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Energie & Management > Wasserkraft - LEE NRW verteidigt Kleinwasserkraft
Quelle: Pixabay / Fabien
Wasserkraft

LEE NRW verteidigt Kleinwasserkraft

Tote Aale am Rhein lösen in Nordrhein-Westfalen eine neue Debatte über kleine Wasserkraftanlagen aus. Der LEE NRW weist einen Zusammenhang zurück und fordert ihren Weiterbetrieb.
Der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) lehnt den Rückbau kleiner Wasserkraftanlagen ab. Anlass für das Statement sind jüngste Medienberichte über tote Aale am Rheinufer in Düsseldorf, Köln und Bonn. Darin nennen Beobachter Wasserkraftwerke, Pumpwerke und die Schifffahrt als mögliche Ursachen. Zusätzlich verweist der Verband auf einen Antrag der SPD-Landtagsfraktion, der kleine Wasserkraftanlagen als mögliche Ursache in den Blick nimmt.

Aus Sicht des Verbands rechtfertigt die aktuelle Debatte keinen Rückbau. Er fordert, die Anlagen weiterzubetreiben. LEE-NRW-Geschäftsführer Christian Vossler erklärt in einer Mitteilung vom 20. April, ein Rückbau der kleinen Anlagen schwäche den Klimaschutz, ohne die Fischökologie zu verbessern. Zugleich stellt der Verband die Verhältnismäßigkeit eines solchen Schritts infrage und verweist auf Bundesrecht sowie auf Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.

Für seine Argumentation unterscheidet der Verband zwischen großen Wasserkraftwerken an schiffbar ausgebauten Flüssen und kleinen Anlagen in anderen Gewässern. Aale leben laut LEE NRW vor allem in Niederungsgewässern und in großen Flüssen wie Rhein, Main, Lahn und Mosel. Dort arbeitet überwiegend die große Wasserkraft mit Leistungen deutlich oberhalb kleiner Anlagen. Rund um die Fundorte der toten Tiere oder in den Zuflüssen gibt es nach Darstellung des Verbands kaum kleine Wasserkraftanlagen.

Anlagenstandorte sprechen gegen Zusammenhang

Mehr als 70 Prozent der Wasserkraftanlagen in NRW liegen nach Verbandsangaben im Ruhreinzugsgebiet des Sauerlandes, in höheren Lagen anderer Mittelgebirge oder an Stauseen. Die Gewässer mit diesen Anlagen münden erst unterhalb der Fundstellen in den Rhein. Das Ruhreinzugsgebiet sowie kleine Gewässer in Mittelgebirgen und an Stauseen gelten zudem nicht als natürliche Aalgewässer. Probleme mit Aalen entstehen dort laut Verband nur dann, wenn Betreiber oder Vereine Tiere künstlich einsetzen.

Hubert Verbeek, Wasserkraft-Experte und Vorstandsmitglied des Verbands, unterstreicht: „Es spricht derzeit wirklich nichts dafür, dass kleine Wasserkraftanlagen für die verendeten Aale verantwortlich sind.“ Stattdessen kommen unterschiedliche biologische Ursachen, Umweltverschmutzung oder andere menschliche Eingriffe infrage.

Verband betont Energiebeitrag und Schutztechnik

Der Verband hebt die Rolle der Kleinwasserkraft im Energiesystem hervor. Der LEE NRW erklärt in der Mitteilung, die Landesregierung stufe kleine Wasserkraftanlagen als wichtigen Baustein der erneuerbaren Energieversorgung ein. Der Verband verweist auf ihre Planbarkeit, ihren Beitrag zur Netzstabilität und auf mögliche Kombinationen mit Aquathermie. Eine Studie der Universität Wuppertal beziffert die durch kleine Wasserkraft vermiedenen Netzausbaukosten bundesweit auf rund 1 Milliarde Euro. Hinzu kommen jährliche Systemdienstleistungen im Wert von 250 Millionen Euro.

Für Nordrhein-Westfalen nennt der Verband rund 300 Wasserkraftwerke mit einer Leistung von jeweils bis zu 100 kW. Diese Anlagen erzeugen nach Angaben aus dem Marktstammdatenregister pro Jahr zusammen rund 58 Millionen kWh Strom. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von etwa 20.000 Haushalten. Modernisieren Betreiber die Anlagen und nutzen zusätzlich Flusswärme, kann ihre Leistung laut LEE NRW um 30 Prozent steigen. Außerdem lässt sich damit Energie in Höhe von bis zu 375 Millionen kWh CO2-frei bereitstellen.

Zugleich verweist der Verband auf technische Schutzvorkehrungen. Kleine Wasserkraftanlagen in Aalgewässern müssen nach Bundesrecht entweder mit fischfreundlicher Technik arbeiten oder wirksame Fischschutzeinrichtungen einsetzen. Genannt werden in der Mitteilung etwa Wasserräder, archimedische Schrauben und Feinrechen. Gerade kleinere Anlagen nutzen solche Technik bereits häufig. Auch bei Hochwasser sieht der LEE NRW keine besondere Gefahr. In solchen Situationen fließe das Wasser überwiegend an den Anlagen vorbei.

Dienstag, 21.04.2026, 09:08 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Wasserkraft - LEE NRW verteidigt Kleinwasserkraft
Quelle: Pixabay / Fabien
Wasserkraft
LEE NRW verteidigt Kleinwasserkraft
Tote Aale am Rhein lösen in Nordrhein-Westfalen eine neue Debatte über kleine Wasserkraftanlagen aus. Der LEE NRW weist einen Zusammenhang zurück und fordert ihren Weiterbetrieb.
Der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) lehnt den Rückbau kleiner Wasserkraftanlagen ab. Anlass für das Statement sind jüngste Medienberichte über tote Aale am Rheinufer in Düsseldorf, Köln und Bonn. Darin nennen Beobachter Wasserkraftwerke, Pumpwerke und die Schifffahrt als mögliche Ursachen. Zusätzlich verweist der Verband auf einen Antrag der SPD-Landtagsfraktion, der kleine Wasserkraftanlagen als mögliche Ursache in den Blick nimmt.

Aus Sicht des Verbands rechtfertigt die aktuelle Debatte keinen Rückbau. Er fordert, die Anlagen weiterzubetreiben. LEE-NRW-Geschäftsführer Christian Vossler erklärt in einer Mitteilung vom 20. April, ein Rückbau der kleinen Anlagen schwäche den Klimaschutz, ohne die Fischökologie zu verbessern. Zugleich stellt der Verband die Verhältnismäßigkeit eines solchen Schritts infrage und verweist auf Bundesrecht sowie auf Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.

Für seine Argumentation unterscheidet der Verband zwischen großen Wasserkraftwerken an schiffbar ausgebauten Flüssen und kleinen Anlagen in anderen Gewässern. Aale leben laut LEE NRW vor allem in Niederungsgewässern und in großen Flüssen wie Rhein, Main, Lahn und Mosel. Dort arbeitet überwiegend die große Wasserkraft mit Leistungen deutlich oberhalb kleiner Anlagen. Rund um die Fundorte der toten Tiere oder in den Zuflüssen gibt es nach Darstellung des Verbands kaum kleine Wasserkraftanlagen.

Anlagenstandorte sprechen gegen Zusammenhang

Mehr als 70 Prozent der Wasserkraftanlagen in NRW liegen nach Verbandsangaben im Ruhreinzugsgebiet des Sauerlandes, in höheren Lagen anderer Mittelgebirge oder an Stauseen. Die Gewässer mit diesen Anlagen münden erst unterhalb der Fundstellen in den Rhein. Das Ruhreinzugsgebiet sowie kleine Gewässer in Mittelgebirgen und an Stauseen gelten zudem nicht als natürliche Aalgewässer. Probleme mit Aalen entstehen dort laut Verband nur dann, wenn Betreiber oder Vereine Tiere künstlich einsetzen.

Hubert Verbeek, Wasserkraft-Experte und Vorstandsmitglied des Verbands, unterstreicht: „Es spricht derzeit wirklich nichts dafür, dass kleine Wasserkraftanlagen für die verendeten Aale verantwortlich sind.“ Stattdessen kommen unterschiedliche biologische Ursachen, Umweltverschmutzung oder andere menschliche Eingriffe infrage.

Verband betont Energiebeitrag und Schutztechnik

Der Verband hebt die Rolle der Kleinwasserkraft im Energiesystem hervor. Der LEE NRW erklärt in der Mitteilung, die Landesregierung stufe kleine Wasserkraftanlagen als wichtigen Baustein der erneuerbaren Energieversorgung ein. Der Verband verweist auf ihre Planbarkeit, ihren Beitrag zur Netzstabilität und auf mögliche Kombinationen mit Aquathermie. Eine Studie der Universität Wuppertal beziffert die durch kleine Wasserkraft vermiedenen Netzausbaukosten bundesweit auf rund 1 Milliarde Euro. Hinzu kommen jährliche Systemdienstleistungen im Wert von 250 Millionen Euro.

Für Nordrhein-Westfalen nennt der Verband rund 300 Wasserkraftwerke mit einer Leistung von jeweils bis zu 100 kW. Diese Anlagen erzeugen nach Angaben aus dem Marktstammdatenregister pro Jahr zusammen rund 58 Millionen kWh Strom. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von etwa 20.000 Haushalten. Modernisieren Betreiber die Anlagen und nutzen zusätzlich Flusswärme, kann ihre Leistung laut LEE NRW um 30 Prozent steigen. Außerdem lässt sich damit Energie in Höhe von bis zu 375 Millionen kWh CO2-frei bereitstellen.

Zugleich verweist der Verband auf technische Schutzvorkehrungen. Kleine Wasserkraftanlagen in Aalgewässern müssen nach Bundesrecht entweder mit fischfreundlicher Technik arbeiten oder wirksame Fischschutzeinrichtungen einsetzen. Genannt werden in der Mitteilung etwa Wasserräder, archimedische Schrauben und Feinrechen. Gerade kleinere Anlagen nutzen solche Technik bereits häufig. Auch bei Hochwasser sieht der LEE NRW keine besondere Gefahr. In solchen Situationen fließe das Wasser überwiegend an den Anlagen vorbei.

Dienstag, 21.04.2026, 09:08 Uhr
Davina Spohn

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