2. European Energy Supply Chain Summit. Quelle: Susanne Harmsen
Beim 2. Energielieferkettengipfel in Berlin stand die Finanzierung der Energiewende im Fokus. Netzbetreiber unterstützen die Politik für einen langsameren Zubau neuer Erzeugungsanlagen.
Beim 2. European Energy Supply Chain Summit in Berlin stand die europäische Energiewende im geopolitischen Kontext im Blickpunkt. Dazu sprach am 25. Februar Eric Heymann, Senior Economist von Deutsche Bank Research. Die preiswerte Stromerzeugung aus Wind und Sonne sei ein Verdienst europäischer Entwickler und der Anfangsunterstützung der Technologie, sagte er. Jetzt gelte es bei allen Klimaschutzambitionen, weniger mit Subventionen zu arbeiten, die nie langfristig verlässlich seien, sondern stattdessen konsequent auf die CO2-Bepreisung zu setzen.
Dabei sei es aber auch nötig, einen Blick auf den Rest der Welt zu behalten, um nicht die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Weder China noch die USA und andere große Volkswirtschaften würden zugunsten des Klimaschutzes auf den eigenen wirtschaftlichen Vorteil verzichten. Für die EU rät Heymann daher: „Die Systemkosten müssen sinken, damit die Energiewende dennoch eine funktionierende Volkswirtschaft hinterlässt und die Industrie nicht abwandert“.
Systemkosten senkenWie diese Systemkosten sinken können und die notwendigen Investitionen zu finanzieren sind, diskutierte ein Panel. Thomas Kusterer, CFO der EnBW, warnte vor Fehlinvestitionen. „Die Energiewende muss bezahlbar sein, sonst bekommt sie keine Akzeptanz mehr“, sagte er. Eine Systemstudie der EnBW sehe 700 Milliarden Euro Kosten weniger bis 2045. Eine Möglichkeit wäre, Netze und erneuerbare Erzeugung besser abgestimmt auszubauen mit Rücksicht auf den langsamer steigenden Strombedarf, als in der Vergangenheit prognostiziert. Dies unterstützte Christoph Müller, CEO des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.
Zudem kritisierte Müller Fehler der Vergangenheit. Der verschleppte Netzausbau durch den Umstieg auf Erdkabel und zu langsame Genehmigungen führten heute zu Redispatchkosten in Milliardenhöhe, die die Volkswirtschaft und den Strompreis belasten. Dies hätte vermieden werden können und müsse im weiteren Umbau des Energiesystems vermieden werden. „Es ist wichtig, das System jetzt im Gleichklang von Erzeugung, Transport und Speichern auszubauen“, appellierte er.
Netzausbau besser anpassenDarum sei der politische Kurs aktuell richtig, sich an den nicht so stark steigenden Stromverbrauch anzupassen. „In den vergangenen Jahren sank der Strombedarf im Schnitt um ein Prozent pro Jahr und stieg nicht an, wie prognostiziert“, sagte Müller. Er lobte die Ampelregierung, die es geschafft hatte, die Genehmigungsverfahren für den Netzausbau auf zehn Jahre zu halbieren. Noch besser wäre es, wenn es nur fünf Jahre würden, weil dann weniger unsichere Prognosen und mehr tatsächliche Entwicklung die Basis für den Netzausbau wären. Damit sei es möglich, effizienter auszubauen, was wirklich notwendig sei.
Während sein Unternehmen große Fonds überzeugen konnten, in den Netzausbau zu investieren, benötigten vor allem die kleineren Netzbetreiber dringend eine höhere Eigenkapitalverzinsung, um ihren Ausbau zu stemmen, appellierte Müller. Es gebe viel lukrativere Investments auf dem Markt, die Netzbetreiber müssten deshalb attraktiver werden.
Andreas Nauen, Operating Partner bei Sandbrook Capital, betonte: „Kapital braucht Klarheit“. Wenn man wie sein Unternehmen 400 Millionen investiert, beispielsweise in den Bau eines Installationsschiffes für Windkraftanlagen oder einen Kabelleger, müsse klar sein, dass diese Schiffe gut ausgelastet werden und ihr Geld zurückverdienen können. Häufig wechselnde Vorgaben der Politik dagegen führten zu Abwarten oder dem Rückzug aus Investitionsfeldern.
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Podiumsdiskussion mit (v.li.): Moderator, Andreas Nauen (Sandbrook Capital), Christoph Müller (CEO Amprion) und Thomas Kusterer (CFO EnBW) Quelle: Berlin Institute |
Mittwoch, 25.02.2026, 15:13 Uhr
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