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Beim Anschluss von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern entstehen regional stark unterschiedliche Kosten. Das Fraunhofer IEE sieht Handlungsbedarf und hat ein Whitepaper veröffentlicht.
Beim Einbau von Wärmepumpen in bestehende Mehrfamilienhäuser kann der Stromnetzanschluss zum Kostenrisiko werden. Je nach Netzgebiet unterscheiden sich die Anforderungen an die Anschlussleistung und die Verfahren zur Ermittlung der Gebäudelast. Die Folge: Für vergleichbare Vorhaben können Baukostenzuschüsse zwischen null und mehr als 50.000 Euro anfallen. Zu diesem Ergebnis kommt ein
Whitepaper „Netzanschlusskosten für Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus“ des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE.
Das Fraunhofer IEE untersuchte bestehende Verfahren bei Netzbetreibern und leitete daraus Vorschläge für Wohnungswirtschaft, Netzbetreiber, Normungsorganisationen, Regulierung und Politik ab. Im Mittelpunkt stehen die Grenzen für pauschal abgerechnete Standardanschlüsse, die Berechnung der erforderlichen Anschlussleistung und der Einsatz flexibler Verbraucher.
Regionale Unterschiede erschweren die PlanungDie Analyse macht zwei strukturelle Defizite sichtbar: So ist bundesweit nicht einheitlich geregelt, bis zu welcher Leistung ein Anschluss als Standard gilt und pauschal abgerechnet wird, schreiben die Forschenden des IEE in dem Whitepaper. Bei den drei untersuchten Netzbetreibern reichen die entsprechenden Grenzen von etwa 43 bis 156
kW. Wird die jeweilige Grenze überschritten, folgen individuelle Prüfungen und Kostenschätzungen.
Hinzu kommen unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung der Haushaltslast. Die DIN 18015-1 wurde ursprünglich für die Bemessung von Hauptleitungen innerhalb von Gebäuden entwickelt. Wird sie auch zur Beurteilung des Netzanschlusses eingesetzt, kann sie den tatsächlichen Leistungsbedarf gegenüber messdatenbasierten Werksnormen um bis zum Faktor 2,5
überschätzen.
Das Institut empfiehlt daher bundesweit vergleichbare Pauschalgrenzen für Standardanschlüsse. Gebäudeeigentümer könnten dadurch die Anschlusskosten früher in ihre Investitionsrechnung einbeziehen. Für Netzbetreiber würde sich zugleich die Zahl der Fälle verringern, in denen sie Anschlussleistung und erforderliche Netzmaßnahmen individuell bestimmen müssen.
Dynamisches LastmanagementDaneben plädieren die Autoren zudem für datenbasierte Vorgaben zur Bestimmung der Anschlussleistung. Als mögliche Ansatzpunkte nennen sie einen entsprechenden Anhang zur VDE-AR-N 4100 oder eine Weiterentwicklung der DIN 18015-1. In die Berechnung sollen repräsentative Messdaten, Gleichzeitigkeitsfaktoren und die jeweils eingesetzte Technik zur Warmwasserbereitung einfließen.
Eine weitere Option sieht das Whitepaper im dynamischen Lastmanagement. Treten hohe Anschlussleistungen nur in wenigen Situationen auf, könnten Betreiber Wärmepumpen, Heizstäbe sowie elektrische und thermische Speicher koordiniert steuern. Die Leistung am Netzanschlusspunkt ließe sich dadurch begrenzen.
Das kann insbesondere dann relevant werden, wenn einzelne Leistungsspitzen rechnerisch eine Verstärkung des Anschlusses auslösen würden. Ein Lastmanagement ersetzt allerdings nicht in jedem Fall den Ausbau des Anschlusses. Reichen die vorhandenen Kapazitäten auch bei einer flexiblen Betriebsweise nicht aus, bleiben individuelle Verstärkungsmaßnahmen erforderlich.
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Das Whitepaper Netzanschlusskosten des Fraunhofer IEE als pdf-Datei (Zur Vollansicht auf die Grafik klicken) Quelle: Fraunhofer IEE |
Hohe Anschlusskosten können Investition verteuernDas Institut sieht deshalb Regulierung und Förderpolitik gefordert. Die Kosten für den Ausbau der Stromnetze müssten Netzanschlussnehmer, Netzbetreiber sowie Regulierung und Förderung auf Bundesebene adressieren. Das Whitepaper zielt damit neben technischen und normativen Fragen auch auf die Verteilung jener Kosten, die entstehen, wenn bestehende Anschlüsse für zusätzliche elektrische Lasten nicht ausreichen.
Unabhängig von möglichen Änderungen der Regulierung sieht das Fraunhofer IEE bereits heute Handlungsmöglichkeiten. Wohnungsunternehmen könnten Verbrauchsdaten auswerten und Lastgangmessungen einsetzen, bevor sie Wärmepumpenprojekte dimensionieren. Bei größeren Portfolios ließen sich Gebäude zudem frühzeitig danach untersuchen, ob vorhandene Netzanschlüsse für zusätzliche Lasten ausreichen.
Netzbetreiber könnten ihrerseits Messdaten aus intelligenten Messsystemen für die Weiterentwicklung ihrer Lastannahmen nutzen, die Grenzen ihrer Standardanschlüsse überprüfen und Informationen über verfügbare Anschlusskapazitäten bereitstellen. Bundesnetzagentur, DIN und VDE könnten nach Empfehlung der Autoren bestehende Verfahren der Netzbetreiber auswerten und daraus einheitlichere regulatorische und normative Vorgaben entwickeln.
(hr)
Mittwoch, 12.08.2026, 11:16 Uhr
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