Quelle: Katia Meyer-Tien
Leichtere Stromimporte aus der Bundesrepublik könnten die Versorgung der Kunden günstiger machen, heißt es seitens des Wiener Wirtschaftsministeriums und der Austrian Power Grid.
Rund 100 Millionen Euro investiert der österreichische Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) in die Ertüchtigung der etwa 2,5 Kilometer langen „Deutschlandleitung“, die 2027 abgeschlossen wird. Die Leitung verläuft vom Netzknoten St. Peter östlich von Braunau in Oberösterreich zur bayerischen Grenze. Von dort aus wird sie von der Tennet auf etwa 86 Kilometern Gesamtlänge zu den Umspannwerken Altheim bei Landshut sowie Isar weitergeführt.
Der technische Vorstand der APG, Gerhard Christiner, berichtete am 26. Juni bei einer Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP), die bestehende 220-kV-Leitung werde auf vier Systeme mit je 380 kV aufgerüstet. Damit steige ihre Übertragungskapazität von 800 auf 6.000 MW: „Das Tor nach Deutschland ist künftig weit offen.“ Importe aus Deutschland würden ebenso erleichtert wie Exporte – vornehmlich von Spitzenstrom aus den österreichischen Pumpspeicherkraftwerken – in die Bundesrepublik.
Laut Christiner kann dies erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile für Österreich mit sich bringen. Im Zeitraum Oktober 2025 bis einschließlich Februar 2026 sei der durchschnittliche Strompreis in Österreich um etwa 21 Euro/MWh höher gewesen als in Deutschland.
Ferner war im Zuge des EU-Systems zur lastflussbasierten Marktkopplung wegen unzureichender Kapazitäten auf den Leitungen zwischen den beiden Ländern Österreich in etwa 93 Prozent der Zeit von Deutschland entkoppelt. Dies habe Kosten von rund 600 Millionen Euro für die österreichischen Stromkunden mit sich gebracht. Weitere 100 Millionen Euro fielen für das Engpassmanagement der APG an.
Somit hatten die Kunden in Österreich insgesamt um 700 Millionen Euro mehr zu bezahlen als jene in Deutschland. Wäre die Deutschlandleitung damals bereits in Betrieb gewesen, wäre dieser Betrag um rund 240 bis 375 Millionen Euro niedriger ausgefallen, rechnete Christiner vor: „Das ist eine signifikante Reduktion.“ Somit sei der Bau der Deutschlandleitung samt ihrer Fortsetzung in der Bundesrepublik jedenfalls sinnvoll. Die APG begann 2011 mit den Vorarbeiten für das Projekt. Rechtskräftig genehmigt ist dieses seit 2016. Seit 2023 läuft die Ertüchtigung des Netzknotens St. Peter.
Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, der seit März 2025 im Amt ist, konstatierte, mit dem Projekt werde der „physische Engpass zwischen Deutschland und Österreich eliminiert. Das ist ein wesentlicher Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft“. Österreich könne künftig vermehrt günstigen Strom aus der Bundesrepublik beziehen.
Einmal mehr bekannte sich der Minister zu einer „pragmatischen Umsetzung der Energiewende“. Dabei hätten günstige Preise sowie die sichere Versorgung mit elektrischer Energie oberste Priorität. Diesen Zielen diene auch das kürzlich beschlossene Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), das auch die Errichtung von Stromleitungen erleichtere. Hattmannsdorfer verwies in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit seines Hauses, per Verordnung Trassen für entsprechende Projekte freizuhalten.
Jedoch halten manche Verteilnetzbetreiber wenig von dieser Option. Ihnen zufolge sind die Kriterien für die Trassenfreihaltungsverordnungen so streng, dass Projekte praktisch bis zur Einreichbarkeit für die Genehmigungsverfahren geplant werden müssen. Somit hätten die Verordnungen keinen erkennbaren Nutzen. Von der Redaktion darauf angesprochen, entgegnete Hattmannsdorfer, er könne diese Kritik nicht nachvollziehen: „Ich verstehe das überhaupt nicht.“
APG-Vorstand Christiner ergänzte, auch er halte die Möglichkeit, Trassenfreihaltungsverordnungen zu erlassen, für sinnvoll. Während des Genehmigungsverfahrens für die seit 2025 in Betrieb befindliche Salzburgleitung seines Unternehmens hätten mehrere Bürgermeister versucht, Flächen auf der geplanten Trasse in Bauland für umzuwidmen und das Projekt damit zu verhindern: „Das wird es künftig nicht mehr geben.“ Die Salzburgleitung schließt beim Netzknoten St. Peter nach Süden an die Deutschlandleitung an und verbindet diesen mit den Pumpspeicherkraftwerken im Tauerngebirge.
Freitag, 26.06.2026, 16:15 Uhr
Klaus Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH