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Bild: Jonas Rosenberger / E&M
STROMNETZ:
Für Next ist das Mischpreisverfahren weiterhin falsch
Der Anbieter von virtueller Kraftwerksleistung, Next Kraftwerke, sieht das Mischpreisverfahren im Regelenergiemarkt nicht als zielführend.
 
Seit dem 16. Oktober 2018 gilt das sogenannten Mischpreisverfahren am Regelenergiemarkt. Ursprünglich wollte die Bundesnetzagentur bereits am 12. Juli mit dem Mischpreisverfahren eine neue Festsetzung für die Gebote am Sekundär- und Minutenreservemarkt einführen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat aber am 11. Juli einen Eilantrag des Kölner Unternehmens Next Kraftwerke stattgegeben und das Mischpreisverfahren zunächst außer Kraft gesetzt. Die aufschiebende Wirkung des Antrags lief am 16. Oktober aus und seitdem gilt das Mischpreisverfahren. Next hat nun ein Resümee nach 100 Tagen gezogen – es fällt nicht gut aus.

Der Regelenergiepreis berechnet sich aus dem Leistungs- und Arbeitspreis. Das Mischpreisverfahren berücksichtigt bei der Ausschreibung neben dem Leistungspreis nun auch den Arbeitspreis. Ein Gewichtungsfaktor bestimmt dabei, wie stark der Arbeitspreis in das Gebot mit einfließen muss. Früher wurde nur der Leistungspreis berücksichtigt. Die Behörde will damit, „bei der Beschaffung von Regelenergie den Wettbewerbsdruck auf die Arbeitspreise erhöhen“, wie es in Mitteilung im Mai 2018 hieß. Extreme Preisspitzen mit Angeboten über 10 000 Euro sollen so verhindert werden.

Mischpreisverfahren drängt Cleantech-Lösungen aus dem Markt

Für Next hat sich das Mischpreisverfahren in der Praxis, wie befürchtet, nicht bewährt. Die Versorger griffen nun verstärkt auf Regelenergie zurück, da der Ausgleich der eigenen Portfolioungleichgewichte dadurch oftmals günstiger ist als der Ausgleich über den Intraday-Handel. Seit Einführung des Mischpreisverfahrens habe es 33 Fälle gegeben, wo mehr als 80 % der verfügbaren Regelenergie abgerufen worden sei. Vorher habe es im Jahr 2018 keinen einzigen Fall gegeben. Für Next bedeutet das, dass „extreme Netzsituationen seit der Einführung des MPV deutlich zugenommen haben“.

Weiterhin führe das neue Verfahren zu höheren Regelenergiekosten insgesamt. Die Gesamtkosten für den Regelleistungsmarkt seien nach 100 Tagen bereits um 37 % auf 80 Mio. Euro pro Jahr gestiegen.

Durch das Mischpreisverfahren würden auch Cleantech-Lösungen aus dem Markt gedrängt, vor allem gepoolte Biogas-Anlagen aber auch Lösungen zur Laststeuerung, wie sie auch Next im Angebot hat. „Sie haben im neuen Marktdesign keine Chance, denn sie zeichnen sich typischerweise durch relativ hohe Arbeits- und niedrige Leistungskosten aus.“ Das Marktdesign des Mischpreisverfahrens bevorzugte CO2-intensive Energieträger, deren Ablösung ja eigentlich das Ziel sein sollte, heißt es bei Next. Das Unternehmen hat nun selbst Vorschlage zum Download   ins Internet gestellt.

Im Herbst 2017 war es auf dem Regelenergiemarkt zu Auffälligkeiten gekommen. Anbieter von Minutenreserve hatten einen Leistungspreis von 0 Euro/MWh als Gebot eingestellt und waren als günstigster Anbieter zum Zuge gekommen. Allerdings haben sie dann einen Arbeitspreis von 77 777 Euro/MWh berechnet. Insgesamt ergab sich dann Minutenreservepreise von über 20 000 Euro/MWh. Ein entsprechender Netzengpass, der diesen Preis gerechtfertigt hätte, konnte im Nachhinein nicht festgestellt werden.

Mit einer Gewichtung des Arbeitspreises bei der Bezuschlagung von Geboten will die Bundesnetzagentur dies über das Mischpreisverfahren verhindern. Ob das Mischpreisverfahren dauerhaft bestand hat, ist noch offen. Das Hauptsacheverfahren am Oberlandesgericht läuft nach Angaben von Next noch.
 

Stefan Sagmeister
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Montag, 28.01.2019, 16:58 Uhr

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