Quelle: BMW Foundation
Die BMW Foundation hat vor der Münchner Sicherheitskonferenz eine neue Bevölkerungsumfrage zur Energiewende vorgestellt. Die Studie zeigt wachsende Zweifel am Kurs der Politik.
Die BMW Foundation Herbert Quandt hat am 11.
Februar 2026 zentrale Ergebnisse ihres „Energiewende Zukunftsmonitors 2026“ präsentiert. Anlass ist die Eröffnung des „Energy Security Hub“ auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), deren Partner die Stiftung ist. Ziel der Studie des Allensbach-Instituts ist es, Einstellungen der deutschen Bevölkerung zur Energiewende und deren Entwicklung im Jahresverlauf 2025 zu erfassen.
Die aktuelle Untersuchung basiert auf 1.029 mündlich-persönlichen Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Befragung fand Ende 2025 statt. Ein Großteil der Fragen entspricht denen einer Vorgängerstudie aus Januar 2025, um Veränderungen im Meinungsbild sichtbar zu machen.
Wirtschaftssorgen drängen Klimaschutz zurückNach Angaben des Instituts für Demoskopie Allensbach nimmt die Sorge um die Folgen des Klimawandels in der Bevölkerung weiter ab. Aktuell geben 33
Prozent der Befragten an, sich große Sorgen über die Erderwärmung zu machen. 40
Prozent äußern begrenzte Sorgen, 21
Prozent keine Sorgen. Besonders ausgeprägt sind Sorgen bei jüngeren Menschen, Frauen, höheren sozialen Schichten und Anhängern der Partei Bündnis 90/Die Grünen.
Der langfristige Trend zeigt laut Allensbach, dass der Anteil stark Besorgter zwischen 2010 und 2019 deutlich gestiegen war, seit 2022 jedoch kontinuierlich sinkt. Das Institut führt diese Entwicklung auf das Zusammenspiel mehrerer Krisen zurück, darunter wirtschaftliche Unsicherheiten, der Krieg in der Ukraine sowie eine insgesamt pessimistischere Zukunftseinschätzung.
Parallel dazu verändert sich die Bewertung der klimapolitischen Maßnahmen. Erstmals liegt der Anteil derjenigen, die die Klimaschutzanstrengungen in Deutschland für überzogen halten, mit 30
Prozent gleichauf mit dem derjenigen, die mehr Maßnahmen fordern.
Politisches Engagement ungenügendAuch die Rolle der Akteure bei der Energiewende wird kritischer gesehen. Laut Studie schreiben nur noch 41
Prozent der Bevölkerung der Politik ein starkes oder sehr starkes Engagement für die Energiewende zu. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 55
Prozent. Die Wirtschaft schneidet noch schlechter ab: Nur 25
Prozent sehen dort ein starkes Engagement. Lediglich der Wissenschaft bescheinigt eine Mehrheit ein hohes Engagement.
Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass die Bevölkerung klare Vorstellungen über mögliche Wege der Energiewende hat. Jeweils 61
Prozent halten den Ausbau von Biogas und Biomasse sowie den Ausbau der Stromnetze für sinnvoll. 60
Prozent sprechen sich für finanzielle Unterstützung erneuerbarer Energien aus, 54
Prozent für eine stärkere Nutzung von Erdwärme.
Ambivalent fällt die Haltung zu neuen Gaskraftwerken aus. 37
Prozent halten deren Bau für notwendig, 26
Prozent lehnen ihn ab, ebenso viele sind unentschieden. Laut Institut für Demoskopie Allensbach deutet der hohe Anteil Unentschiedener auf einen geringen Informationsstand zu diesem Thema hin.
Angst vor Kosten dominiertInsgesamt verbinden mehr Menschen die Energiewende mit Risiken als mit Chancen. 37
Prozent sehen überwiegend Risiken, 28
Prozent überwiegend Chancen. Besonders kritisch äußern sich ältere Menschen, sozial schwächere Gruppen sowie Anhänger von AfD und FDP. Jüngere Befragte und höhere soziale Schichten bewerten die Energiewende häufiger als Chance.
Als größte Risiken gelten laut Studie steigende Kosten. 77
Prozent erwarten starke Belastungen für private Haushalte und ebenso viele für die Wirtschaft. Gleichzeitig plädiert eine deutliche Mehrheit dafür, die wirtschaftliche Entwicklung gegenüber dem Klimaschutz zu priorisieren, falls beide Ziele nicht vereinbar erscheinen.
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Skepsis gegenüber der Energiewende bleibt hoch (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach |
Zunehmenden Widerstand registriert die Studie auch gegenüber konkreten politischen Vorgaben. Mehr als die Hälfte der Befragten hält verpflichtende Heizungstausche für inakzeptabel. Auch der Bau von Windrädern oder Stromtrassen in Wohnnähe stößt auf wachsende Ablehnung.
Bessere Kommunikation notwendigTrotz klarer Meinungen zu vielen Aspekten fühlt sich die Mehrheit der Bevölkerung laut Allensbach nicht ausreichend informiert. Nur 34
Prozent geben an, sich gut oder sehr gut über Ziele und Fortschritte der Energiewende informiert zu fühlen.
Vor diesem Hintergrund betonte Heba Aguib, Vorstandsmitglied der BMW Foundation, dass „eine der zentralen Herausforderungen für die Politik darin liege, Ziele und Wege der Energiewende verständlicher zu kommunizieren“. Michael Sommer vom Institut für Demoskopie Allensbach warnte davor, dass mangelnde Planungssicherheit und unklare Kostenverteilungen das Vertrauen weiter belasten könnten.
Mittwoch, 11.02.2026, 09:30 Uhr
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