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Energie & Management > Regenerative - LEE: Biogas nicht länger politisch ausbremsen
Quelle: E&M / Katia Meyer-Tien
Regenerative

LEE: Biogas nicht länger politisch ausbremsen

Erhöhter Heizbedarf und niedrige Gasspeicherstände sind in den vergangenen Wochen wieder häufiger thematisiert worden. Kann heimisches Biomethan eine Entlastung bringen?
Vor allem Importabhängigkeiten werden immer wieder diskutiert. Aktuell steht die Frage nach einer nationalen Gasreserve im Raum. Nach Einschätzung des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE) wird dabei die Rolle von Biomethan für eine langfristig sichere und resiliente Energieversorgung unterschätzt und „politisch ausgebremst“.

„Sobald die Gasspeicher leerer werden, wird darüber diskutiert, wie Deutschland als rohstoffarmes Land seine Versorgung mit Erdgas sicherstellen kann. Dabei produzieren wir einen Teil der Lösung längst bei uns vor Ort“, erklärt Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE, in einer Verbandsmitteilung. Biomethan aus Biogasanlagen sei speicherbar, flexibel einsetzbar und sofort verfügbar. Es entspreche technisch 1:1 fossilem Erdgas und könne ohne Umwege in das bestehende Gasnetz eingespeist werden. „Das ist echte Versorgungssicherheit made in Niedersachsen“, so Weyberg. 

Der Erdgasbedarf in Niedersachsen liegt nach LEE-Angaben aktuell bei rund 80 Milliarden kWh, 42 Anlagen speisen etwa 1,6 Milliarden kWh Biomethan ein und decken damit rund zwei Prozent des Bedarfs. Würde die derzeit verstromte Biogasmenge stattdessen zu Biomethan aufbereitet, könnten zusätzlich rund 20 Milliarden kWh erzeugt werden – ganz ohne neue Anlagen oder zusätzliche Biomasse. Rein rechnerisch ließe sich somit mehr als ein Viertel des niedersächsischen Erdgasbedarfs aus bestehenden Kapazitäten decken. 

Klare politische Leitplanken gefordert


Allerdings heißt es seitens des LEE auch, dass eine vollständige Umstellung weder realistisch noch sinnvoll wäre, denn auch die Verstromung von Biogas ersetze fossile Energie. Durch Kraft-Wärme-Kopplung würden heute rund 70 Prozent der entstehenden Wärme aus der Verstromung genutzt, was in etwa einem Viertel der gesamten erneuerbaren Wärme im Land entspreche. 

„Unsere Anlagen können Strom, Wärme und Gas liefern. Genau diese Flexibilität macht Biogas zu einer wichtigen strategischen Reserve in unserem Energiesystem“, so Weyberg. „Dabei reden wir nicht über Zukunftsmusik, sondern über Potenziale, die heute schon verfügbar sind.“ 

Um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können, sind aus Sicht des LEE klare politische Leitplanken notwendig. Bei der Reform des Gebäudemodernisierungsgesetzes sollte daher am Ziel festgehalten werden, dass neue Heizungsanlagen mindestens 65 Prozent der bereitgestellten Wärme durch erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme erzeugen. Über die Gasnetzzugangsverordnung müsse zudem ein gesicherter Zugang für die Biomethaneinspeisung gewährleistet werden. Eine Grüngasquote könne zusätzlich dafür sorgen, dass der Anteil klimaneutraler Gase im Netz kontinuierlich steigt.

Kein nationaler Aktionsplan 

Auch auf europäischer Ebene sieht der LEE die Richtung vorgegeben: Im Rahmen des Programms „RePowerEU“ strebt die Europäische Union danach bis 2030 eine Biomethanproduktion von 35 Milliarden Kubikmetern an. Deutschland verfüge jedoch bislang über keinen eigenen nationalen Aktionsplan.

„Wer es mit der Versorgungssicherheit ernst meint, darf das Potenzial heimischer erneuerbarer Gase nicht länger unterschätzen. Viele motivierte Betreiber gehen bereits voran und investieren in eine Biomethanaufbereitung oder in eine erhebliche Flexibilisierung ihrer Anlagen“, betont Weyberg. Man benötige allerdings den politischen Rückenwind in Form von klaren Regeln, einem gesicherten Netzzugang und langfristigen Perspektiven.

Dienstag, 24.02.2026, 12:07 Uhr
Günter Drewnitzky
Energie & Management > Regenerative - LEE: Biogas nicht länger politisch ausbremsen
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LEE: Biogas nicht länger politisch ausbremsen
Erhöhter Heizbedarf und niedrige Gasspeicherstände sind in den vergangenen Wochen wieder häufiger thematisiert worden. Kann heimisches Biomethan eine Entlastung bringen?
Vor allem Importabhängigkeiten werden immer wieder diskutiert. Aktuell steht die Frage nach einer nationalen Gasreserve im Raum. Nach Einschätzung des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE) wird dabei die Rolle von Biomethan für eine langfristig sichere und resiliente Energieversorgung unterschätzt und „politisch ausgebremst“.

„Sobald die Gasspeicher leerer werden, wird darüber diskutiert, wie Deutschland als rohstoffarmes Land seine Versorgung mit Erdgas sicherstellen kann. Dabei produzieren wir einen Teil der Lösung längst bei uns vor Ort“, erklärt Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE, in einer Verbandsmitteilung. Biomethan aus Biogasanlagen sei speicherbar, flexibel einsetzbar und sofort verfügbar. Es entspreche technisch 1:1 fossilem Erdgas und könne ohne Umwege in das bestehende Gasnetz eingespeist werden. „Das ist echte Versorgungssicherheit made in Niedersachsen“, so Weyberg. 

Der Erdgasbedarf in Niedersachsen liegt nach LEE-Angaben aktuell bei rund 80 Milliarden kWh, 42 Anlagen speisen etwa 1,6 Milliarden kWh Biomethan ein und decken damit rund zwei Prozent des Bedarfs. Würde die derzeit verstromte Biogasmenge stattdessen zu Biomethan aufbereitet, könnten zusätzlich rund 20 Milliarden kWh erzeugt werden – ganz ohne neue Anlagen oder zusätzliche Biomasse. Rein rechnerisch ließe sich somit mehr als ein Viertel des niedersächsischen Erdgasbedarfs aus bestehenden Kapazitäten decken. 

Klare politische Leitplanken gefordert


Allerdings heißt es seitens des LEE auch, dass eine vollständige Umstellung weder realistisch noch sinnvoll wäre, denn auch die Verstromung von Biogas ersetze fossile Energie. Durch Kraft-Wärme-Kopplung würden heute rund 70 Prozent der entstehenden Wärme aus der Verstromung genutzt, was in etwa einem Viertel der gesamten erneuerbaren Wärme im Land entspreche. 

„Unsere Anlagen können Strom, Wärme und Gas liefern. Genau diese Flexibilität macht Biogas zu einer wichtigen strategischen Reserve in unserem Energiesystem“, so Weyberg. „Dabei reden wir nicht über Zukunftsmusik, sondern über Potenziale, die heute schon verfügbar sind.“ 

Um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können, sind aus Sicht des LEE klare politische Leitplanken notwendig. Bei der Reform des Gebäudemodernisierungsgesetzes sollte daher am Ziel festgehalten werden, dass neue Heizungsanlagen mindestens 65 Prozent der bereitgestellten Wärme durch erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme erzeugen. Über die Gasnetzzugangsverordnung müsse zudem ein gesicherter Zugang für die Biomethaneinspeisung gewährleistet werden. Eine Grüngasquote könne zusätzlich dafür sorgen, dass der Anteil klimaneutraler Gase im Netz kontinuierlich steigt.

Kein nationaler Aktionsplan 

Auch auf europäischer Ebene sieht der LEE die Richtung vorgegeben: Im Rahmen des Programms „RePowerEU“ strebt die Europäische Union danach bis 2030 eine Biomethanproduktion von 35 Milliarden Kubikmetern an. Deutschland verfüge jedoch bislang über keinen eigenen nationalen Aktionsplan.

„Wer es mit der Versorgungssicherheit ernst meint, darf das Potenzial heimischer erneuerbarer Gase nicht länger unterschätzen. Viele motivierte Betreiber gehen bereits voran und investieren in eine Biomethanaufbereitung oder in eine erhebliche Flexibilisierung ihrer Anlagen“, betont Weyberg. Man benötige allerdings den politischen Rückenwind in Form von klaren Regeln, einem gesicherten Netzzugang und langfristigen Perspektiven.

Dienstag, 24.02.2026, 12:07 Uhr
Günter Drewnitzky

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