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Verbände aus Baden-Württemberg fordern Anpassungen bei Wind-Ausschreibungen. Ohne Änderungen drohe der Süden beim Ausbau weiter zurückzufallen.
Ein breites Bündnis aus Wirtschafts- und Naturschutzverbänden drängt auf eine Reform der Ausschreibungsregeln für Windenergie in Deutschland. Wie die beteiligten Organisationen mitteilten, profitierten derzeit vor allem Projekte in Nord- und Ostdeutschland von den Vergabeverfahren der Bundesnetzagentur, während Vorhaben im Süden kaum zum Zuge kämen. Dies müsse sich ändern, um einen ausgewogenen Ausbau der Windenergie zu gewährleisten.
Zu dem Bündnis zählen neben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) auch Unternehmer Baden-Württemberg, der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VFEW), der Verband kommunaler Unternehmen Baden-Württemberg (VKU BW) sowie die Naturschutzverbände BUND und Nabu. Sie fordern unter anderem, in den kommenden zwei Jahren insgesamt 10.000 Megawatt vom gesamten Ausschreibungsvolumen gezielt für süddeutsche Projekte zu reservieren. Dies entspreche rund 20 Prozent der erwarteten Zuschläge. Zudem plädieren sie für eine Anhebung der Ausschreibungsvolumina in den kommenden Jahren. So würden die Strommengen gesichert, die die Industrie in Süddeutschland benötige.
Hintergrund der Initiative ist eine zunehmende geografische Schieflage bei den Ausschreibungen. In den zuletzt deutlich überzeichneten Ausschreibungen habe es kaum Zuschläge für Projekte im Süden gegeben. Auch eine von der Bundesregierung beschlossene Ausweitung der Ausschreibungsvolumina werde daran nach Einschätzung der Verbände wenig ändern. Das geltende Referenzertragsmodell, das windschwächere Standorte begünstige, reiche nicht aus, um zu einem „ausgewogenen Ausbau“ zu kommen.
Senkung von Redispatch-Kosten
Dabei steht der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg nach Angaben des Bündnisses an einem entscheidenden Punkt. Die Regionalpläne treten demnach in diesem Jahr in Kraft, die Baurecht für zusätzliche Windflächen schaffen. Zudem seien Genehmigungen für mehr als 1.000 Windenergieanlagen beantragt. Damit diese Projekte realisiert werden könnten, seien jedoch Zuschläge in den bundesweiten Ausschreibungen erforderlich.
Die Verbände schlagen daher vor, eigene Ausschreibungssegmente für süddeutsche Bundesländer einzuführen. Zwar solle weiterhin ein Großteil der Windkraftkapazitäten im windstarken Norden entstehen, der Süden müsse jedoch in die Lage versetzt werden, einen angemessenen Beitrag zur Stromerzeugung zu leisten.
Ein stärkerer Ausbau im Süden könne mehrere Effekte haben. So würden die regionale Wertschöpfung gestärkt und der steigende Strombedarf der Industrie besser gedeckt. Gleichzeitig ließen sich Klimaziele eher erreichen. Auch systemische Kosten könnten sinken: Reduzierte Redispatch-Maßnahmen könnten zu Einsparungen von bis zu 1,8 Milliarden Euro jährlich führen, wie eine aktuelle Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im März dieses Jahres gezeigt habe.
Bis zu 3.000 Anlagen zu wenig im Ländle
Darüber hinaus verweisen die Verbände auf die energiepolitische Lage. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Preise für fossile Energieträger gewinne der Ausbau erneuerbarer Energien als Standortfaktor und Beitrag zur Energieunabhängigkeit weiter an Bedeutung. Langfristig sehen Studien für Baden-Württemberg einen Bedarf von rund 30 Milliarden kWh Windstrom jährlich bis 2040. Dafür müssten bis dahin etwa 2.500 bis 3.000 Anlagen errichtet werden. Dieses Ziel sei ambitioniert, aber erreichbar, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst würden.
Das Bündnis verweist zudem auf die rechtliche Grundlage: Das EEG 2023 stelle klar, dass die Errichtung und der Betrieb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im „überragenden öffentlichen Interesse“ liege. Die Erneuerbaren seien demnach „als vorrangiger Belang zu behandeln – selbstverständlich auch in Baden-Württemberg“, heißt es von Seiten der Plattform Erneuerbare Energien. Nun sei die Politik gefordert, bei der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes entsprechende Weichen zu stellen, damit der Ausbau regional ausgewogener erfolgen könne (siehe auch separate Meldung „Auch der BWE kritisiert ...“).
Freitag, 24.04.2026, 15:00 Uhr
Fritz Wilhelm
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