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Energie & Management > Veranstaltung - Investitionssicherheit für den Netzausbau nötig
Quelle: Stadtwerketagung Berlin 2026
Veranstaltung

Investitionssicherheit für den Netzausbau nötig

Auf der Handelsblatt-Stadtwerke-Tagung in Berlin stand die Regulierung im Mittelpunkt. Die Unternehmer forderten einen Rahmen, der die Finanzierung für ihre Investitionen gewährleistet.
Vertreter kommunaler Energieversorger haben auf der Handelsblatt-Stadtwerke-Tagung 2026 in Berlin mehr Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen gefordert. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Anforderungen durch die Energiewende drängt die Branche auf schnelle Entscheidungen der Politik.

Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, stellte in ihrem Beitrag die laufenden Verfahren NEST (Netzentgeltregulierung für Strom- und Gasnetze) und AgNes (Allgemeinen Netzentgeltfestlegung Strom) in den Mittelpunkt. Diese sollen künftig Leitplanken für Investitionen und Netzbetrieb setzen. Haller äußerte die Erwartung, dass die ersten Ergebnisse für mehr Orientierung im Markt sorgen, auch wenn nicht alle Akteure mit den Vorgaben zufrieden sein dürften.

Widerspruch kam aus der Praxis. Magdalena Weigel, Vorständin der N-Ergie AG, verwies auf Engpässe beim Netzausbau. In Nürnberg seien sehr viele PV-Anlagen installiert, die schnell ans Netz gebracht werden sollen. Der dafür nötige Netzausbau benötige sieben bis zehn Jahre, bis der Übertragungsnetzbetreiber Tennet neue Kupplungsstellen anbieten kann. 

Netzanschlüsse anders priorisieren

Vor diesem Hintergrund forderte Weigel Änderungen beim Netzanschluss. Das derzeitige Prinzip, nach dem Projekte in der Reihenfolge der Antragstellung angeschlossen werden (Windhundprinzip), führe zu Fehlsteuerungen. Netzbetreiber sollten den Zubau stärker nach verfügbaren Kapazitäten steuern können. Gleichzeitig verwies sie auf steigende Kapitalkosten, die nicht vollständig über Netzentgelte refinanziert würden.

Haller betonte, die konkrete Ausgestaltung der Netzanschlussverfahren solle grundsätzlich bei den Netzbetreibern liegen, solange diese diskriminierungsfrei ausgestaltet seien. Sie geht davon aus, dass sich branchenweit einige Standardmodelle etablieren und keine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren entsteht.

Netzentgeltbefreiung für Batterien?

Auch Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel, plädierte für Anpassungen. Baukostenzuschüsse könnten ein Instrument sein, um Investitionen gezielter zu lenken. Mit einer langen Übergangsphase könnten auch Einspeiseentgelte eingeführt werden. Strukturbrüche seien aber zu vermeiden, indem nachträglich die Befreiung von den Netzentgelten für Batteriespeicher zurückgenommen wird. „Das würde Geschäftsmodelle zerstören“, warnte er. 

Haller erwiderte, dass der Vorschlag zum Beenden der Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher noch keine Festlegung sei. Es müssten aber viele Leistungsträger in die Finanzierung der Netze eingebunden werden. Haller will daher schnell eine Kapazitätsbepreisung einführen, damit Speicher netzdienlich gefahren werden und nicht Engpässe noch verstärken. Für die N-ergie sagte Weigel, es solle nicht so viele Änderungen und nicht so schnell geben, weil Investitionsentscheidungen der Unternehmen langfristig gelten und bei Unsicherheit eben nicht getroffen werden.
 
Diskussion mit (v.li.): Barbie Kornelia Haller (Bundesnetzagentur),
Sven Becker (Trianel) und Magdalena Weigel (N-ergie)
Quelle: Susanne Harmsen

Eigenkapitalzins in Arbeit

Ihre Behörde will schnellere Prüfungs- und Umsetzungsprozesse erreichen, kündigte Haller an. Die versprochenen Opex-Faktoren wurden kürzlich als Positionspapier vorgelegt und gelten für alle Unternehmen. Sie würden nun in Zusammenarbeit mit den Bundesländern und nach Vorliegen der Effizienzwerte der Unternehmen festgelegt. „Die Berater der Stadtwerke könne jetzt schon rechnen für die Eigenkapitalverzinsung“, zeigte sich Haller überzeugt. So seien die Mittelwerte nach oben angepasst worden. 

Allerdings mache die Volatilität der Marktwerte es erforderlich, sie zeitnah zu bestimmen. Für Gas käme die Festlegung in diesem Jahr, für Strom im nächsten, versicherte sie. Die aktuelle Regulierungsperiode dauere ja noch fünf Jahre und gebe damit eine gewisse Planbarkeit. Die Bundesnetzagentur sieht sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Investitionsanreizen. Ziel sei es, sowohl bezahlbare Netzentgelte sicherzustellen als auch attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen. Dies solle umgesetzt werden, versprach Haller. 

Mittwoch, 22.04.2026, 15:02 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Investitionssicherheit für den Netzausbau nötig
Quelle: Stadtwerketagung Berlin 2026
Veranstaltung
Investitionssicherheit für den Netzausbau nötig
Auf der Handelsblatt-Stadtwerke-Tagung in Berlin stand die Regulierung im Mittelpunkt. Die Unternehmer forderten einen Rahmen, der die Finanzierung für ihre Investitionen gewährleistet.
Vertreter kommunaler Energieversorger haben auf der Handelsblatt-Stadtwerke-Tagung 2026 in Berlin mehr Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen gefordert. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Anforderungen durch die Energiewende drängt die Branche auf schnelle Entscheidungen der Politik.

Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, stellte in ihrem Beitrag die laufenden Verfahren NEST (Netzentgeltregulierung für Strom- und Gasnetze) und AgNes (Allgemeinen Netzentgeltfestlegung Strom) in den Mittelpunkt. Diese sollen künftig Leitplanken für Investitionen und Netzbetrieb setzen. Haller äußerte die Erwartung, dass die ersten Ergebnisse für mehr Orientierung im Markt sorgen, auch wenn nicht alle Akteure mit den Vorgaben zufrieden sein dürften.

Widerspruch kam aus der Praxis. Magdalena Weigel, Vorständin der N-Ergie AG, verwies auf Engpässe beim Netzausbau. In Nürnberg seien sehr viele PV-Anlagen installiert, die schnell ans Netz gebracht werden sollen. Der dafür nötige Netzausbau benötige sieben bis zehn Jahre, bis der Übertragungsnetzbetreiber Tennet neue Kupplungsstellen anbieten kann. 

Netzanschlüsse anders priorisieren

Vor diesem Hintergrund forderte Weigel Änderungen beim Netzanschluss. Das derzeitige Prinzip, nach dem Projekte in der Reihenfolge der Antragstellung angeschlossen werden (Windhundprinzip), führe zu Fehlsteuerungen. Netzbetreiber sollten den Zubau stärker nach verfügbaren Kapazitäten steuern können. Gleichzeitig verwies sie auf steigende Kapitalkosten, die nicht vollständig über Netzentgelte refinanziert würden.

Haller betonte, die konkrete Ausgestaltung der Netzanschlussverfahren solle grundsätzlich bei den Netzbetreibern liegen, solange diese diskriminierungsfrei ausgestaltet seien. Sie geht davon aus, dass sich branchenweit einige Standardmodelle etablieren und keine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren entsteht.

Netzentgeltbefreiung für Batterien?

Auch Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel, plädierte für Anpassungen. Baukostenzuschüsse könnten ein Instrument sein, um Investitionen gezielter zu lenken. Mit einer langen Übergangsphase könnten auch Einspeiseentgelte eingeführt werden. Strukturbrüche seien aber zu vermeiden, indem nachträglich die Befreiung von den Netzentgelten für Batteriespeicher zurückgenommen wird. „Das würde Geschäftsmodelle zerstören“, warnte er. 

Haller erwiderte, dass der Vorschlag zum Beenden der Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher noch keine Festlegung sei. Es müssten aber viele Leistungsträger in die Finanzierung der Netze eingebunden werden. Haller will daher schnell eine Kapazitätsbepreisung einführen, damit Speicher netzdienlich gefahren werden und nicht Engpässe noch verstärken. Für die N-ergie sagte Weigel, es solle nicht so viele Änderungen und nicht so schnell geben, weil Investitionsentscheidungen der Unternehmen langfristig gelten und bei Unsicherheit eben nicht getroffen werden.
 
Diskussion mit (v.li.): Barbie Kornelia Haller (Bundesnetzagentur),
Sven Becker (Trianel) und Magdalena Weigel (N-ergie)
Quelle: Susanne Harmsen

Eigenkapitalzins in Arbeit

Ihre Behörde will schnellere Prüfungs- und Umsetzungsprozesse erreichen, kündigte Haller an. Die versprochenen Opex-Faktoren wurden kürzlich als Positionspapier vorgelegt und gelten für alle Unternehmen. Sie würden nun in Zusammenarbeit mit den Bundesländern und nach Vorliegen der Effizienzwerte der Unternehmen festgelegt. „Die Berater der Stadtwerke könne jetzt schon rechnen für die Eigenkapitalverzinsung“, zeigte sich Haller überzeugt. So seien die Mittelwerte nach oben angepasst worden. 

Allerdings mache die Volatilität der Marktwerte es erforderlich, sie zeitnah zu bestimmen. Für Gas käme die Festlegung in diesem Jahr, für Strom im nächsten, versicherte sie. Die aktuelle Regulierungsperiode dauere ja noch fünf Jahre und gebe damit eine gewisse Planbarkeit. Die Bundesnetzagentur sieht sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Investitionsanreizen. Ziel sei es, sowohl bezahlbare Netzentgelte sicherzustellen als auch attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen. Dies solle umgesetzt werden, versprach Haller. 

Mittwoch, 22.04.2026, 15:02 Uhr
Susanne Harmsen

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