E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Stromnetz - Speicherbranche fordert schnellere Netzanschlüsse
BVES-Investorengipfel in Berlin. Quelle: William Veder / BVES
Stromnetz

Speicherbranche fordert schnellere Netzanschlüsse

Die Speicherbranche ist nach Einschätzung des Verbandes BVES investitionsbereit, wird aber durch fehlende Netzkapazitäten und langwierige Anschlussverfahren gebremst.
Beim 4. „BVES Investor Summit Europe“ Mitte Oktober in Berlin diskutierten mehr als 550 Vertreter der europäischen Energie- und Finanzbranche über die wirtschaftliche Umsetzung von Speicherprojekten. Der Verband fordert Politik und Netzbetreiber auf, den Anschlussstau abzubauen und verlässliche Bedingungen für Investitionen zu schaffen.

„Entscheidend ist nicht mehr, ob Speicherprojekte kommen, sondern wie wir sie unter realen Markt- und Netzbedingungen erfolgreich umsetzen“, sagte BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen. Die Branche entwickle ihre Vermarktungsstrategien weiter, kombiniere Erlösquellen und stärke damit die Flexibilität und Resilienz des Energiesystems. Nun müssten die Rahmenbedingungen folgen. Ein Netzanschluss dürfe nicht zum unkalkulierbaren Investitionsrisiko werden.

Der BVES verlangt von den Netzbetreibern schnelle, transparente und diskriminierungsfreie Anschlussverfahren, die den jeweiligen Projektfortschritt berücksichtigen. Zudem müssten Politik und Netzbetreiber flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA) praxistauglich gestalten. Sie sollen Speicherprojekte auch dann ermöglichen, wenn zunächst nur begrenzte Netzkapazitäten verfügbar sind.

Netz und Vermarktung gemeinsam planen

Wie sich Speicherprojekte wirtschaftlich realisieren lassen, stand im Mittelpunkt des zweitägigen Summits am 14. und 15. Oktober mit mehr als 60 Sprechern, neun Paneldiskussionen und sechs Workshops. Laut BVES müssen Netzanschluss, technische Auslegung und Vermarktung von Beginn an zusammenspielen. Begrenzte Anschlusskapazitäten, Betriebsbeschränkungen und höhere Anforderungen an Verfügbarkeit und Handelsperformance erhöhen die Anforderungen an Projektentwicklung und Finanzierung.
 
 
Zugleich gewinnen die Kombination verschiedener Strommärkte und Systemdienstleistungen sowie gemeinsame Netzanschlüsse für Photovoltaik, Windenergie und Batteriespeicher an Bedeutung. Bei solchen Co- und Tri-Location-Konzepten teilen sich Erzeugungsanlagen und Speicher einen Standort beziehungsweise einen Netzanschluss. Das kann die vorhandene Infrastruktur effizienter nutzbar machen. Dafür müssen Betreiber Erzeugung, Speicherung, Netzrestriktionen und Vermarktung jedoch gemeinsam planen.

Sicherheitsanforderungen und Wärmespeicher im Fokus

Mit der wachsenden Bedeutung von Speichern steigen nach Einschätzung des Verbands auch die Anforderungen an die physische Sicherheit und die Cybersicherheit. Sichere Steuerungs- und Energiemanagementsysteme sowie geschützte Zugänge für Servicearbeiten müssten deshalb bereits bei Planung und Beschaffung berücksichtigt werden.

Neben Batteriespeichern sieht der BVES weitere Investitionsmöglichkeiten in thermischen Speichern, industriellen Wärmepumpen und flexibler Prozesswärme. Diese Technologien könnten dazu beitragen, erneuerbaren Strom effizienter zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken.

„Die Branche arbeitet konstruktiv daran, Lösungen zu entwickeln und Risiken beherrschbar zu machen“, betonte Windelen. Wer mehr Flexibilität im Energiesystem wolle, müsse die Voraussetzungen schaffen, damit Speicher ans Netz kommen und wirtschaftlich betrieben werden können.

Auch Kalkindustrie fordert bessere Infrastruktur

Anlässlich des Investitionsgipfels der Bundesregierung am 19. und 20. Oktober forderte Philip Nuyken, Geschäftsführer Politik des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie, einen konsequenten Abbau staatlicher Investitionshemmnisse. Immer komplexere Regelungen schränkten den unternehmerischen Handlungsspielraum ein, kritisierte er.

„Wir brauchen mehr Entscheidungsfreiheit und weniger staatliche Detailsteuerung“, sagte Nuyken. „Deutschland muss schneller werden. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt, bestehende Anforderungen auf ihre Notwendigkeit überprüft und neue Belastungen vermieden werden“, so der Appell des Verbandes.

Der Staat sollte sich vielmehr auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, wozu eine leistungsfähige Infrastruktur gehöre. Leistungsfähige Stromnetze, eine CO2-Infrastruktur und Wasserstoffnetze seien Voraussetzungen guter Investitionsbedingungen, schloss Nuyken. (sh)

Mittwoch, 21.10.2026, 11:39 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Stromnetz - Speicherbranche fordert schnellere Netzanschlüsse
BVES-Investorengipfel in Berlin. Quelle: William Veder / BVES
Stromnetz
Speicherbranche fordert schnellere Netzanschlüsse
Die Speicherbranche ist nach Einschätzung des Verbandes BVES investitionsbereit, wird aber durch fehlende Netzkapazitäten und langwierige Anschlussverfahren gebremst.
Beim 4. „BVES Investor Summit Europe“ Mitte Oktober in Berlin diskutierten mehr als 550 Vertreter der europäischen Energie- und Finanzbranche über die wirtschaftliche Umsetzung von Speicherprojekten. Der Verband fordert Politik und Netzbetreiber auf, den Anschlussstau abzubauen und verlässliche Bedingungen für Investitionen zu schaffen.

„Entscheidend ist nicht mehr, ob Speicherprojekte kommen, sondern wie wir sie unter realen Markt- und Netzbedingungen erfolgreich umsetzen“, sagte BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen. Die Branche entwickle ihre Vermarktungsstrategien weiter, kombiniere Erlösquellen und stärke damit die Flexibilität und Resilienz des Energiesystems. Nun müssten die Rahmenbedingungen folgen. Ein Netzanschluss dürfe nicht zum unkalkulierbaren Investitionsrisiko werden.

Der BVES verlangt von den Netzbetreibern schnelle, transparente und diskriminierungsfreie Anschlussverfahren, die den jeweiligen Projektfortschritt berücksichtigen. Zudem müssten Politik und Netzbetreiber flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA) praxistauglich gestalten. Sie sollen Speicherprojekte auch dann ermöglichen, wenn zunächst nur begrenzte Netzkapazitäten verfügbar sind.

Netz und Vermarktung gemeinsam planen

Wie sich Speicherprojekte wirtschaftlich realisieren lassen, stand im Mittelpunkt des zweitägigen Summits am 14. und 15. Oktober mit mehr als 60 Sprechern, neun Paneldiskussionen und sechs Workshops. Laut BVES müssen Netzanschluss, technische Auslegung und Vermarktung von Beginn an zusammenspielen. Begrenzte Anschlusskapazitäten, Betriebsbeschränkungen und höhere Anforderungen an Verfügbarkeit und Handelsperformance erhöhen die Anforderungen an Projektentwicklung und Finanzierung.
 
 
Zugleich gewinnen die Kombination verschiedener Strommärkte und Systemdienstleistungen sowie gemeinsame Netzanschlüsse für Photovoltaik, Windenergie und Batteriespeicher an Bedeutung. Bei solchen Co- und Tri-Location-Konzepten teilen sich Erzeugungsanlagen und Speicher einen Standort beziehungsweise einen Netzanschluss. Das kann die vorhandene Infrastruktur effizienter nutzbar machen. Dafür müssen Betreiber Erzeugung, Speicherung, Netzrestriktionen und Vermarktung jedoch gemeinsam planen.

Sicherheitsanforderungen und Wärmespeicher im Fokus

Mit der wachsenden Bedeutung von Speichern steigen nach Einschätzung des Verbands auch die Anforderungen an die physische Sicherheit und die Cybersicherheit. Sichere Steuerungs- und Energiemanagementsysteme sowie geschützte Zugänge für Servicearbeiten müssten deshalb bereits bei Planung und Beschaffung berücksichtigt werden.

Neben Batteriespeichern sieht der BVES weitere Investitionsmöglichkeiten in thermischen Speichern, industriellen Wärmepumpen und flexibler Prozesswärme. Diese Technologien könnten dazu beitragen, erneuerbaren Strom effizienter zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken.

„Die Branche arbeitet konstruktiv daran, Lösungen zu entwickeln und Risiken beherrschbar zu machen“, betonte Windelen. Wer mehr Flexibilität im Energiesystem wolle, müsse die Voraussetzungen schaffen, damit Speicher ans Netz kommen und wirtschaftlich betrieben werden können.

Auch Kalkindustrie fordert bessere Infrastruktur

Anlässlich des Investitionsgipfels der Bundesregierung am 19. und 20. Oktober forderte Philip Nuyken, Geschäftsführer Politik des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie, einen konsequenten Abbau staatlicher Investitionshemmnisse. Immer komplexere Regelungen schränkten den unternehmerischen Handlungsspielraum ein, kritisierte er.

„Wir brauchen mehr Entscheidungsfreiheit und weniger staatliche Detailsteuerung“, sagte Nuyken. „Deutschland muss schneller werden. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt, bestehende Anforderungen auf ihre Notwendigkeit überprüft und neue Belastungen vermieden werden“, so der Appell des Verbandes.

Der Staat sollte sich vielmehr auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, wozu eine leistungsfähige Infrastruktur gehöre. Leistungsfähige Stromnetze, eine CO2-Infrastruktur und Wasserstoffnetze seien Voraussetzungen guter Investitionsbedingungen, schloss Nuyken. (sh)

Mittwoch, 21.10.2026, 11:39 Uhr
Susanne Harmsen

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.