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Energie & Management > Politik - „Dann gehen wir auf die Barrikaden“
Kerstin Andreae beim Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world 2026 in Essen. Quelle: Stefan Sagmeister
Politik

„Dann gehen wir auf die Barrikaden“

Die BDEW-Chefin kritisiert im Vorfeld der E-world die kurzen Konsultationszeiten bei Gesetzvorhaben.
Scharf ging die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, die Politik wegen der mittlerweile üblichen sehr knappen Konsultationszeiten an. Sollten Verbände erneut mit Gesetzentwürfen konfrontiert werden, die am Freitagnachmittag eingehen und bis Montagvormittag kommentiert werden sollen, werde der BDEW „auf die Barrikaden gehen“.
 
Eine ernsthafte Beteiligung sei unter diesen Bedingungen nicht möglich, sagte Andreae beim Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world in Essen. Stellungnahmen müssten über die Mitgliedsunternehmen rückgekoppelt werden, was Zeit erfordere. „Ich kann den Unternehmen nicht am Montag um sieben Uhr etwas schicken und sagen: Um halb neun muss das im Wirtschaftsministerium sein“, sagte sie. Zu kurze Fristen führten aus ihrer Sicht zu handwerklich schwachen Gesetzen und späteren Novellierungsschleifen und seien auch „kein gutes Bild einer Regierung, die nicht hören will, was die Bandbreite der Unternehmen zu sagen hat“.
 
Weiterhin mahnte Andreae, bei der Energiewende nicht nachzulassen. Erneuerbare Energien seien „Freiheitsenergien“, weil sie die Importabhängigkeiten reduzierten. Deutschland importiere jährlich fossile Energieträger im Wert von rund 80 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon entfalle auf Öl. Eine stärkere Elektrifizierung könne diese Abhängigkeiten senken und zugleich mehr Wertschöpfung im Land halten. Zudem stärkten erneuerbare Energien durch ihre Dezentralität die Resilienz des Systems, etwa mit Blick auf die Verwundbarkeit zentraler Infrastrukturen.
 
Mit Blick auf den künftigen Ausbau der Erneuerbaren kritisierte Andreae die intensive Mengendiskussion über den zukünftigen Strombedarf. Aktuell liege der Stromverbrauch bei rund 500 Milliarden kWh im Jahr. Die meisten Szenarien gingen zwar von einem Anstieg aus, getrieben unter anderem durch Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmeanwendungen. Gleichzeitig sei die Unsicherheit groß.
 
Im Monitoringbericht der Bundesregierung würden Bandbreiten von 600 bis 700 Milliarden kWh genannt. Daraus lasse sich zwar ein steigender Bedarf ablesen, zugleich zeige der Korridor von rund 100 Milliarden kWh aber auch: „Wir haben keine Ahnung, wo wir am Ende wirklich landen.“ Daraus folge zwingend, dass Politik und Regulierung flexibel bleiben müssten.
 
Unabhängig davon bleibe das Ziel bestehen, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien zu erreichen. Entscheidend sei jedoch, von welcher Strommenge dieser Anteil ausgehe. Der BDEW habe auf Basis eigener Berechnungen einen Wert von etwa 550 Milliarden kWh zugrunde gelegt, betonte Andreae, verwies aber zugleich auf die hohe Volatilität solcher Annahmen. „Ich lasse mich auf keine Zahl festlegen“, sagte sie. Die zentrale Schlussfolgerung sei dennoch eindeutig: „Der Ausbau muss weitergehen.“
 
In den einzelnen Technologien sieht Andreae unterschiedliche Schwerpunkte. Bei Photovoltaik auf Dächern stellte sie infrage, ob künftig noch eine Förderung notwendig sei, sofern sich Anlagen in Kombination mit Speichern wirtschaftlich selbst tragen. Gleichzeitig müssten die Netzentgelte überprüft werden.
 
Photovoltaik-Freiflächenanlagen bezeichnete sie als zentral, da hier viele Megawatt zu vergleichsweise geringen Kosten realisiert werden könnten. Windenergie an Land sei weiterhin der „Packesel“ der Energiewende, was sich auch an regelmäßig überzeichneten Ausschreibungen zeige. Bei Offshore-Windenergie hob Andreae die Zusammenarbeit der Anrainerstaaten hervor.

Montag, 9.02.2026, 16:44 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Politik - „Dann gehen wir auf die Barrikaden“
Kerstin Andreae beim Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world 2026 in Essen. Quelle: Stefan Sagmeister
Politik
„Dann gehen wir auf die Barrikaden“
Die BDEW-Chefin kritisiert im Vorfeld der E-world die kurzen Konsultationszeiten bei Gesetzvorhaben.
Scharf ging die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, die Politik wegen der mittlerweile üblichen sehr knappen Konsultationszeiten an. Sollten Verbände erneut mit Gesetzentwürfen konfrontiert werden, die am Freitagnachmittag eingehen und bis Montagvormittag kommentiert werden sollen, werde der BDEW „auf die Barrikaden gehen“.
 
Eine ernsthafte Beteiligung sei unter diesen Bedingungen nicht möglich, sagte Andreae beim Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world in Essen. Stellungnahmen müssten über die Mitgliedsunternehmen rückgekoppelt werden, was Zeit erfordere. „Ich kann den Unternehmen nicht am Montag um sieben Uhr etwas schicken und sagen: Um halb neun muss das im Wirtschaftsministerium sein“, sagte sie. Zu kurze Fristen führten aus ihrer Sicht zu handwerklich schwachen Gesetzen und späteren Novellierungsschleifen und seien auch „kein gutes Bild einer Regierung, die nicht hören will, was die Bandbreite der Unternehmen zu sagen hat“.
 
Weiterhin mahnte Andreae, bei der Energiewende nicht nachzulassen. Erneuerbare Energien seien „Freiheitsenergien“, weil sie die Importabhängigkeiten reduzierten. Deutschland importiere jährlich fossile Energieträger im Wert von rund 80 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon entfalle auf Öl. Eine stärkere Elektrifizierung könne diese Abhängigkeiten senken und zugleich mehr Wertschöpfung im Land halten. Zudem stärkten erneuerbare Energien durch ihre Dezentralität die Resilienz des Systems, etwa mit Blick auf die Verwundbarkeit zentraler Infrastrukturen.
 
Mit Blick auf den künftigen Ausbau der Erneuerbaren kritisierte Andreae die intensive Mengendiskussion über den zukünftigen Strombedarf. Aktuell liege der Stromverbrauch bei rund 500 Milliarden kWh im Jahr. Die meisten Szenarien gingen zwar von einem Anstieg aus, getrieben unter anderem durch Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmeanwendungen. Gleichzeitig sei die Unsicherheit groß.
 
Im Monitoringbericht der Bundesregierung würden Bandbreiten von 600 bis 700 Milliarden kWh genannt. Daraus lasse sich zwar ein steigender Bedarf ablesen, zugleich zeige der Korridor von rund 100 Milliarden kWh aber auch: „Wir haben keine Ahnung, wo wir am Ende wirklich landen.“ Daraus folge zwingend, dass Politik und Regulierung flexibel bleiben müssten.
 
Unabhängig davon bleibe das Ziel bestehen, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien zu erreichen. Entscheidend sei jedoch, von welcher Strommenge dieser Anteil ausgehe. Der BDEW habe auf Basis eigener Berechnungen einen Wert von etwa 550 Milliarden kWh zugrunde gelegt, betonte Andreae, verwies aber zugleich auf die hohe Volatilität solcher Annahmen. „Ich lasse mich auf keine Zahl festlegen“, sagte sie. Die zentrale Schlussfolgerung sei dennoch eindeutig: „Der Ausbau muss weitergehen.“
 
In den einzelnen Technologien sieht Andreae unterschiedliche Schwerpunkte. Bei Photovoltaik auf Dächern stellte sie infrage, ob künftig noch eine Förderung notwendig sei, sofern sich Anlagen in Kombination mit Speichern wirtschaftlich selbst tragen. Gleichzeitig müssten die Netzentgelte überprüft werden.
 
Photovoltaik-Freiflächenanlagen bezeichnete sie als zentral, da hier viele Megawatt zu vergleichsweise geringen Kosten realisiert werden könnten. Windenergie an Land sei weiterhin der „Packesel“ der Energiewende, was sich auch an regelmäßig überzeichneten Ausschreibungen zeige. Bei Offshore-Windenergie hob Andreae die Zusammenarbeit der Anrainerstaaten hervor.

Montag, 9.02.2026, 16:44 Uhr
Stefan Sagmeister

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