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Energie & Management > IT - Virtuelle Kraftwerke erreichen industrielle Größe
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
IT

Virtuelle Kraftwerke erreichen industrielle Größe

Der Energiedienstleister Kraken koordiniert laut eigenen Angaben mehr flexible Ökostrom-Leistung als Europas größtes Kohlekraftwerk. Auch die Berliner Enpal ist gut in diesem Geschäft.
Virtuelle Kraftwerke erreichen nach Angaben von Technologieanbietern zunehmend Leistungsdimensionen klassischer Großkraftwerke. Das britische Unternehmen Kraken, spezialisiert auf Software für Energiemanagement und Flexibilität, gibt an, inzwischen mehr steuerbare erneuerbare Leistung zu koordinieren als das polnische Kohlekraftwerk Belchatow liefert. Dieses gilt als größtes Kohlekraftwerk Europas mit 4.000 MW Leistung und produziert 20 Prozent des polnischen Stroms.

Konkret verwaltet Kraken, das zum Energieanbieter Octopus Energy gehört, nach eigenen Angaben rund 5.700 MW flexibel abrufbare Leistung. Diese setzt sich aus etwa 3.200 MW steuerbarer Erzeugung und Großbatteriespeichern sowie weiteren 2.500 MW Flexibilität aus Haushalten zusammen. Dazu zählen unter anderem Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Heimspeicher. Die Anlagen werden über Software in Echtzeit koordiniert und wie ein gemeinsames Kraftwerk betrieben.

Bessere Netzauslastung

Laut Kraken zeigt das Beispiel, dass dezentrale, softwarebasierte Systeme klassische fossile Erzeugungsstrukturen funktional ersetzen können. Die Technologie überwacht Stromnetze und Märkte laufend, steuert Lade- und Entladevorgänge von Batterien und verschiebt Verbrauch gezielt in Zeiten mit hoher erneuerbarer Erzeugung. Ziel ist es, Lastspitzen zu reduzieren und bestehende Netzinfrastruktur besser auszulasten.

Devrim Celal, Chief Flexibility and Marketing Officer bei Kraken, ordnet die Entwicklung als strukturellen Wandel ein. Virtuelle Kraftwerke seien keine Nischenlösung mehr, sondern entwickelten sich zu einem zentralen Baustein moderner Stromsysteme, sagte Celal in einer Mitteilung. Energieversorger erhielten dadurch mehr Kontrolle über schwankende erneuerbare Erzeugung und könnten fossile Kraftwerke schneller ersetzen.

Enpal koordiniert 40.000 Haushalte

Auch in Deutschland wächst die Bedeutung virtueller Kraftwerke. Der Berliner Anbieter Enpal nennt sich selbst Marktführer bei der Installation von Solaranlagen und Wärmepumpen in Deutschland. Er betreibt mit „Enpal.One+“ ein virtuelles Kraftwerk, das nach Unternehmensangaben mehr als 40.000 Haushalte einbindet. Rund 40 Prozent des gesamten Enpal-Portfolios nehmen demnach bereits teil. Technischer Partner ist das Joint Venture Flexa.

Das virtuelle Kraftwerk von Enpal vernetze über 100.000 dezentrale Anlagen wie Photovoltaiksysteme, Batteriespeicher und Wallboxen. Aktuell ergibt sich daraus laut Enpal eine steuerbare Gesamtleistung von rund 400 MW. Monatlich kommen mehrere tausend weitere Haushalte hinzu.

Flexibilität stabilisiert das System

Benjamin Merle-Oberheide, Chief Product Officer bei Enpal, sieht in der Kombination aus Photovoltaik, Speicher und intelligenter Steuerung einen wichtigen Beitrag zur Systemstabilität. Durch die markt- und netzorientierte Steuerung lasse sich der Bedarf an zentralen fossilen Kraftwerken reduzieren, erklärte Merle-Oberheide. Zugleich wies er auf fehlende Harmonisierung bei IT-Systemen und Marktprozessen hin, die eine schnellere Skalierung erschwere.

Enpal plant, das virtuelle Kraftwerk ab 2026 auf das gesamte Kundenportfolio sowie auf Neukunden auszuweiten. Dann soll eine Gesamtleistung von über 1.000 MW erreicht werden. Diese Größenordnung liege laut Unternehmen im Bereich mehrerer Kohlekraftwerksblöcke.

Mittwoch, 17.12.2025, 13:14 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > IT - Virtuelle Kraftwerke erreichen industrielle Größe
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Virtuelle Kraftwerke erreichen industrielle Größe
Der Energiedienstleister Kraken koordiniert laut eigenen Angaben mehr flexible Ökostrom-Leistung als Europas größtes Kohlekraftwerk. Auch die Berliner Enpal ist gut in diesem Geschäft.
Virtuelle Kraftwerke erreichen nach Angaben von Technologieanbietern zunehmend Leistungsdimensionen klassischer Großkraftwerke. Das britische Unternehmen Kraken, spezialisiert auf Software für Energiemanagement und Flexibilität, gibt an, inzwischen mehr steuerbare erneuerbare Leistung zu koordinieren als das polnische Kohlekraftwerk Belchatow liefert. Dieses gilt als größtes Kohlekraftwerk Europas mit 4.000 MW Leistung und produziert 20 Prozent des polnischen Stroms.

Konkret verwaltet Kraken, das zum Energieanbieter Octopus Energy gehört, nach eigenen Angaben rund 5.700 MW flexibel abrufbare Leistung. Diese setzt sich aus etwa 3.200 MW steuerbarer Erzeugung und Großbatteriespeichern sowie weiteren 2.500 MW Flexibilität aus Haushalten zusammen. Dazu zählen unter anderem Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Heimspeicher. Die Anlagen werden über Software in Echtzeit koordiniert und wie ein gemeinsames Kraftwerk betrieben.

Bessere Netzauslastung

Laut Kraken zeigt das Beispiel, dass dezentrale, softwarebasierte Systeme klassische fossile Erzeugungsstrukturen funktional ersetzen können. Die Technologie überwacht Stromnetze und Märkte laufend, steuert Lade- und Entladevorgänge von Batterien und verschiebt Verbrauch gezielt in Zeiten mit hoher erneuerbarer Erzeugung. Ziel ist es, Lastspitzen zu reduzieren und bestehende Netzinfrastruktur besser auszulasten.

Devrim Celal, Chief Flexibility and Marketing Officer bei Kraken, ordnet die Entwicklung als strukturellen Wandel ein. Virtuelle Kraftwerke seien keine Nischenlösung mehr, sondern entwickelten sich zu einem zentralen Baustein moderner Stromsysteme, sagte Celal in einer Mitteilung. Energieversorger erhielten dadurch mehr Kontrolle über schwankende erneuerbare Erzeugung und könnten fossile Kraftwerke schneller ersetzen.

Enpal koordiniert 40.000 Haushalte

Auch in Deutschland wächst die Bedeutung virtueller Kraftwerke. Der Berliner Anbieter Enpal nennt sich selbst Marktführer bei der Installation von Solaranlagen und Wärmepumpen in Deutschland. Er betreibt mit „Enpal.One+“ ein virtuelles Kraftwerk, das nach Unternehmensangaben mehr als 40.000 Haushalte einbindet. Rund 40 Prozent des gesamten Enpal-Portfolios nehmen demnach bereits teil. Technischer Partner ist das Joint Venture Flexa.

Das virtuelle Kraftwerk von Enpal vernetze über 100.000 dezentrale Anlagen wie Photovoltaiksysteme, Batteriespeicher und Wallboxen. Aktuell ergibt sich daraus laut Enpal eine steuerbare Gesamtleistung von rund 400 MW. Monatlich kommen mehrere tausend weitere Haushalte hinzu.

Flexibilität stabilisiert das System

Benjamin Merle-Oberheide, Chief Product Officer bei Enpal, sieht in der Kombination aus Photovoltaik, Speicher und intelligenter Steuerung einen wichtigen Beitrag zur Systemstabilität. Durch die markt- und netzorientierte Steuerung lasse sich der Bedarf an zentralen fossilen Kraftwerken reduzieren, erklärte Merle-Oberheide. Zugleich wies er auf fehlende Harmonisierung bei IT-Systemen und Marktprozessen hin, die eine schnellere Skalierung erschwere.

Enpal plant, das virtuelle Kraftwerk ab 2026 auf das gesamte Kundenportfolio sowie auf Neukunden auszuweiten. Dann soll eine Gesamtleistung von über 1.000 MW erreicht werden. Diese Größenordnung liege laut Unternehmen im Bereich mehrerer Kohlekraftwerksblöcke.

Mittwoch, 17.12.2025, 13:14 Uhr
Susanne Harmsen

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