An der neuen Tankanlage: (v.l.) Eva Döhla, Sandra Lehmann und Jean Petrahn. Quelle: SW Hof
Elektroantriebe bleiben in Hofs öffentlichem Nahverkehr noch Zukunftsmusik. Die Mobilitätstochter der Stadtwerke setzt stattdessen zunächst auf Öko-Diesel für die Busse.
Frittenfett statt Windenergie: Bei den Stadtwerken Hof zieht die emissionsfreie Mobilität im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erst nach und nach ein. Der erste Schritt ist eine Umstellung der Busflotte auf nicht-fossilen Dieselkraftstoff.
Die Franken sehen den jetzt beschlossenen Einsatz des aus hydrierten Pflanzenölen gewonnenen Sprits „als ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Übergangslösung“, wie Sandra Lehmann laut einer Mitteilung sagt. Sie ist Betriebsleiterin der „HofBus GmbH“, die die Mobilitätstochter der Stadtwerke Hof ist. Für das Betanken der vorhandenen Omnibusse sei keine technische Umrüstung nötig, heißt es weiter.
Auf dem Betriebsgelände von Hof Bus gibt es jetzt eine neue Zapfsäule für das Tanken von HVO100. Unter diesem Begriff firmiert der Öko-Diesel, der zu 100 Prozent aus Pflanzenölen (Hydrotreated Vegetable Oils) besteht, an den Zapfsäulen kann er auch XTL heißen. Es handelt sich dabei also nicht um eine Mischform wie beim Diesel B10 (zehnprozentige Beimischung von Biodiesel).
Die Beteiligten sind von den Vorteilen gegenüber fossilem Diesel überzeugt. Die CO2-Emissionen ließen sich um bis zu 90 Prozent senken, es gelangten erheblich wenigerPartikel und Stickoxide in die Luft. Außerdem entstehe HVO vollständig aus Abfallstoffen, die eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion verhinderten. Schließlich seien die Abgase angenehmer für die Nase, und die Motorengeräusche weniger laut.
Elektromobilität um mindestens drei Jahre vertagt
Wie eine Sprecherin der Stadtwerke-Tochter auf Anfrage dieser Redaktion sagt, sei das Umsteigen auf batterieelektrische Fahrzeuge aber nur verschoben. In etwa drei bis fünf Jahren könnten die ersten E-Busse im Hofer Stadtverkehr anzutreffen sein. Bisher scheiterte die Erneuerbaren-Zukunft des ÖPNV an den Kosten. Das liegt auch an der hügeligen Topografie. Sie erfordert leistungsfähige E-Busse und eine entsprechend gut ausgebaute Ladeinfrastruktur – was gleichbedeutend mit Ausgaben im Millionen-Euro-Bereich ist.
Betriebsleiterin Sandra Lehmann verweist auf mehrere Förderanträge für Zuschüsse zu E-Bussen, die in der Vergangenheit erfolglos geblieben waren. Erst wenn Bundes- und Landesmittel fließen, wollen die Stadtwerke auf den neuen Antrieb setzen. Langfristiges Ziel bleibe eine „vollständig elektrische Flotte“. Die Lösung mit Öko-Diesel habe das Unternehmen getroffen, „wir Klimaschutz nicht aufschieben können“, so Sandra Lehmann.
Stattdessen hat Hof Bus gerade zwei neue Busse angeschafft, die das Pflanzenöl tanken können. Neben der Stadtbusse-Flotte sollen auch andere Mobile der Stadtwerke nach und nach mit HVO100 fahren. Im laufenden Jahr schreitet die Erneuerung der Busflotte voran, drei weitere Fahrzeuge stehen auf der Einkaufsliste.
Hof Bus könne an der neuen Zapfstelle alle 27 vorhandenen Dieselbusse betanken, erklärt die Sprecherin weiter. Dies sei ohne technischen Eingriff an den Fahrzeugen möglich. Auf dem Betriebsgelände befindet sich ein Tank für rund 40.000 Liter HVO100. Die vorhandene Menge des Kraftstoffs reiche für die Flotte aus.
Stadtwerke-Geschäftsführer Jean Petrahn sieht in der Übergangslösung einen wichtigen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit. „Wir reduzieren Emissionen sofort – ohne teure technische Umbauten“, sagt er laut Mitteilung. Das Tanken mit HVO100 sei ein Zeichen dafür, dass „wir in Hof konsequent an klimafreundlicher Mobilität arbeiten“, so Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD).
In Hof selbst gibt es laut Übersicht der Plattform „Clever tanken“ genau zwei Tankstellen, die Öko-Diesel für den allgemeinen Bedarf anbieten. Der Preis je Liter HVO100 lag dort am 15. Januar drei Cent unter dem für herkömmlichen Diesel.
Donnerstag, 15.01.2026, 13:39 Uhr
Volker Stephan
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