Markus Hagel (r.) bei seinem Vortrag. Quelle: Stefan Sagmeister
Die Pläne der Regulierungsbehörde, die gesetzliche Netzentgeltbefreiung für Speicher vorzeitig zu beenden, stößt auf Widerstand.
Nicht gut auf die Bundesnetzagentur zu sprechen ist zurzeit Markus Hagel, Bereichsleiter Energiepolitik und Unternehmenskommunikation bei der Trianel. Die Trianel plant in Waltrop in Nordrhein-Westfalen einen ziemlich großen Batteriespeicher mit einer Leistung von 900
MW. Investoren sind gefunden, die Flächensicherung ist abgeschlossen, Mitte 2028 soll der Speicher bereits fertig sein. Aber.
„Das ist einem Industriestandort unwürdig“, sagte Hagel bei einem Pressetermin auf der E-world. Der Hintergrund: Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die Befreiung der Batteriespeicher von den Netzentgelten vorzeitig zu beenden. Ein herber Schlag für alle aktuellen Batterieprojekte, auch das der Trianel, mit nicht absehbaren Konsequenzen.
Am 16. Januar hat die Bundesnetzagentur ein Positionspapier zu Einspeiseentgelten für Speicher veröffentlicht. Darin stellt sie eine Regelung im Energiewirtschaftsgesetz infrage, die unter anderem Batteriespeichern eine Befreiung von Netzentgelten für die Dauer von 20
Jahren gewährt, sofern sie vor August 2029 in Betrieb gehen.
Investitionen in Speicherprojekt gefährdetDiese Regelung besteht seit mehreren Jahren und wurde 2023 vom Gesetzgeber von ursprünglich 2026 auf 2029 verlängert. Nach Darstellung der Bundesnetzagentur soll die 20-jährige Befreiung jedoch künftig nicht mehr gelten. „Stattdessen sollen auch Speicher, die vor dem Stichtag ans Netz gehen, Einspeiseentgelte zahlen“, sagte Hagel im Gespräch mit dieser Redaktion.
Der Plan der Bundesnetzagentur würde in bereits laufende und weit fortgeschrittene Projekte eingreifen – wie das der Trianel. Betroffen sind Vorhaben im Bau, mit erteilten Genehmigungen und bereits getätigten Investitionen. Das Projekt der Trianel in Waltrop hat eine Investitionssumme von 500 bis 600
Millionen Euro. Sollte die Behörde an ihrer Position festhalten, könnte dies die Investitionen in das Speicherprojekt gefährden.
Die genaue finanzielle Dimension ist zurzeit nicht absehbar. Denn die Behörde ist gerade dabei, das Netzentgeltregime neu zu regeln, auch bekannt unter dem Kürzel „AgNes“. Vieles sei dabei noch offen. Aber generell sind Geldgeber nun verunsichert und der Groll von Investoren von Batteriespeicherprojekten auf die Bundesnetzagentur ist groß.
Vor allem, weil die Entscheidung rückwirkend getroffen werden soll. Bislang sei man davon ausgegangen, hierzulande gebe es ein Vertrauensschutz und Investitionssicherheit, so Hagel. Diese Gewissheit sei nun erschüttert.
Zur möglichen juristischen Bewertung äußert er sich nicht konkret. Aus der Bundesnetzagentur sei auf öffentlichen Veranstaltungen der Hinweis gefallen, man könne gegen eine entsprechende Entscheidung klagen. Für Projektentwickler wie die Trianel ist das jedoch keine befriedigende Lösung. „Wir wollen unsere Projekte umsetzen und nicht über Jahre hinweg Rechtsstreitigkeiten führen“.
Netzbetreiber sind in der PflichtDabei seien Speicher essenziell für die Energiewende, so der Trianel-Manager. Sie seien auch politisch gewollt. Dass die Bundesnetzagentur nun ihre Macht nutzt, so eine Entscheidung zu treffen, sei ein schlechtes Zeichen. Auch dass sich die Politik zurückhält, gefällt ihm nicht. „Die Politik sagt, die Bundesnetzagentur ist unabhängig. Das ist mir zu einfach.”
Hagel sieht durchaus die Engpässe im Stromnetz, auf die die Bundesnetzagentur verweist. Gleichwohl sei es das Versäumnis der Netzbetreiber in den vergangenen Jahren gewesen, das Netz nicht auszubauen. Zudem schaut die Bundesnetzagentur seiner Meinung nach zu sehr auf das Netz und zu wenig auf das Gesamtsystem. „Das Netz soll dem Markt dienen und nicht der Markt dem Netz.“
Klaus Holstick, Geschäftsführer Trianel-Flexibilitätsprojekte, ging auf den Trianel-Speicher ein. Die Stadt Waltrop sei sehr erfreut über das Projekt, sagte er. Die Gemeindevertreter hatten schon länger nach einem Nutzer für das Areal gesucht. Denn andere Interessenten, wie ein Logistikunternehmen mit viel Lkw-Verkehr, wollte man dort nicht. Deshalb wurde die Anfrage mit großem Wohlwollen aufgenommen.
Entscheidung im AprilZudem sei auch für die Trianel der Standort ideal: „Wenn man einen Batteriespeicher baut, dann an dieser Stelle“, so Holstick. Der Netzanschluss erfolge auf 380-kV-Ebene, die Stromautobahn für den Anschluss des Speichers liege quasi um die Ecke. Ein entsprechender Anschluss über 900
MW sei rechtsverbindlich mit Amprion vereinbart, ein Baukostenzuschuss sei nicht vorgesehen.
Das Areal umfasst 7
Hektar. Der Genehmigungsantrag wurde eingereicht, die Baugenehmigung wird im Februar 2026 erwartet. „Die finale Investitionsentscheidung ist für April 2026 geplant“, so Holstick
Mittwoch, 11.02.2026, 16:48 Uhr
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