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Energie & Management > Geothermie - Stadtwerke Greifswald fürchten ums Wasser bei Erdwärme-Vorhaben
Quelle: Shutterstock / James Suawa
Geothermie

Stadtwerke Greifswald fürchten ums Wasser bei Erdwärme-Vorhaben

Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern und Verantwortliche in Greifswalds Kommune und Stadtwerken reiben sich aneinander. Es geht um Grenzen der Geothermie aus Sorge ums Wasser.
Am Greifswalder Bodden ist der Missmut greifbar. Die Verantwortlichen von Landkreis Vorpommern-Greifswald, dem Zweckverband Wasser/Abwasser Boddenküste, der Stadt Greifswald und der dortigen Stadtwerke hadern mit den Geothermie-Plänen der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern. Diese will Trinkwasserschutzgebiete zum jetzigen Zeitpunkt partout nicht aus den Suchgebieten ausklammern.

Genau das aber fordert auch Greifswalds Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Prauße, der sich einem Memorandum „zum Vorrang und Schutz der öffentlichen Wasserversorgung vor der Nutzung von Erdwärme“ mit den führenden Lokalpolitikern angeschlossen hat. Gerichtet ist das aus dem Dezember stammende Schreiben an Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) und Umweltminister Till Backhaus (SPD) des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Auf Anfrage dieser Redaktion stellt Thomas Prauße klar, dass die Stadtwerke grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber der Erdwärme seien, ob oberflächennah oder in Form der Tiefengeothermie. „Aber eben nicht in unseren Trinkwasserschutzgebieten.“ Drei dieser Zonen befinden sich vor allem im Süden der Kreis- und Universitätsstadt.

Stadtwerke-Chef weist Aussagen des Umweltministers zurück

Die Landesregierung hat ambitionierte Ziele für die klimafreundliche Wärme der Zukunft. Geothermie soll in großem Umfang dazu beitragen. Die Sorgen aus Greifswald hatten Umweltminister Till Backhaus zu der Aussage verleitet, führende Köpfe vor Ort „spielen den Trinkwasserschutz klar gegen den Klimaschutz aus“.

Thomas Prauße weist diese Kritik als unbegründet zurück. Er unterstreicht vielmehr die hohe Verantwortung für die Versorgung der Menschen mit hochwertigem Trinkwasser. Das sehe die Landesregierung eigentlich nicht anders, sagt er und bringt eine Pressemitteilung von April 2025 in Erinnerung. Darin heißt es, dass das Grundwasser und die Gewässer im Land vor Stoffeinträgen zu schützen seien.

Schon mögliche Sole-Testbohrungen, die übrigens noch nicht terminiert sind, würden aber Gefahren heraufbeschwören. Versicherungen der Firma Immobilienwert Sachsen AG, die das Geothermie-Potenzial in Greifswalds Erdreich heben will und die Wasserzonen als sicher ansieht, hält Thomas Prauße für „wenig überzeugend“. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit.

Ein Szenario beunruhigt die lokalen Funktionsträger besonders. Es gebe viele Unbekannte im tiefen Erdreich, darunter unterschiedliche Temperaturen und Druckbedingungen oder Verwerfungen im Erdreich. Dies könne sich auch erst später einstellen. Dass es eine lückenlose technische Überwachung geben soll, beruhigt die Gemüter nicht. Thomas Prauße: „Wenn es zu einem Schadstoffeintrag in einer Wasserfassung kommt, hat es zwar das Kontrollsystem dann gemessen, aber dann ist es zu spät.“

Und Grundwasser habe „ein ganz langes Gedächtnis und verzeiht nicht“, sagt der Stadtwerke-Chef. Das bedeutet, es könne irreversibel kontaminiert sein und als Trinkwasserreservoir ausfallen. Als Ersatzquelle auf den Fluss Ryck zurückzugreifen führe wiederum dazu, mit erheblichen Anstrengungen und Millionen-Beträgen den Schmutz aus dem Fließgewässer filtern zu müssen.

Noch sei Zeit für „einen lösungsorientierten Dialog mit der Landesregierung, ohne Vorbehalte und unsachliche Kritiken“, hofft Thomas Prauße. Denn zunächst stünden Potenzialuntersuchungen an, Tiefenbohrungen sollen bis Ende 2027 nicht geplant sein. Der Dialog mit den beiden Ministern könne auch bei „einem Glas Trinkwasser“ in Greifswald erfolgen, so Thomas Prauße.

Dienstag, 3.02.2026, 16:38 Uhr
Volker Stephan
Energie & Management > Geothermie - Stadtwerke Greifswald fürchten ums Wasser bei Erdwärme-Vorhaben
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Geothermie
Stadtwerke Greifswald fürchten ums Wasser bei Erdwärme-Vorhaben
Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern und Verantwortliche in Greifswalds Kommune und Stadtwerken reiben sich aneinander. Es geht um Grenzen der Geothermie aus Sorge ums Wasser.
Am Greifswalder Bodden ist der Missmut greifbar. Die Verantwortlichen von Landkreis Vorpommern-Greifswald, dem Zweckverband Wasser/Abwasser Boddenküste, der Stadt Greifswald und der dortigen Stadtwerke hadern mit den Geothermie-Plänen der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern. Diese will Trinkwasserschutzgebiete zum jetzigen Zeitpunkt partout nicht aus den Suchgebieten ausklammern.

Genau das aber fordert auch Greifswalds Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Prauße, der sich einem Memorandum „zum Vorrang und Schutz der öffentlichen Wasserversorgung vor der Nutzung von Erdwärme“ mit den führenden Lokalpolitikern angeschlossen hat. Gerichtet ist das aus dem Dezember stammende Schreiben an Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) und Umweltminister Till Backhaus (SPD) des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Auf Anfrage dieser Redaktion stellt Thomas Prauße klar, dass die Stadtwerke grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber der Erdwärme seien, ob oberflächennah oder in Form der Tiefengeothermie. „Aber eben nicht in unseren Trinkwasserschutzgebieten.“ Drei dieser Zonen befinden sich vor allem im Süden der Kreis- und Universitätsstadt.

Stadtwerke-Chef weist Aussagen des Umweltministers zurück

Die Landesregierung hat ambitionierte Ziele für die klimafreundliche Wärme der Zukunft. Geothermie soll in großem Umfang dazu beitragen. Die Sorgen aus Greifswald hatten Umweltminister Till Backhaus zu der Aussage verleitet, führende Köpfe vor Ort „spielen den Trinkwasserschutz klar gegen den Klimaschutz aus“.

Thomas Prauße weist diese Kritik als unbegründet zurück. Er unterstreicht vielmehr die hohe Verantwortung für die Versorgung der Menschen mit hochwertigem Trinkwasser. Das sehe die Landesregierung eigentlich nicht anders, sagt er und bringt eine Pressemitteilung von April 2025 in Erinnerung. Darin heißt es, dass das Grundwasser und die Gewässer im Land vor Stoffeinträgen zu schützen seien.

Schon mögliche Sole-Testbohrungen, die übrigens noch nicht terminiert sind, würden aber Gefahren heraufbeschwören. Versicherungen der Firma Immobilienwert Sachsen AG, die das Geothermie-Potenzial in Greifswalds Erdreich heben will und die Wasserzonen als sicher ansieht, hält Thomas Prauße für „wenig überzeugend“. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit.

Ein Szenario beunruhigt die lokalen Funktionsträger besonders. Es gebe viele Unbekannte im tiefen Erdreich, darunter unterschiedliche Temperaturen und Druckbedingungen oder Verwerfungen im Erdreich. Dies könne sich auch erst später einstellen. Dass es eine lückenlose technische Überwachung geben soll, beruhigt die Gemüter nicht. Thomas Prauße: „Wenn es zu einem Schadstoffeintrag in einer Wasserfassung kommt, hat es zwar das Kontrollsystem dann gemessen, aber dann ist es zu spät.“

Und Grundwasser habe „ein ganz langes Gedächtnis und verzeiht nicht“, sagt der Stadtwerke-Chef. Das bedeutet, es könne irreversibel kontaminiert sein und als Trinkwasserreservoir ausfallen. Als Ersatzquelle auf den Fluss Ryck zurückzugreifen führe wiederum dazu, mit erheblichen Anstrengungen und Millionen-Beträgen den Schmutz aus dem Fließgewässer filtern zu müssen.

Noch sei Zeit für „einen lösungsorientierten Dialog mit der Landesregierung, ohne Vorbehalte und unsachliche Kritiken“, hofft Thomas Prauße. Denn zunächst stünden Potenzialuntersuchungen an, Tiefenbohrungen sollen bis Ende 2027 nicht geplant sein. Der Dialog mit den beiden Ministern könne auch bei „einem Glas Trinkwasser“ in Greifswald erfolgen, so Thomas Prauße.

Dienstag, 3.02.2026, 16:38 Uhr
Volker Stephan

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