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Energie & Management > Öl - Moskau stoppt kasachisches Öl über Druschba-Leitung
Bisher floss kasachisches Öl über die Druschba-Pipeline zur Raffinerie Schwedt. Damit soll jetzt Schluss sein. Quelle: PCK Schwedt
Öl

Moskau stoppt kasachisches Öl über Druschba-Leitung

Bisher erhält Deutschland Öl aus Kasachstan in Zentralasien über den Transit durch Russland. Jetzt stellt Moskau den Transport durch die Druschba-Pipeline ein.
Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt leiten. Das Öl werde über andere Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen“, erklärte er. 

Zuvor hatte der kasachische Energieminister Jerlan Akkenschenow erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur PCK-Raffinerie in Schwedt mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass das mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge. 

Wirtschaftsministerin: alternative Lieferwege 

Sollte Öl aus Kasachstan länger ausfallen und nicht ersetzt werden können, könnte die Auslastung der Raffinerie spürbar sinken. Der PCK-Betriebsratsvorsitzende Danny Ruthenburg sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das wäre echt schlimm für die PCK, dann fallen wir auf 65 Prozent Auslastung. Dann kriegen wir ein großes Problem.“ Zuletzt hieß es, die Auslastung liege bei rund 85 bis 90 Prozent. 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, sie gehe davon aus, dass die Produktion in Schwedt aufrechterhalten werden könne. Es gehe aber noch um Details. Das Ministerium sei in einem intensiven Austausch mit der Geschäftsführung. Konkret gebe es etwa alternative Lieferwege über die Häfen von Danzig und Rostock.

Letztlich sei durch das Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die PCK-Raffinerie die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland nicht gefährdet, betonte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Selbst dann, wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsse. 

Der Bauindustrieverband Ost befürchtet Engpässe bei Bitumen. „Nach Einschätzung unserer Mitgliedsunternehmen wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen in unserer Region kommen“, sagte Hauptgeschäftsführer Robert Momberg. Jede Störung bei der Raffinerie in Schwedt wirke sich unmittelbar auf den Markt aus. 

Die Unternehmen in der Bauindustrie klagen ohnehin über einen gestiegenen Preisdruck auch als Folge des Irankrieges und der angespannten Situation rund um die Straße von Hormus. Der Bitumenpreis stieg laut Verband von Februar auf März um 36 Prozent.

Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge prüft Rosneft Deutschland derzeit die Auswirkungen. Die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft sei sich dabei ihrer Verantwortung für den Standort bewusst und werde seine Verpflichtungen einhalten. „Gleichzeitig werden vorhandene Spielräume ausgenutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.“ 

Auch nach Angaben der Bundesnetzagentur bleibt die Versorgung bei einem möglichen Transitstopp gesichert. „Nicht ausgeschlossen werden können aber regionale Preiseffekte“, teilte die Behörde mit. Die PCK selbst wollte sich nicht zu dem drohenden Transitstopp äußern und verwies auf die Gesellschafter.
 
Ein Sprecher von Rosneft Deutschland hatte am Dienstag gesagt: „Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann.“ Es sei keine unlösbare Situation für die PCK eingetreten. 

Die Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs bezieht kein russisches Öl mehr, erhält aber über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, Öl aus Kasachstan. Dieses Öl ist wichtig, um die Auslastung der Raffinerie hochzuhalten. Zudem kommt Rohöl über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt. 

Öl nach Ungarn fließt wieder

Gleichzeitig ist der Abschnitt der Druschba-Pipeline, der russisches Öl über Belarus und die Ukraine nach Ungarn transportiert, wieder in Betrieb gegangen. „Nach den uns vorliegenden Informationen hat die Öldurchleitung über die Druschba-Pipeline heute um 11.35 Uhr von Belarus in Richtung Ukraine wieder begonnen“, ließ der ungarische Minister für EU-Angelegenheiten, Janos Boka, am Mittwoch verlauten. 

Die Pipeline war nach einem russischen Drohnenangriff auf eine Pumpstation in der Westukraine Ende Januar beschädigt worden. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte das in Zweifel gezogen und die Ukraine beschuldigt, die für Ungarn wichtigen Öllieferungen aus Russland willkürlich abgestellt zu haben. Beweise legte er dafür keine vor.

Mittwoch, 22.04.2026, 16:56 Uhr
dpa
Energie & Management > Öl - Moskau stoppt kasachisches Öl über Druschba-Leitung
Bisher floss kasachisches Öl über die Druschba-Pipeline zur Raffinerie Schwedt. Damit soll jetzt Schluss sein. Quelle: PCK Schwedt
Öl
Moskau stoppt kasachisches Öl über Druschba-Leitung
Bisher erhält Deutschland Öl aus Kasachstan in Zentralasien über den Transit durch Russland. Jetzt stellt Moskau den Transport durch die Druschba-Pipeline ein.
Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt leiten. Das Öl werde über andere Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen“, erklärte er. 

Zuvor hatte der kasachische Energieminister Jerlan Akkenschenow erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur PCK-Raffinerie in Schwedt mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass das mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge. 

Wirtschaftsministerin: alternative Lieferwege 

Sollte Öl aus Kasachstan länger ausfallen und nicht ersetzt werden können, könnte die Auslastung der Raffinerie spürbar sinken. Der PCK-Betriebsratsvorsitzende Danny Ruthenburg sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das wäre echt schlimm für die PCK, dann fallen wir auf 65 Prozent Auslastung. Dann kriegen wir ein großes Problem.“ Zuletzt hieß es, die Auslastung liege bei rund 85 bis 90 Prozent. 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, sie gehe davon aus, dass die Produktion in Schwedt aufrechterhalten werden könne. Es gehe aber noch um Details. Das Ministerium sei in einem intensiven Austausch mit der Geschäftsführung. Konkret gebe es etwa alternative Lieferwege über die Häfen von Danzig und Rostock.

Letztlich sei durch das Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die PCK-Raffinerie die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland nicht gefährdet, betonte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Selbst dann, wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsse. 

Der Bauindustrieverband Ost befürchtet Engpässe bei Bitumen. „Nach Einschätzung unserer Mitgliedsunternehmen wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen in unserer Region kommen“, sagte Hauptgeschäftsführer Robert Momberg. Jede Störung bei der Raffinerie in Schwedt wirke sich unmittelbar auf den Markt aus. 

Die Unternehmen in der Bauindustrie klagen ohnehin über einen gestiegenen Preisdruck auch als Folge des Irankrieges und der angespannten Situation rund um die Straße von Hormus. Der Bitumenpreis stieg laut Verband von Februar auf März um 36 Prozent.

Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge prüft Rosneft Deutschland derzeit die Auswirkungen. Die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft sei sich dabei ihrer Verantwortung für den Standort bewusst und werde seine Verpflichtungen einhalten. „Gleichzeitig werden vorhandene Spielräume ausgenutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.“ 

Auch nach Angaben der Bundesnetzagentur bleibt die Versorgung bei einem möglichen Transitstopp gesichert. „Nicht ausgeschlossen werden können aber regionale Preiseffekte“, teilte die Behörde mit. Die PCK selbst wollte sich nicht zu dem drohenden Transitstopp äußern und verwies auf die Gesellschafter.
 
Ein Sprecher von Rosneft Deutschland hatte am Dienstag gesagt: „Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann.“ Es sei keine unlösbare Situation für die PCK eingetreten. 

Die Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs bezieht kein russisches Öl mehr, erhält aber über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, Öl aus Kasachstan. Dieses Öl ist wichtig, um die Auslastung der Raffinerie hochzuhalten. Zudem kommt Rohöl über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt. 

Öl nach Ungarn fließt wieder

Gleichzeitig ist der Abschnitt der Druschba-Pipeline, der russisches Öl über Belarus und die Ukraine nach Ungarn transportiert, wieder in Betrieb gegangen. „Nach den uns vorliegenden Informationen hat die Öldurchleitung über die Druschba-Pipeline heute um 11.35 Uhr von Belarus in Richtung Ukraine wieder begonnen“, ließ der ungarische Minister für EU-Angelegenheiten, Janos Boka, am Mittwoch verlauten. 

Die Pipeline war nach einem russischen Drohnenangriff auf eine Pumpstation in der Westukraine Ende Januar beschädigt worden. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte das in Zweifel gezogen und die Ukraine beschuldigt, die für Ungarn wichtigen Öllieferungen aus Russland willkürlich abgestellt zu haben. Beweise legte er dafür keine vor.

Mittwoch, 22.04.2026, 16:56 Uhr
dpa

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