Übach-Palenberg und Geilenkirchen.

Eine Tonne des Metalls kostet im Handel schon mehr als 12.000 Euro

Der naheliegende Grund ist der nach wie vor steigende Wert des Halbedelmetalls. Im offiziellen Handel erzielt Kupfer inzwischen einen Preis von über 12.000 Euro je Tonne. Aus einer der in Geilenkirchens Einbruchsliste aufgeführten Anlagen ist etwa 1 Tonne an Kabeln verschwunden – 50 Meter lange Leitungen.

Wer die Beute zu Geld machen will, bekommt bei Schrotthändlern laut Internetportalen derzeit mehr als 3 Euro je Kilogramm einfache Kupferkabel. Wenn der Anteil des Kupfers in den Kabeln 80 Prozent ausmacht, liegt der Preis sogar doppelt so hoch.

Schaden höher als Anschaffungspreis

Der Schaden für die betroffenen Anlagen im westlichsten Landkreis Deutschlands liegt höher als der Anschaffungspreis. Denn zu den Material- kommen die Reparaturkosten. Nicht zuletzt sind die Ausfallzeiten der Windturbinen ein Schlag ins Kontor. Und nach wie vor sind laut Medienberichten nicht alle der Anlagen geflickt, sondern warten noch auf den Ersatz für die gestohlenen Kabel.

Die Polizei weist auch auf zwei Fälle in dem Landstrich bei Aachen hin, bei denen lediglich die Tür zum Windturm einen Schaden davontrug. Mehr fehlte ihnen nicht. Das könne darauf hindeuten, so die Behörde im Gespräch mit dieser Redaktion, dass der Einbruch nicht unentdeckt blieb oder dass er zunächst dem Ausbaldowern diente. Häufig kämen Diebe dann bei späterer Gelegenheit zurück, um Beute zu machen.

In einem Fall war es umgekehrt. Eine Windenergieanlage im Ortsteil Holthausen von Übach-Palenberg nahmen Einbrecher sich am 17. Mai vor. Außer der aufgehebelten Tür war kein Schaden auszumachen. Das lag daran, dass Diebe bereits am Tag davor Kabel gekappt und gestohlen hatten. Entweder litten die Langfinger also unter Gedächtnisstörungen oder es war eine andere Bande, die zu spät kam.

Wer will, kann Windkraftanlagen als Schlaraffenland für Diebe ansehen. Nicht selten finden sich 30 Tonnen Kupfer in den Hünen. Das Metall steckt in Generator, Transformatoren, der Erdungsanlage und nicht zuletzt den Kabeln, die den Strom leiten und verteilen oder die der Steuerung und Datenübertragung dienen.

Als Selbstbedienungsladen funktioniert eine Turbine natürlich nur so lange, wie Betreiber kein Geld in zusätzliche Sicherungsmaßnahmen stecken. Bei Solarparks empfiehlt die Polizei schon mal Doppelstabgittermatten-Zäune mit Unterkriech- und Übersteigschutz. Überwachungskameras spielen eine Rolle, teilweise mit KI-gesteuertem Alarm bei einer Leitstelle nach Erkennung menschlicher Eindringlinge, und Drohnen zur Überwachung aus der Luft inzwischen auch.

Mittwoch, 1.07.2026, 08:16 Uhr
Volker Stephan

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.