Der Windecker Ortstel Dattenfeld. Quelle: Gemeinde Windeck / Hampl
Eine Machbarkeitsstudie zeigt, dass eine flächendeckende zentrale Wärmeversorgung in Windeck im Rhein-Sieg-Kreis teurer wäre als dezentrale Lösungen.
Zentrale Wärmeversorgung im ländlichen Raum? Ob sich eine solche Investition in Windeck im Ortsteil Dattenfeld rechnen würde, hat die Rhenag Energie in einer Machbarkeitsstudie prüfen lassen. Die Studie beleuchtet nicht nur die Gegebenheiten in der Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis, sondern liefert auch Hinweise für die Auslegung künftiger Wärmenetze im ländlichen Raum, wie der Energieversorger betont. Untersucht worden seien verschiedene Varianten der zentralen Wärmeversorgung. Ergebnis: „Eine zentrale Versorgung der Region mit einem flächendeckenden Wärmenetz ist für den Endkunden – im Vergleich zu einer dezentralen Einzelversorgung über Wärmepumpen oder Biomassekesseln – kostenintensiver“, heißt es in einer Mitteilung.
Als wesentlichen Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes nennen die Studienautoren die Anzahl und die Nutzungsart sowie die räumliche Struktur der angeschlossenen Gebäude. Im Windecker Ortsteil Dattenfeld stünden vielen Einfamilienhäusern vergleichsweise wenige Mehrfamilienhäuser und größere Abnehmer gegenüber. Die weitläufige Bebauung führe dadurch zu hohen Kosten für die Netzinfrastruktur im Verhältnis zur erzeugten Wärmemenge.
Kleinere, gebäudebezogene Netze
Für ein Wärmenetz in Dattenfeld hätte es mehrere potenzielle Wärmequellen gegeben. Dazu gehören die Kläranlage, Biomasse und die Sieg. Als eine Variante wurde ein Niedertemperatur-Wärmenetz mit einer Vorlauftemperatur von 70 Grad Celsius betrachtet. Gegenstand der Überlegungen war eine Kombination aus Hackschnitzelkessel und Klarwasser-Wärmepumpe. Die Kläranlage könnte in diesem Konzept als Wärmequelle für die Wärmepumpe dienen. Weitere Überlegungen zielten ein kaltes Nahwärmenetz mit einem Eisspeicher als Wärmequelle.
Kleinere, gebäudebezogene Netze im Sinne vom Zusammenschluss benachbarter Gebäude bleiben weiterhin denkbar für die Gemeinde.
Dass die Idee einer fläckendeckende Lösung in Dattenfeld vom Tisch ist, bedeutet freilich nicht, dass Wärmenetze im ländlichen Raum nicht auch sinnvoll sein können, wie die Rhenag betont. „Beispielsweise dann, wenn in dicht bebauten Ortskernen bauliche Einschränkungen dezentrale Lösungen erschweren.“ Jedoch brauche es „verlässliche Wärmequellen – am besten kombiniert aus mehreren Energieträgern – sowie einen ausgewogenen Mix aus kommunalen und gewerblichen Abnehmern, die einen hohen und konstanten Wärmebedarf bei langfristiger Bindung an den Standort aufweisen“, erläutert Norman Petersson, Leiter des Energiegeschäfts.
An der Studie waren neben der Rhenag die Rhein-Sieg Netz, die Windeck Energie GmbH, das Planungsbüro Heatbeat Engineering, die Bürgerinitiative Nahwärme-Windeck und die Gemeinde Windeck beteiligt. Die Untersuchung wurde mit Mitteln aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt. (mf)
Freitag, 14.08.2026, 15:35 Uhr
Manfred Fischer
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