Georg Stamatelopoulos bei der Bilanzpressekonferenz am 25. März. Quelle: Manfred Fischer
EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos hadert mit dem Tempo, mit dem angekündigte energiepolitische Reformen umgesetzt werden.
Die Richtung stimmt, das Tempo nicht. Das Wirken von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) strapaziert den Geduldsfaden des Energieriesen EnBW. „Wir sehen, dass sie sehr gute Ansätze hat für die Reformierung der Transformation des Energiesystems. Wir stellen aber auch fest, dass in Sachen Zeit und Umsetzung die Themen nicht so schnell vorangebracht werden“, sagte Konzernchef Georg Stamatelopoulos bei der Bilanzpressekonferenz am 25. März. Es gebe viele Ankündigungen, sagte er und verwies unter anderem auf Referentenentwürfe zum Kraftwerkssicherheitssgesetz (KWSG) und EEG.
In der Konzernzentrale in Karlsruhe hofft man, dass 2026 ein Jahr der Reform-Umsetzungen wird. „Ich glaube, in der Geschwindigkeit brauchen wir eine andere Dynamik“, betonte Stamatelopoulos. Der EnBW-Vorsitzende fordert Klarheit für Investitionen. „Die Eckpunkte, die bereits veröffentlicht wurden, gehen in die richtige Richtung“, sagte er im Hinblick auf das KWSG.
Was Stamatelopoulos umtreibt, ist die noch unklare Rolle, die der Süden in der neuen Kraftwerkslandschaft spielen soll. „Wichtig für uns ist eine besondere Behandlung des Südens“. Hier gebe es die größten Engpässe und den größten Redispatch. Und „wir müssen auch die Netze entsprechend massiver ausbauen als der Norden.“
Fehlende Details zur Verknüpfung mit Kapazitätsmarkt
Als weiteren Punkt nannte er die Verknüpfung mit dem Kapazitätsmarkt. „Sinnvollerweise hat man die Auktionen für das Kraftwerkssicherheitsgesetz mit dem avisierten Kapazitätsmarkt verbunden“, so der EnBW-Chef. Die Kraftwerke sollen am Kapazitätsmarkt teilnehmen. Doch: „Wir müssen wissen, zu welchen Konditionen, um entsprechende Gebote für die Auktionen zu machen.“ Neben diesem Eckpunkt stehe keine Detaillierung fest.
Wichtige Details seien auch offen, was die perspektivische Umstellung der neuen Gaskraftwerke auf Wasserstoff betrifft. „Es sollen wasserstofffähige Gaskraftwerke installiert werden, und das finden wir richtig. Alles andere hätte die Gefahr, dass wir in eine Sackgassen-Technologie investieren, die nach einigen Jahren nicht mehr zu betreiben wäre.“ Auch dass eine separate Auktion für die Umstellung auf Wasserstoff vorgestellt worden sei, begrüße man. Hintergrund: Die vorherige Regierung hatte ein konkretes Jahr für die Umstellung vorgesehen. Reiches marktliches Instrument findet man in Karlsruhe richtig, allerdings sei nach wie vor vieles unklar.
Darüber hinaus stößt man sich bei EnBW an der Diskussion, ob man den Kraftwerken die Aufgabe geben soll, Systemdienstleistungen zu übernehmen. „Unsere Position ist, dass wir das separat betrachten müssen von der Auktion“, betonte Stamatelopoulos. So wie es auch heute ist, sollten die Übertragungsnetzbetreiber diese Regelleistungen separat ausschreiben.
Nicht zuletzt wies der Konzernchef auf die Netzentgelt-Systematik hin. Der Prozess zur Reformierung der Netzentgelte sollte synchronisiert werden mit dem Ausbau der Erneuerbaren und den Ausschreibungen des KWSG. Für den Netzausbau sei eine im internationalen, vor allem jedoch im europäischen Vergleich angemessene Rendite entscheidend. „Am wichtigsten ist, dass ein gezielter und klar priorisierter Netzausbau einhergeht mit dem Ausbau der Erneuerbaren.“
Mittwoch, 25.03.2026, 16:54 Uhr
Manfred Fischer
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