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Regionale Inselnetzfähigkeit und Netz-Resilienz werden immer wichtiger. Ein Fraunhofer-Positionspapier weist großen Batteriespeichern in der Mittelspannung dabei eine Schlüsselrolle zu.
Ein Positionspapier mit dem Titel „Grid-Forming Readiness im Verteilnetz“ des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE skizziert „Grid-Forming Readiness“ als neue Kategorie im Verteilnetz. Im Fokus stehen mittelspannungsseitige Batteriespeicher und ihre Rolle für Inselnetzbetrieb und Wiederaufbau.
Im Zentrum des Papiers steht die Einführung des Begriffes „Grid-Forming Readiness“. Dieser beschreibt die vorausschauende Vorhaltung netzbildender Fähigkeiten, ohne deren unmittelbare Aktivierung oder Betriebspflicht festzulegen, teilte das IEE dazu am 25. Februar mit. Damit reagiere der Ansatz auf eine regulatorische Lücke zwischen heutigem Betriebsrahmen und künftigen Anforderungen an Systemverantwortung.
Lücke zwischen Betrieb und SystemverantwortungDas Papier analysiert bestehende Kategorien wie „grid-following“ und „grid-forming“ und verweist auf deren begrenzte Abbildung zukünftiger Anforderungen. Während grid-following-Anlagen auf vorhandene Netzsignale reagieren, übernehmen grid-forming-Systeme aktive Führungsfunktionen. Für eine vorausschauende Auslegung von Infrastruktur existiert laut den Autoren bislang keine eigenständige Kategorie.
Grid-Forming Readiness soll diese Lücke schließen. Der Ansatz trennt technische Vorhaltung von tatsächlicher Aktivierung. Anlagen können demnach konstruktiv und regelungstechnisch so ausgelegt werden, dass sie bei Bedarf netzbildende Aufgaben übernehmen, ohne diese im Normalbetrieb dauerhaft bereitstellen zu müssen. Das Positionspapier schlägt dafür ein zweistufiges Klassenmodell sowie standardisierte Prüfprozeduren vor.
In einer ersten Umsetzungsphase rückt das Papier große Batteriespeicher mit Anschluss an Mittelspannungsnetze in den Fokus. Diese Anlagen verfügen demnach über passende Schnittstellen, geeignete Kommunikationsanbindungen und eine hohe lokale Systemwirkung. Die Autoren sehen hier einen handhabbaren Einstiegspunkt für Regulierung und Standardisierung. Eine spätere Ausweitung auf weitere Technologien und Netzebenen bleibt möglich, soll jedoch auf praktischen Erfahrungen basieren. Ziel ist es, Anforderungen frühzeitig in technische Anschlussregeln und Planungsprozesse zu integrieren.
Konkrete Schritte für Normung und RegulierungDas Positionspapier benennt mehrere Arbeitsschritte. Dazu zählt die Priorisierung relevanter Use Cases wie Inselnetzbetrieb, Schwarzstart, Unterstützung schwacher Netze, Bereitstellung von Momentanreserve und Energiereserven für Krisensituationen. Diese Anwendungsfälle sollen als Grundlage für technische Anforderungen dienen.
Zudem schlagen die Autoren standardisierte Funktionsklassen vor. Anlagen sollen ihre Fähigkeiten über definierte Prüfverfahren nachweisen. Die präzise Definition von Grid-Forming Readiness sowie die Verankerung in Normen und Anwendungsregeln, etwa im Umfeld von VDE und FNN, sollen weitere Bausteine bilden. Erst danach soll die Implementierung in das regulatorische Regelwerk folgen.
Neben technischen Fragen adressiert das Positionspapier auch Rollen und Interessen von Netzbetreibern, Anlagenbetreibern, Herstellern, Regulierung und Politik. Diskutiert werden Fragen der Kostenzuordnung, Anreizgestaltung und Finanzierungsmodelle. Grid-Forming Readiness versteht sich als strukturierter Rahmen, um die Handlungsfähigkeit des Verteilnetzes unter veränderten physikalischen Bedingungen langfristig zu sichern.
Das
Positionspapier „Grid-Forming Readiness im Verteilnetz“ des IEE steht auf der Webseite als PDF zur Verfügung.
Mittwoch, 25.02.2026, 14:44 Uhr
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